The Year My Parents Went on Vacation - O Ano em que Meus Pais Saíram de Férias (2006)

Das Jahr, als meine Eltern im Urlaub waren

The Year My Parents Went on Vacation - O Ano em que Meus Pais Saíram de Férias (2006) Das Jahr, als meine Eltern im Urlaub waren

Oder: Gooooooooooooooooool!!!

The Year My Parents Went on Vacation - O Ano em que Meus Pais Saíram de Férias

Wer putzt das nachher wieder auf?

Brasilien im Sommer 1970. Seit 1964 herrscht die unerbittliche Militärdiktatur unter Castelo Branco. Gleichzeitig freut sich ein ganzes Land auf die Fussball-Weltmeisterschaft in Mexiko, wo die Ballartisten rund um Superstar Pelé endlich ihren dritten Titel holen sollen. Auch der 12-jährige Mauro (Michel Joelsas), Sohn eines Juden und einer Katholikin, hat in erster Linie Fussball im Kopf: Wenn er nicht gerade selbst spielt, beschäftigt er sich mit Tischfussball oder seinem liebevoll gepflegten Panini-Album.

Kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft reisen Mauros Eltern übersturzt aus ihrer Wohnung aus und hinterlassen den Jungen bei seinem Grossvater, der in einer vornehmlich von Juden bewohnten Siedlung in Sao Paulo wohnt. "In Urlaub" fahren sie, erklären sie und versprechen, rechtzeitig zur Weltmeisterschaft wieder zurück zu sein. In Wirklichkeit sind sie Regimegegner und als solche zur Flucht gezwungen.

Wie das Schicksal so spielt, ist Mauros Grossvater kurz zuvor verstorben. Die Eltern sind jedoch bereits weg - ohne etwas davon bemerkt zu haben. Ganz allein in der ungewohnten Nachbarschaft lernt Mauro den alten Juden Shlomo ( Germano Haiut) kennen, der sich eher wiederwillig um den vereinsamten Jungen kümmert. Zum Glück für Mauro gibts auch noch Hanna (Daniela Piepszyk), ein Mädchen aus demselben Block, das Mauros Zuneigung nach anfänglichem Misstrauen schnell gewinnt. Die Weltmeisterschaft rückt näher und näher - während Mauro ungeduldig auf die Rückkehr seiner Eltern wartet...


Kinofilm-Rating

Die Ausgangslage des Films von Cao Hamburger ist schon mal arg konstruiert: Mauros Grossvater stirbt just zwischen dem Telefonat, in dem die Eltern sein Kommen ankündigen, und Mauros Ankunft. Dann setzen die Eltern Mauro einfach vor des Grossvaters Türe ab, ohne nachzuschauen, ob dieser überhaupt zu Hause ist. Mit Verlaub: was sind denn das für Eltern? Klar, als Regimegegner sind sie zur überstürzten Flucht gezwungen. Aber trotzdem: dass sie den Jungen einfach vor der Tür absetzen, ist schwer zu glauben.

Dies mal ausgeklammert, erleben wir einen leicht rührseligen, tragikomischen Film über Fussball, die Einsamkeit und Verlorenheit eines Kindes und die Unerbittlichkeit eines totalitären Regimes. Fussballfans kommen dabei auf ihre Kosten, die brasilianische Seleção von 1970 um Pelé ist schliesslich legendär. Positiv sticht beim Film vor allem die eindrückliche Darstellung einer Gesellschaft heraus, die zwischen Fussball-Freudentaumel und Diktatur-Elend schwankt. Beeindruckend die Szene, wo ausgelassenes Tanzen beinahe fliessend in eine brutal niedergeschlagene Demonstration übergeht. Störend sind die zeitweise dick aufgetragene Sentimentalität, der bereits angesprochene unglaubliche Zufall, ohne welchen der ganze Plot nicht funktionieren würde, sowie die wohl etwas allzu simpel dargestellten Aktivitäten der Regimegegner. Ohne dies aus eigener Erfahrung bezeugen zu können, stellt man sich als Aussenstehender doch vor, dass dazu noch etwas mehr gehört als nur Wände mit aufrührerischen Parolen zu besprayen oder während des Brasilien-Matches Parolen wie "Wenn die Tschechoslowakei gewinnt, dann gewinnt der Sozialismus!" zum Besten zu geben.

Alles in allem: Die positiven Aspekte vermögen knapp zu überwiegen. Es bleibt allerdings ein Zittersieg. 3:2. Nach Verlängerung. Aber danach fragt im Nachhinein ja niemand mehr.

4.8 Sterne
4.8 Sterne (7 Bewertungen) | 2 Kommentare

3.53.5
10.02.2007 / ebe