Walk the Line (2005)
Walk the Line (2005)
Oder: and it burns burns burns...
Wir schreiben das Jahr 1968. Im Folsom Staatsgefängnis ist alles bereit für den grossen Auftritt. Die Gefangenen (welche gleichzeitig das Publikum sind) klatschen im Rhythmus, stampfen mit den Füssen und die Band auf der Bühne fängt an zu spielen. Man wartet. Man wartet auf den grossen Star, der hier im Gefängnis ein Konzert geben soll, das in dieser Form noch niemand gewagt hat. Man wartet auf "The Original Man in Black". Auf Johnny Cash (Joaquin Phoenix). Doch der steht hinter der Bühne und lässt sein Leben Revue passieren....
Angefangen in den harten Zeiten, als Vater Ray (Robert Patrick) seine Familie mit eiserner Fuchtel zusammenhielt und der kleine Johnny mitsamt seinem Bruder mithelfen musste, sich finanziell über Wasser zu halten. Die Beziehung zum Vater verschlechtert sich noch mehr, als Johnnys Bruder tödlich verunfallt und Vater Cash die verheerenden Worte "They took the wrong son" ausspricht. Von da an scheint es für Vater und Sohn keine Rettung mehr zu geben.
Johnny Cash wird in die Army eingezogen, träumt von einer Karriere als Musiker und heiratet Vivian (Ginnifer Goodwin). Von seinem Vater immer noch mit Verachtung gestraft, will sich der junge Mann mit Verkaufsjobs über Wasser halten, scheitert jedoch kläglich. Erst als er ein kleines Tonstudio entdeckt und mit seiner "Band" eine CD aufnehmen darf, scheint sich das Blatt zu wenden. Zusammen mit damals noch relativ unbekannten Sängern wie einem gewissen Elvis Presley, einem Roy Orbison oder einem Jerry Lee Lewis gehts auf Tournee und die Begegnung mit der sich ebenfalls auf dieser Tour befindenden Sängerin June Carter (Reese Witherspoon), bringt Cash in Wallung.
Der Rest ist fast Geschichte. Der Aufstieg des Johnny Cash ist unaufhaltbar und mit dem Ruhm, dem Erfolg und den kreischenden Fans kommen (wie könnte es anders sein) auch die Probleme. Groupies werden vernascht und Pillen geschluckt. Das, und seine ewige Schwärmerei für June Carter, treiben den meist schwarz gekleideten Sänger immer tiefer in den Abgrund und somit weg von seiner Familie und seinen Kindern. Um es wieder aus diesem Loch zu schaffen, braucht Johnny Cash Freunde, Geduld, Hits und die waghalsige Idee, ein Konzert aus einem Gefängnis als Live-Album zu veröffentlichen......
Kinofilm-Rating
Biographien von verstorbenen Grössen der Film- und Musikszene sind keine Seltenheit. Nachdem Ray letztes Jahr seinem Hauptdarsteller Jamie Foxx sogar einen Oscar bescherte und Geoffrey Rush in The Life and Death of Peter Sellers ebenfalls mit Lob überschüttet wurde, wagt sich nun Identity-Regisseur James Mangold an die Verfilmung der Autobiographie von Johnny Cash. Rechtzeitig für den Oscar 2006 und bereits mit Golden Globes für Hauptdarsteller und Darstellerin, sowie fürs beste Musical ausgezeichnet. Die Zeichen sind also klar. Obs allerdings wirklich für einen Oscar reicht?
Johnny Cash kennt jeder. Spätestens wenn man "Ring of Fire" ansummt, fällt der Groschen. Diese Verfilmung seines Lebens beschränkt sich allerdings auf 14 Jahre, in denen aus einem kleinen und vom Vater verachteten Jungen ein Musikstar wurde, der neben seinen Songs eigentlich nur ein Ziel verfolgte. Eine Frau zu heiraten, die er bereits seit Jahren verehrt und heimlich liebt. Dazu kommen, und da schreibe ich jetzt mal "die üblichen" Probleme dieser Stars, an denen sie fast zu Grunde gehen. Bei Ray warens Drogen, hier ebenfalls. Beim anderen Film bringt ihn die Liebe und Fürsorge einer Frau zurück ans Licht. Hier ebenfalls. Ein Zwilling, also?
Es gibt durchaus Parallelen zwischen diesen beiden Verfilmungen. Allerdings hat Walk the Line einen in Sachen Musik einen entscheidenden Vorteil. Während Jamie Foxx zwar darstellerisch brillierte, bewegte er zu den Songs von Ray Charles "nur" die Lippen. In Walk the Line singen die beiden Hauptdarsteller Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon die Songs ihrer jeweiligen Charaktere selbst. Und das ist sensationell! Vor allem der Bösewicht aus Gladiator ist in seiner Performance kaum zu toppen. Er schwitzt wie Johnny Cash, singt wie er, bewegt sich und verkörpert den grossen Mann einfach bravourös. Da fällt die Hautdarstellerin ein bisschen ab, obwohl auch sie einen glänzenden Job hinlegt.
Natürlich kommt in einer solchen Biographie die Musik nicht zu kurz. Wer auf Sixties-Rock'n'Roll steht, wird hier kaum sein Bein ruhig halten können. Songs von allen Herren Stars werden vorgetragen und sorgen für eine begeisternde Stimmung im Publikum. Der Inhaber der Rechte an Johnny Cash-Songs wird sich die Hände reiben...
Das Problem, das Walk the Line leider hat, ist dass er ein Jahr zu spät in die Kinos kommt. Wäre er vor Ray veröffentlicht worden, hätte man von einem sensationellen Film sprechen können. Nun ist es aber leider so, dass sich die Geschichten im Grossen und Ganzen sehr ähneln, was Walk the Line zu einem Film macht, der nahezu ohne Überraschungen daherkommt. Und das schlägt bei einer Filmdauer von über 130 Minuten entweder aufs Sitzfleisch oder wird einfach langweilig.
Fazit: Walk the Line ist grosses Musikkino mit herausragenden Darstellern, von denen Joaquin Phoenix die beste Leistung seiner bisherigen Karriere abgibt. Und er war bislang meist sehr überzeugend in seinen Rollen, also darf das wirklich was heissen. Dazu kommt sehr coole Musik, nette Auftritte von Star-Kollegen und leider halt der Makel der an sich uninspirierenden Geschichte, die durch die gelungenen und fetzigen Songdarbietungen glücklicherweise immer wieder unterbrochen wird.
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