All the King's Men (2006)
Das Spiel der Macht
All the King's Men (2006) Das Spiel der Macht
Komponist James Horner eröffnete im Februar sein Schaffensjahr eindrücklich mit seinem sehr ruhigen, träumerischen Score zu Malicks The New World. Was folgte, war eine längere Pause mit vielen Gerüchten über mögliche Zusammenarbeiten mit Brian DePalma für The Black Dahlia und einer temporären Schaffenspause für Robert DeNiros The Good Shepherd. Inzwischen sind jedoch einige Monate ins schöne Schweizerland gezogen und Horner meldet sich mit seiner Komposition für Steven Zallians All the King's Men zurück.
Technisch gesehen bewegt sich Horner auf altbekanntem Terrain, aber melodisch betrachtet kommt der Score erfreulich frisch daher. All the King's Men mag mit seinem Noir-Touch und seiner Dramatik für eine knappe Stunde gut zu unterhalten, aber der von vielen Seiten angekündigte, erhoffte grosse Wurf ist es leider nicht geworden.
Mit dem "Main Title" eröffnet James Horner das Album eindrücklich und präsentiert dem Hörer ein eingängiges Motiv, welches sich durch den ganzen Score hindurchzieht und immer wieder anders instrumentiert vorgetragen wird. Schon im ersten Stück wird das Thema zuerst in den Bläsern, dann vom Soloklavier und dann schwelgerisch in den Streichern vorgetragen. Etwas störend jedoch, besonders bei mehrmaligem Hören, fallen zwei Horner-Stereotypen bereits im ersten Track auf: Horner bedient sich einmal mehr stark seines typischen Glockenspiels. Dieses gibt diesem Score eine relativ noble Note (ähnlich wie in Enemy at the Gates) und stört daher nicht direkt. Anders sieht es aus mit dem häufigen Gebrauch der ebenfalls horner-typischen Percussions-Crashes (prominent in Apollo 13). Diese nehmen der Komposition etwas zu oft den Fluss, welchen Horner den Melodien verleiht, was mit der Zeit störend wirkt.
Im zweiten Stück präsentiert uns Horner ein Flightplan-ähnliches Klavierspiel und ein schönes kurzes Statement eines Themas, gespielt auf Klarinette (ab 0:50), welches später wieder aufgegriffen wird. Das dritte Stück tanzt etwas aus der Reihe, da es am meisten an vergangene Horner-Kompositionen erinnert. Da hätten wir, vom Melodienkolorit her gesehen, eine starke Ähnlichkeit mit Werken wie Legends of the Fall und am Schluss gibt es ein klares Zitat aus Braveheart. Dieses Stück wurde jedoch in einem Backup neu aufgenommen und im Film somit nicht vorhanden. Für die einen wird dieses blanke Zitat aus Braveheart ein toller Aufhänger sein, um die Plagiat-Debatte wieder zu starten, für die anderen wird das schön fliessende Stück eine willkommene Abwechslung im ansonsten anspruchsvollen und eher schwierigen Score. Das vierte Stück beinhaltet ab 1:49, eingeleitet durch Solo-Violine, ein schönes Wechselspiel zwischen Klavier, welches das Hauptthema etwas schneller vorträgt und der Violine als Gegenbewegung im Tieftonbereich.
Im Stück "Conjuring The Hick' Vote" leitet Horner das Suspens-Material ein (mit gezupften Streichern), welches ebenfalls ein wenig an Flightplan erinnert und, vom Fluss her, an das Stück "Car Chase" aus A Beautiful Mind. Highlights der vorliegenden Komposition findet man in Stücken wie "Anne's Memories", "Love's Betrayal" und auch "Only Faded Pictures", welche einem dramatisches Material liefern, wie man es von Horner länger nicht mehr gehört hat. Schade ist, dass man manchmal das Gefühl hat, dass die Melodien etwas gezwungen in Schach gehalten wurden und ein Ausbruch ins vollorchestrale bleibt häufig aus. So verharrt auch das Stück "The Rise To Power", von welchem man titeltechnisch gesehen auch einen musikalischen Aufstieg erwarten würde, immer etwas im "reservierten" Bereich.
Mit dem letzten Stück präsentiert uns Horner eine schöne abschliessende Suite, welche wieder stark auf das Hauptthema baut und einige thematische Einfälle nochmals Revue passieren lässt. Interessant dabei ist, dass Horner die verbale Floskel "Time Brings All Things To Light", welche er im zweiten Stück noch mit Zuversicht und Aufstreben vertonte, nun mit dem etwas bitteren und gebrochenen Zusatz "... I Trust It So." musikalisch bestätigt, indem er ab 5:27 zu einem sehr dramatischen Akkordaufbau ansetzt und diesen solange fortführt, bis er in einer ominösen, fast schon bedrohlichen Wiederholung des Main-Themas endet. Das Stück klingt bedrückend und niedergeschlagen aus, was den Storyverlauf sehr gut reflektiert.
Fazit: Mit All the King's Men präsentiert uns James Horner keine leichte Kost und erzählt den tiefen Fall des Politikers Willie Stark. Die zahlreichen, sehr schönen, musikalisch ausgeklügelten Momente heben den Score aus dem Feld der Mittelklasse heraus, vermögen ihn jedoch nicht an die Spitze zu setzten. Dafür ist er zu oft zu verhalten. Ebenfalls dreht sich der Score etwas zu stark um das Hauptthema. Auch wenn ein solcher Leitfaden in den Scores, meiner Ansicht nach, sehr nützlich ist, so wünschte man sich, dass eines der Nebenthemen eine etwas stärkere Aufmerksamkeit erhalten und somit ein Pendant geschaffen hätte. Für Liebhaber anspruchsvoller, orchestraler (Film-)Musik und Fans von James Horners Arbeiten sicherlich eine Empfehlung. Für den Oscar jedoch bleibt wohl auf The Good Shepherd und/oder Apocalypto zu hoffen!
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