We feed the World (2005)
We Feed The World - Essen global
We feed the World (2005) We Feed The World - Essen global
Oder: Von Paprika, Paradeisern und Melanzani
Erwin Wagenhofer blickt in We feed the World auf extreme Auswüchse der heutigen Nahrungsmittelindustrie, die sich in verschiedene Ländern Europas und in Brasilien abspielen. Traditionell arbeitende Fischer in der Bretagne werden verdrängt, obwohl ihre Ware von Lebensmitteltechnikern als bedeutend besser eingeschätzt wird. Rumänische Bauern satteln auf Hybridsaatgut um, obwohl dies der Landwirtschaft längerfristig schaden wird und das Gemüse keineswegs den traditionellen Geschmack halten kann. Der brasilianische Regenwald wird abgeholzt, um Soja anzupflanzen, das Masthühnern in Europa als Futter dienen soll, während die Bewohner vor Ort hungern müssen.
Mehr zu essen haben deswegen vor allem die, welche heute schon im Überfluss leben. Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung Jean Ziegler kann da noch so lange monieren, Nestlé-Chef Peter Brabeck denkt in seinem Nahrungsmittelkonzern zuerst an das täglich Brot seiner Arbeitnehmer, bevor er wirklich die ganze Welt füttern möchte.
Kinofilm-Rating
Bilder sagen mehr als Tausend Worte. Dies gilt auch für We feed the World. Die minutenlange Fahrt entlang der Gewächshäuser in Südspanien macht die schiere Grösse der Plantagen spürbar, die den Ganzjahres-Tomatenwahn ermöglichen. Der Weg vom Hahn auf dem Huhn zum Poulet im Körbli, der detaillierter nicht gezeigt werden könnte, ist ekelerregend und bestürzend zugleich (All die armen Bibis!). Sehr geniessbar sieht auch der verschrumpelte Fisch aus der industriellen Fischerei nicht aus. Im Gegensatz zur etwas unförmigen Aubergine aus Rumänien, die rein optisch nicht mit der hochgezüchteten Version mithalten kann, aber geschmacklich zu überzeugen weiss.
Das Aroma lässt sich im Kino aber noch nicht adäquat darstellen. Da muss man sich schon auf das Urteilsvermögen der "sprechenden Köpfe" im Film verlassen. Doch kann man das? Wenn die Facts in schriftlicher Form eingeblendet werden, gibt Erwin Wagenhofer auch keine Quellenangaben an. Wer fand heraus, dass die Menge des täglich in Wien vernichteten Brotes ausreichen würde, um die zweitgrösste österreichische Stadt Graz zu ernähren?
Als roter Faden auf der Reise durch die verschiedenen Weltregionen dienen Jean Zieglers Monologe vor diversen Kulissen. In der Schweiz ist der Professor kein Unbekannter. Wenn er Zahlen beigt, traut man seinen Statistiken, schliesslich hat der Mann von der UNO seine Studien. Er wird aber auch polemisch, wenn er konkrete Beispiele nennt. Eins davon ist der "braun gebrannte, nette Herr" bei Nestlé. Gemeint ist Peter Brabeck, der CEO und Verwaltungsratspräsident des Nahrungsmittelmultis aus Vevey. Wagenhofer hat es tatsächlich geschafft einen Interviewtermin zu bekommen und serviert uns Teile des Gesprächs quasi als Höhepunkt am Ende des Films. Dort sind es dann statt der Bilder die Worte die bestürzen. Aber auch hier gilt es, Vorsicht walten zu lassen. Interviews, bei denen man die Fragen nicht hört, lassen sich recht leicht aus dem Zusammenhang reissen.
We feed the World zeigt durchaus wichtiges, ob er aber letztendlich nicht nur bereits konvertierte Ökos und Vegis ansprechen wird, muss sich zeigen. Mit Darwin's Nightmare gab es vor kurzem schon einen sehr ähnlichen Film, der zwar schocken, aber dem Blick des kritischen Auges nicht stand halten konnte.
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