American Dreamz (2006)
American Dreamz - Alles Nur Show
American Dreamz (2006) American Dreamz - Alles Nur Show
Oder: G-Damit, I'm Omer-ized
Am Morgen nach seiner erfolgreichen Wiederwahl entschliesst sich der US-Präsident (Dennis Quaid) zum ersten Mal seit langem mal wieder etwas anderes zu lesen als die Bibel und die Memos seiner Berater - Zeitungen. Was er dabei an Neuem erfährt ist phänomenal: Es gibt zwei Arten von "Irakistanis" - ja sogar drei, wenn man die Kurden nebst Schiiten und Sunniten mitzählt. Und Nordkorea und der Iran sind nicht gleichbedeutend mit Doc Ock und Magneto, wie ihm das die Strategen im Weissen Haus immer wieder erklären. Die Neugier des mächtigsten Mannes der Welt ist geweckt, und er verschanzt sich für mehrere Tage mit allerlei Lesestoff in seinem Schlafzimmer. Die First Lady (Marcia Gay Harden) und sein Vize (Willem Dafoe) sind entsetzt, und bald schon werweisst die Weltöffentlichkeit über den Geisteszustand des Commander in Chief. Die Zweifel zerstreuen soll ein Publicity-Blitz mit dem präsidialen Auftritt in der meist beachteten Fernsehshow der USA als krönendem Abschluss: American Dreamz.
Diese Casting-Show im Stile von MusicStar produziert Martin Tweed (Hugh Grant), ein zynischer Medienprofi. Ihm kommt der Gastjuror aus Washington gerade recht, auch wenn sich die Zuschauerzahlen wohl kaum noch weiter steigern lassen. Aber auch die Kandidatenauswahl soll optimiert werden. Tweed will Möchtegernstars zum hassen, knuddeln, belächeln und masturbieren (Mandy Moore), aber auch einen orthodoxen Juden und einen Araber vor die Kameras bitten. In die Endauswahl kommt deshalb auch Omer (Sam Golzari), einem von der Kaida wegen Inkompetenz in die USA abgeschobenem Musicalfan. So avanciert Omer zum "American Idol" und die Nation vor den Fernsehgeräten ahnt nicht, dass er als Schläfer jederzeit einen tödlichen Auftrag fassen könnte. Denn wenn einer der ihren so nah an den US-Präsidenten ran kommt, interessieren sich plötzlich auch die militante Araber für die "Knalleffekte" in den US-Fernsehshows...
Kinofilm-Rating
MusicStar und Co. durch den Kakao zu ziehen ist genau so einfallslos wie sich über das geistige Vakuum unter George W. Bushs Haupthaar lustig zu machen. Doch die Kombination von medial begleiteter Suche nach der singenden Eintagsfliege und der Einfaltigkeit des selbsternannten Weltpolizisten bringt genug Schwung in schon leicht abgestandenes Witzmaterial, dass Zwerchfelle trotzdem zu vibrieren beginnen. American Dreamz vom amerikanischen Regisseur Paul Weitz (American Pie, About a Boy) ist schlicht der lustigste Film aus den USA seit Drop Dead Gorgeous.
Der satirische Blick auf Casting Shows und das Beraterwesen im Weissen Haus überzeugt vor allem dank darstellerischer Bravourleistungen bis in die kleinsten Rollen. Quaids US-Präsident ist so belämmert, dass man schon fast Mitleid bekommt, wenn man nicht genau erkennen würde, wer eigentlich dahinter steckt. Dafoes Vize sieht aus wie Dick Cheney und agiert ganz im Sinne eines Karl Rove. Grant ist ähnlich ekelhaft wie Dieter Bohlen, wobei letzter ja eigentlich auch nur eine Kopie des bei uns weniger bekannten Simon Cowell aus der britischen und der US-Fassung von "Deutschland sucht den Superstar" ist. Da passt der Brite natürlich bestens. Mandy Moore als das durchtriebene Luder hinter der Fassade einer Landpomeranze überrascht besonders. Im richtigen Leben selber ein Schlagersternchen im Teenie-Segment brauchte für ihre Rolle ein besonders augenzwinkerisches Eigenverständnis.
Sicher sind die in American Dreamz veräppelten Figuren und Konstellationen manchmal allzu leichte Ziele für Spott und Hohn. Das führt zu teilweise vorausschaubaren Scherzen oder wirkt, wenn unausgegoren präsentiert, ein bisschen zu sehr nach Blödelfilm. Vor allem das Trainingscamp der Kaida erinnert an Hot Shots oder Undercover. Paul Weitz macht aber aus dem Ausgangsmaterial das beste und wie die Geschichte ausgeht, ist alles andere als vorhersehbar. Und wem der scherzhafte Umgang mit dem "War on Terror" und den auf der Gegenseite agierenden Selbstmordattentäter nicht genehm ist, dem sei wieder einmal gesagt, dass Satire alles darf.
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