Die Weisse Massai (2005)

Die Weisse Massai (2005)

Oder: K(r)ampf im Busch

Die Weisse Massai

Kann man da widerstehen?

An ihrem letzten Ferientag in Kenia entdeckt Carola (Nina Hoss) auf einer Fähre einen Massai (Jacky Ido). Sie bekommt das Bild des Kriegers nicht mehr aus ihrem Kopf und lädt ihn, sein Name ist Lemalian, nachdem sie sich per Zufall in der Grossstadt wieder treffen, auf einen Drink ein. Am nächsten Tag entscheidet sie sich kurz vor dem Heimflug ihr gesamtes Leben umzukrempeln: Sie will "ihren Massai" wiederfinden und fährt kurzerhand mit dem Bus ins Landesinnere nach Barsaloi, wo Lemalian mit seiner Familie in einem Hüttendorf wohnt.

Die Weisse Massai

Fällt aus dem Rahmen.

Wo die Liebe hinführt. Lemalian hört von der Ankunft der hübschen Schweizerin und holt sie ab. Nach einem langen Fussmarsch erreichen sie das kleine Dorf der Halbnomaden. Hier, ohne fliessend Wasser und Elektrizität, lernt sie ein anderes Leben und eine ihr fremde Kultur kennen. Und alles scheint gut, denn sie will ihren Lemalian heiraten. Dazu und um ihr altes Leben endgültig hinter sich zu lassen, fährt sie nochmals in die Schweiz zurück. Dann heisst es "Hochzeit im Busch", ganz in traditionell westlichem Weiss ehelicht Carola den Massai. Doch erst jetzt beginnen die Probleme. Carola wird schwanger und eröffnet in dem kleinen Ort einen florienden Laden. Lemalians Eifersucht und der verletzte Stolz des Kriegers bringen das ungleiche Paar in arge Nöte.


Kinofilm-Rating

1991 kam ein Film in die Kinos, der auf einem Bestseller-Buch basierte, das wir damals sogar in der Schule lesen mussten. Die Geschichte war klasse geschrieben und die Autorin Betty Mahmoody wurde mit Not without my Daughter zum Sinnbild starker Frauen, die sich gegen ihre tyrannischen Ehemänner zur Wehr setzten. Der Film dazu war allerdings extrem langweilig und konnte nie und nimmer der Spannung und Intensität des Buches gerecht werden. Als ich vor ein paar Jahren Die weisse Massai in die Finger bekam, gings mir ähnlich. Das Buch ist klasse und jedem zum Empfehlen. Der dazugehörige Film kommt nun in die Kinos und verhält sich genau so wieder derjenige von anno dazumal. Während man das Buch kaum aus den Fingern legen kann, vermag der Film nur begrenzt zu packen und zu faszinieren.

Das Positive vorne weg. Die Schauspieler sind klasse. Allesamt. Angefangen mit einer wirklich überzeugenden Nina Hoss bis hin zum stolzen Krieger Jacky Ido. Die Dreharbeiten waren anstrengend, aber an den Schauspielern liegts bestimmt nicht, dass der Film einen so fahlen Eindruck hinterlässt. Ebenso wenig an der herrlichen Kulisse von Afrika oder an der eigentlichen Geschichte von Corinne Hofmann. Nein, es liegt an der Umsetzung des Stoffes.

Wissend, dass man Buch und Film eigentlich nicht miteinander vergleichen soll, fehlen im Leinwandabenteuer die Reibungspunkte. Während man im Buch mit gelitten und über die ganzen Hindernisse und Probleme gelesen hat, kommt das ganze im Film recht locker daher. Weder die teils für unsere Verhältnisse widrigen Umstände, noch die ganzen Visa- und Papierprobleme kommen gross zum Zug. Und der Sex ist nach den ersten zwei kurzen Nummern auch himmlisch. Die Arbeit der Frau, die Leiden wegen Krankheiten und Probleme zwischen den Kulturen sind viel zu glatt und zu widerstandslos. Kaum ist ein Streit entfacht, gibts ein paar Mal "sorry" und alles ist wieder gut. Eifersuchtsanfälle des Kriegers werden nach kurzen Auseinandersetzungen wieder vergessen. Der geschmierte "Mini-Chef", dem im Film die Rolle des Bösewichtes zufällt, bleibt harmlos und ohne Chance. Ebenso die deutsche Aussteigerin, die viel zu oberflächlich gezeigt wird. Und das erst gar nicht mit den Originalnamen gearbeitet wurde, sondern aus zB. aus Corinne "Carola" wurde, setzt dem Ganzen noch den Deckel auf.

Vielleicht hatte ich zuviel erwartet. Vielleicht hat Corinne Hofmann wirklich recht, wenn sie in einem Interview sagt, dass es ihr Wunsch war, eine Frau als Regisseurin zu haben, weil Frauen diesen Film anders sehen als wir Männer. Und dass es für diesen Stoff das Gefühl einer Frau braucht, um sich in die Figur einzuleben. Vielleicht ist die weisse Massai wirklich ein Film von und für die Frau. Denn nach Ansicht des Filmes fühle ich mich in die anfänglich angesprochene Situation von Not without my Daughter erinnert. Obwohl dieser Film damals wirklich langweilig war und schlussendlich (von mir) als "nicht gelungen" abgestempelt wurde, würde ich die weisse Massai schon höher einstufen. Nur leider ist es nicht der grosse Kinofilm geworden, den ich mir erhofft hatte. Aber es gibt ja von den Büchern inzwischen auch drei Teile, also warum nicht hoffen, dass es irgendwann mal wieder was filmisches zu diesem Thema zu sehen gibt.

3.0 Sterne
3.0 Sterne (37 Bewertungen) | 3 Kommentare

33
28.07.2005 / pb (Inhalt), muri (Rating)