Unleashed (2005)

Entfesselt

Unleashed (2005) Entfesselt

Oder: Bellende Hunde beissen!

Unleashed

"Noch einmal kratzen, dann geht's auf die Hundeschule!"

Der Mafiosi Bart (Bob Hoskins) gilt als gefürchteter Geldeintreiber. Sobald ein "Partner" seine Schulden nicht begleicht, taucht er mit seinen Bodyguards auf und sorgt dafür, dass die Moneten herausgerückt werden. Dafür nutzt er keine konventionellen Hilfsmittel sondern seinen Enkel Danny (Jet Li). Danny wurde von seinem Onkel als Kampfhund abgerichtet, und jedesmal wenn dieser sein Halsband löst, und ihm ins Ohr flüstert "Fass sie!", ist dieser nicht mehr zu bremsen. Mit unglaublicher Kampfkraft, akrobatischen Fähigkeiten und super Reflexen nimmt er es sogar mit mehreren Gegner gleichzeitig auf.

Danny ist für Bart eine unverzichtbare Geldmaschine. Im Hauptquartier angekommen, muss der "Hund" aber wieder in den kleinen, kalten Zwinger. Emotionslos sitzt Danny auf dem Bett, schaut aus, wie er keiner Fliege was tun könnte, und lernt mit seinem Kinderbuch das Alphabet.

Unleashed

Lassie? Rex? Cesar?

Eines Tages führt die Geldeintreiberei die Bande zu einem Antiquitätenhändler und Danny wird befohlen in der Eingangshalle zu warten. Dort taucht auf einmal der Blinde Sam (Morgan Freeman) auf, der die dort stehenden Klaviere stimmen muss. Dabei bemerkt er den von den Instrumenten begeisterten Danny und lädt ihn ein, ihm zu helfen. Dieser hat sichtlich Freude an den vielen Tasten und bemerkt nicht, dass sein Onkel in grossen Schwierigkeiten ist...


Kinofilm-Rating

Nachdem ich die ersten Pressetexte über den Film gelesen und mir das Filmplakat vor Augen geführt habe, hatte ich den Film in meinem Kopf bereits abgesteckt: Jet Li ist, wie in jedem seiner Filme, sich selbst, wird von seinem gemeinen Onkel als Kampfhund gehalten, zermalmt in akrobatischen Kämpfen alle gegnerischen Knochen und findet dank der Kunst ein schönes, gewaltfreies Leben - eben, halt ein Li-Film.

Nach dem Kinobesuch bin ich überrascht; habe ich mir das Ganze doch einfacher gestrickt vorgestellt. Die Story ist jedoch unterhaltsam und hat ein paar Überraschungen parat. Einige Schwächen im Drehbuch sind aber nicht weg zu reden. So ist jedem aufmerksamen Zuschauer von Anfang an klar, welches Verhältnis Bart zu Dannys Mutter hatte und auch die ganze Sache mit dem Halsband ist eher kitschig. Mir ist ebenfalls ein Rätsel weshalb Danny beim Antiquitätenhändler draussen warten musste, hätte er an Barts Seite doch einen grösseren Nutzen gehabt und dieser hätte die überflüssige rote Lampe zu Hause lassen können.

In regelmässigen Abständen und als Auflockerung für die Zuschauer, trumpft Li mit seinem Hauptkönnen auf. Neben diesen gut inszenierten, jedoch brutalen Kämpfen, darf sich das Auge an den schönen Kamerabildern erfreuen. Stilistisch gesehen ist der Film super und auch die Special Effects sind als solche nur schwer auszumachen. Leider gibt es über die vier Hauptcharaktere nicht so gutes zu berichten. Doch fangen wir beim positiven an: Bob Hoskins als fieser Onkel ist sicher ein Highlight des Films. Die Figur des bösen Geldeintreibers und "Hundehalter" ist ihm auf den Leib geschrieben. Auch Morgan Freeman spielt seine Rolle als blinder Klavierstimmer überzeugend, wenn auch unspektakulär.

Jet Li kann zwar in seinen Material-Art Szenen (wie erwartet) überzeugen, doch sobald er auf Kerry Condon, als Victoria, trifft, ist es mit der guten Stimmung vorbei. Beide sollten junge Personen darstellen, sehen aber aus wie Mitdreissiger. Und so wirkt jedes Lächeln der spangentragenden 18-Jährigen einfach nur peinlich. Auch, dass die beiden sich ineinander verlieben, wirkt total aufgesetzt und unrealistisch, da jeder im Kino bemerkt, dass es zwischen den beiden Schauspielern weniger knistert als zwischen Elton John und dem Papst.

Ich bin überzeugt, dass man mit einem anderen Cast und einem besseren Drehbuch einen richtig tollen Film hätte machen können. Nun liegt der Film zwischen Stuhl und Bank, für einen Actionfan hat es zu viele "lahme" Szenen und für einen Drama und Klavierliebhaber, nehmen die Kampfszenen einen zu grossen Platz ein. Und so wird der Film schnell und klanglos aus den Filmsälen verschwinden und seinen grossen Auftritt erst im DVD-Regal feiern - dann sollte man dem Film aber eine Chance geben.

3.9 Sterne
3.9 Sterne (78 Bewertungen) | 15 Kommentare

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15.05.2005 / sj