The Abandoned (2006)

The Abandoned - Die Verlassenen

The Abandoned (2006) The Abandoned - Die Verlassenen

Oder: Familientreffen der skurrilen Art

The Abandoned

Normalerweise geschieht etwas in solchen Momenten

Vierzig Jahre lang suchte Marie Jones (Anastasia Hille), die von einem britischen Ehepaar adoptiert wurde, nach ihren leiblichen Eltern. Diese kamen auf mysteriöse Weise in Russland ums Leben. Schliesslich erhält Marie von Andrei Misharin (Valentin Ganev), der für sie Russland nach Hinweisen auf ihre Familie abgesucht hatte, die Nachricht, dass sie im Herzen Russlands ein Haus geerbt hat, welches ursprünglich ihren Eltern gehörte. Sofort macht sich Marie auf den Weg, dieses Haus aufzusuchen, um endlich Klarheit zu haben, was mit ihren Eltern geschehen ist.

The Abandoned

Der hat das Familientreffen verpasst...

Die inzwischen über vierzig Jahre leerstehende Kaidavosky Farm befindet sich auf einer Insel, welche nur über eine Brücke zu erreichen ist und in den vielen Jahren mehr und mehr zerfallen ist. Marie erreicht die Farm mitten in der Nacht. Nachdem ihr Fahrer spurlos verschwunden ist, erkundet sie auf eigene Faust das alte Gemäuer. Sie findet die Farm verlassen vor, Spinnweben, Staub und viel Dreck prägen das Bild und machen klar, dass hier in den vielen Jahren niemand mehr gewesen ist. Doch dann trifft Marie in einem der vielen dunklen Zimmer auf ein Wesen, welches sie so schockiert, dass sie kopflos in den Wald davonrennt und in den Fluss stürzt, der das ganze Anwesen umgibt. Das ist erst der Anfang eines nicht enden wollenden Alptraums, der eng mit dem Schicksal ihrer Eltern verknüpft ist...


DVD-Rating

The Abandoned klang eigentlich sehr viel versprechend: Tochter besucht nach vierzig Jahren die Farm ihrer Eltern und gerät dabei in die Hölle. Das jedenfalls war die Kurzbeschreibung - sehr offen und mit viel Potential. Gegen alle Erwartungen geht The Abandoned jedoch in eine ganz andere Richtung. Statt eines blutigen Psychothrillers wählt er den Grusel und Mystery Weg.

The Abandoned beginnt nach einem mysteriösen Intro sehr ruhig und nimmt sich viel Zeit, die Hauptdarstellerin Marie Jones (Anastasia Hille) zum eigentlichen Schauplatz - die seit 40 Jahren verlassenen Kaidavosky Farm - zu bringen. Dabei wird sehr viel Gewicht auf düstere, perfekt ausgeleuchtete Bilder und laute Soundeffekte gelegt, welche schon in Darkness überzeugt haben. Musik kommt eher selten zum Einsatz und wenn, dann nur sehr hintergründig, was das Aufkommen einer Atmosphäre erschwert. Klar werden dann die Panikmomente passend mit düsteren Trommeln unterlegt, doch meistens herrscht drückende Stille. So kann zwar den Zuschauer mit nur sehr wenigen Soundeffekten aufgeschreckt werden, doch das gewisse Etwas fehlt, um wirklich mitzureissen.

Die Story selber braucht recht Gehirnschmalz, um jeden Twist und jeden Hinweis aufzugreifen. Denn bereits von der ersten Minute an werden immer mehr Hinweise auf die Auflösung hinein geflochten. Wenn man diese nicht bemerkt, ist es recht schwierig, das Finale zu begreifen. Diese Art regt zum Mitdenken an und deswegen bleibt man auch bei den ruhigeren Szenen am Ball, weil man sich immer wieder fragt, was The Abandoned hier gerade andeuten will. Erst im Nachhinein oder beim zweiten Mal schauen fallen diese sorgfältig eingefädelten Hinweise wirklich auf, was The Abandoned auch speziell macht.

Zu den Schauspielern bleibt zu sagen, dass sie mit Anastasia Hille ein auf unserer Seite des Teiches sicher unbekanntes Gesicht gewählt haben, welche mit ihrer rauen Art genau richtig ist für ihre Rolle. Ihr mysteriöser Filmbruder wird vom undurchsichtigen Karel Roden (Hellboy) beinahe perfekt verkörpert. Dies ermöglicht The Abandoned doch noch zu überzeugen und sein uraltes Szenario mit dem Haus, das sich an seine Vergangenheit erinnert, geschickt zu überspielen.

Fazit: The Abandoned geht entgegen allen Erwartungen in Richtung Mystery und Grusel, bei dem man von Anfang an mitdenken muss, um alles zu begreifen. Starke Spannungsschwankungen, einige Hänger und ein mehrheitlich fehlender Soundtrack hinterlassen jedoch eher den Eindruck eines gut gemachten aber mässig spannenden Gruslers. Bei genauerem Betrachten wird aus The Abandoned aber ein perfekt inszenierter Mystery-Thriller, der mit sehr gut ausgewählten Schauspielern, einer geschickt konstruierten Story sowie einer schlüssigen Auflösung zu überzeugen weiss. Wer es gerne düster und etwas ruhiger hat, ohne grosse Blutorgien und doch etwas Gehirnschmalz, ist hier genau richtig.

Die DVD zwingt dem Zuschauer zunächst zwei Trailer auf, die nur bedingt interessieren. Das Bonusmaterial beschränkt sich nur auf ein Making-Of und einige Trailer. Das Making-Of dauert zwar nur zwölf Minuten, gibt aber in seinem schnellen Schnitt einen umfassenden Einblick in die Entstehung, die Dreharbeiten und in die Umsetzung des Filmes. Eine Bildergalerie rundet das Bonusmaterial ab. Der Film selber wird in sehr guter Qualität geboten, der in Sachen Bild und Ton absolut überzeugt. Scharfe Bilder und donnernde Soundeffekte, welche alle Boxen ordentlich ausnützen, lassen nichts zu wünschen übrig.

3.9 Sterne 4.0 Sterne
3.9 Sterne (10 Bewertungen) | 1 Kommentar

4.54.5
05.01.2008 / db


DVD-Infos

DVD erschienen am 06.12.2007

  • Bildformat: Widescreen 2.35:1 Anamorph
  • Sprachen: Deutsch: Dolby Digital 5.1, Deutsch: DTS 5.1 Surround, English: Dolby Digital 5.1
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Making of, Trailer, Bildergalerie