10 Questions for the Dalai Lama (2006)
10 Questions for the Dalai Lama (2006)
Oder: Hihihihihihi
Der amerikanische TV-Dokumentarfilmer Rick Ray dreht eigentlich einen Film über Indien und erhält als Belohnung eine Audienz mit dem Dalai Lama angeboten. Als sich vor Ort herausstellt, dass es sich dabei um ein leeres Versprechen handelt, nimmt Ray das Ganze selber in die Hand, schreibt dem Dalai Lama eine E-Mail und kriegt einen Termin von 45 Minuten, während derer er dem spirituellen Führer und Regierungschef der Tibeter zehn Fragen stellen darf. Um sich nicht zu blamieren, nutzt er die drei Monate bis zu diesem Treffen, sich und damit dem Kinopublikum Einblick in Kultur, Religion, Geschichte und Politik Tibets aufzuzeigen. Daraus entsteht ein Porträt des Dalai Lama, der Antworten wie die, weshalb Arme glücklicher scheinen als Reiche und warum Gewalt gegenüber dem Gegner letztendlich Gewalt gegenüber sich selbst ist, nicht schuldig bleibt.
Kinofilm-Rating
10 Questions for the Dalai Lama besteht eigentlich aus drei Teilen: Da ist im ersten Teil die Entstehung des Films, die Ausgangslage und der Weg, den der Regisseur geht, bis er dem Dalai Lama letztendlich gegenübersitzt. Erst in der zweiten Hälfte, wenn nicht schon fast im letzten Drittel des Films beginnt dann das eigentliche Interview. Und während der ganzen 85 Minuten werden immer wieder Informationen zur Geschichte und zur politischen Lage Tibets, zum Buddhismus im Allgemeinen und zur Person und Persönlichkeit des Dalai Lama eingestreut. Dies geschieht mit eindrücklichem Originalfilmmaterial und unter anderem mit Aussagen eines Tibeters, der in chinesischer Gefangenschaft misshandelt wurde.
Ein Amerikaner reist nach Indien, um dem Dalai Lama persönlich ein paar Fragen zu stellen, die ihm unter den Nägeln brennen, wie beispielsweise: "Warum sehen arme Menschen meist glücklicher aus als Reiche?". Das mutet manchmal etwas naiv an, zum Beispiel bei den Ausführungen zu seiner Arbeit, die der sichtlich nervöse Ray während des Interviews immer wieder macht - "Ich bin ja schon weit herum gekommen und habe einiges gesehen". Andererseits trägt es vielleicht gerade auch zum Charme dieses Dokumentarfilms bei, wie der Dalai Lama solche trotz - oder wegen? - der langen Vorbereitung naiv und nicht besonders professionell vorgetragenen Fragen beantwortet. Und wie er sich dabei dem Fragenden anpasst und keine abgehobenen philosophischen Theorien von sich gibt, sondern in einfachen Worten seine radikale Idee einer Welt ohne Gewalt und Krieg erklärt. Von einem religiösen Oberhaupt wie dem Dalai Lama, der die Traditionen bewahren will, der einsteht, für die Abschaffung des Kastensystems, für den Umweltschutz, für die Gleichstellung von Mann und Frau und für die Gleichstellung der verschiedenen Weltreligionen - da könnte auch der Chef einer gewissen westlichen Kirche noch etwas lernen.
Der informative Teil beschränkt sich auf das Wesentliche und zwei drei Belanglosigkeiten. Es gibt auch hier keine langen theoretischen Abhandlungen. Da wird schon mal die Landkarte gezeigt, damit alle wissen, wo dieses Tibet denn nun eigentlich liegt. Wer das nicht so genau weiss und sich dafür interessiert, worum es beim Konflikt zwischen Chinesen und dem Tibet geht, bekommt hier einen kurzen aber präzisen Überblick. Dabei werden Missstände, von denen wir im Westen vielleicht auch schon gehört haben, mit einprägsamen Beispielen veranschaulicht: Wer kann sich bei uns schon wirklich vorstellen, dass und wie Suchmaschinenergebnisse manipuliert und zensiert werden, weil amerikanische Firmen um des Profits Willen mit dem kommunistischen China zusammenarbeiten?
Der Film ist angesichts der Lage im Tibet gerade in diesen Wochen von höchster Aktualität und kann bestimmt zum Verständnis dieses Konflikts beitragen. Wer sich aber bereits mit diesem Thema befasst hat, wird vermutlich nicht viel Neues erfahren. Trotzdem lohnt es sich, das Kinoticket zu kaufen um zu hören, was der Dalai Lama zu sagen hat. Und es scheint fast, dass Ray ihn mit seiner allerletzten Frage für einen Moment ganz leicht aus dem Konzept bringt. Oder war das leichte Zögern am Ende doch eher ein leiser Anflug von Verachtung für die in seinen Augen vielleicht dämliche Frage des Amerikaners? Das traut man dem alten Weisen vom Dach der Welt mit dem ansteckenden Kichern dann doch irgendwie nicht zu.
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