The Wayward Cloud - Tian bian yi duo yun (2005)
The Wayward Cloud - Tian bian yi duo yun (2005)
Oder: Melon Porn and the infinite Sadness
Die sommerliche Dürre hat Taipeh fest in Griff. Das Wasser in der taiwanesischen Hauptstadt ist knapp. Auch im Hochhaus, in dem die junge Shiang-Chyi (Chen Shiang-Chyi) wohnt. Sie hilft sich mit Mineralwasser aus PET-Flaschen und dem knallroten Saft erfrischender Wassermelonen, um nicht zu vertrocknen. Wassermelonen sind auch ein beliebtes Utensil im Porno, der zur selben Zeit ein paar Stockwerke über der Wohnung des Mädchens produziert wird. Zwischen den Beinen einer Japanerin montiert, fummelt, leckt und penetriert Hsiao Kang (Lee Kang-Sheng) die saftige Frucht, bis sich die Melonenkerne in seiner Schambehaarung sammeln.
Shiang-Chyi und Hsiao Kang kennen sich flüchtig. Sie weiss aber nicht, was er den ganzen Tag so treibt, als sie sich auf dem Spielplatz vor dem Haus treffen. Sie holt ihn zu sich in die Wohnung, um einen riesigen Koffer zu öffnen, von dem der Schlüssel leider zugeteert wurde, nachdem sie ihn auf der Strasse verloren hatte.
Kinofilm-Rating
Der "Melonenporno" war eins der immer wieder auftauchenden Gesprächsthemen an der Berlinale 2005, wo The Wayward Cloud im Wettbewerb lief. Auch wer den taiwanesischen Film nicht gesehen hatte, wusste, worum es ging. Und noch Tage nach der Weltpremiere wurde im Berlinale-Balast geschmunzelt, wenn wieder Wassermelonen verspeist wurden in einem Film, wie zum Beispiel in Kong Que vom chinesischen Festland.
Nun gibt es den Film anlässlich einer Retrospektive mit den wichtigsten Werken des Regisseurs Tsai Ming-Liang auch in Zürich zu sehen. Einbettet in Teile aus dem Gesamtwerk macht das bei Ming-Liang am meisten Sinn, denn seine Filme lassen sich auch als Fortsetzungsromane verstehen. Das Paar hier traf sich schon in What time is it there?. Shiang-Chyi wollte als Franz-Studentin damals nach Paris. Hsiao Kang war Uhrenverkäufer und meldete sich im darauf folgenden Kurzfilm The Skybridge is gone (ebenfalls von Ming-Liang) bei einem Porno-Casting. Auch die Dürre ist ein augenzwinkernder Hinweis auf das feuchte Klima, das sonst in Ming-Liangs Filmen herrscht.
Das meinen zumindest die Experten, denn allzu oft sieht man sich Filme aus Taiwan ja nicht an. Dass Tsai Ming-Liang aber als Kultfilmer verehrt wird, ist schnell klar. Er bietet allen etwas, indem er harte Pornographie mit dem Kunstfilm verbindet. Eine bewusstlose Frau wird vergewaltigt und in seltsamen Totalen laufen Hauptdarstellerinnen ohne miteinander zu sprechen aneinander vorbei. Dazwischen gibt es die bizarrsten Musical-Nummern mit eingängigem Chinapop aus den Sechziger Jahren und Revuegirls, die Töggels aus dem Strassenverkehrsamt als BHs tragen. The Wayward Clowd ist deshalb genauso lustig wie verstörend, und wer sich die Mühe macht, wird hinter der praktisch wortlosen Handlung auch die eine oder andere Gesellschaftskritik entdecken.
![]()
4.6 Sterne (4 Bewertungen) | 5 Kommentare


