Vers le Sud (2005)

In den Süden

Vers le Sud (2005) In den Süden

Oder: Weisse Dame, Schwarzer König

Vers le Sud

Hallo Freitag.

Haiti, in den Siebzigern. Hier gibt es alles was das Touristenherz begehrt: Aufmerksame Kellner, viel Sonne, schöne Strände und jede Menge schwarzer Beaus. Von diesen sind vor allem die paar älteren Damen im Hotel angetan. Sie kommen Jahr für Jahr wieder, um sich mit den jungen Männern am Strand und des Nachts in den Bungalows zu vergnügen. Im Gegenzug geben die Frauen ihnen kleine Geschenke und ab und zu auch Geld.

Die Hauptattraktion am Strand ist zweifellos Legba, ein etwa 18- jähriger total schwarzer Adonis. Er verbringt die meiste Zeit an der Seite von Ellen (Charlotte Rampling), einer 55-jährigen Kanadierin, die die jungen Männer, und allen voran Legba, in vollen Zügen geniesst. Doch das heitere Treiben wird etwas durcheinander gebracht, als Brenda (Karen Young) auftaucht und im jungen Strandkönig "ihren" Legba entdeckt. Vor einigen Jahren hatte sie hier mit dem damals noch blutjungen Legba ihren ersten Orgasmus. Seither kann die 45-jährige an nichts anderes mehr denken, als an ihn. Ein Kampf um die Gunst des Haitianers entbrennt zwischen den beiden Frauen, doch auch sie sind machtlos gegen all die Dinge, die in diesem armen Karibikstaat vor sich gehen, und stehen schlussendlich beide mit leeren Händen da.


Kinofilm-Rating

Vers le Sud setzt sich mit einem heiklem Thema auseinander. Über die Sexualität von reiferen Frauen hört und sieht man sonst selten etwas. Irgendwie erinnert die Geschichte an Houllebecqs Bücher Plattform und Elementarteilchen, auch dort geht es um Sextourismus, den Jugendwahns und der damit verbundenen sexuellen Frustration der älteren Semester. Schnörkellos erzählt Laurent Cantet vom Machtkampf der Frauen und bringt nebenbei auf den Punkt, was diese nicht wahrhaben wollen. Als Tourist ist und bleibt man ein Aussenstehender, sie glauben zwar Legba zu lieben, doch von seiner wahren haitianischen Identität haben sie keine Ahnung. Oder wie sagt der Polizeichef so schön: "Ein Tourist stirbt nie." Nur dabei statt mittendrin.

Der Film vermeidet es geschickt, in einem Schwarz/Weiss Schema daherzukommen. Die Damen sindkeine Monster und doch Ausbeuterinnen, die Burschen keine Opfer und doch abhängig. Der Luxustourismus kriegt sein Fett ab, aber ebenso die korrupte Gesellschaft Haitis. Ein grundsolides, wenn auch nicht herausragendes Werk, das mit 4 Sternen belohnt werden soll.

4.4 Sterne
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13.09.2005 / mazemaster