Transamerica (2005)

Transamerica (2005)

Oder: I am your father/mother!

Transamerica

Pfefferspray eingepackt?

Der Transsexuelle Stanley (Felicity Huffman) ist schon fast fertig umgebaut. Das Silikon ist implantiert, der Kleiderschrank voller Deux-Pièces und an der Perfektion einer weiblichen Stimme arbeitet er per Do-it-yourself-Videokurs. Als jedoch ein Gefängniswärter aus dem fernen New York ihm am Telefon etwas von einer Kaution für seinen Sohn schwafelt, gerät der allerletzte Mosaikstein der Umwandlung in eine perfekte Frau namens Bree in Gefahr. Für die in wenigen Tagen geplante operative Geschlechtsumwandlung braucht Bree das schriftliche Okay ihrer Psychiaterin (Elizabeth Peña). Das gibt diese aber nur, wenn Bree sich ihrem bisher unbekannten Sohn vorgestellt hat. Es bleibt ihr also nichts anderes übrig, als sich nach New York zu begeben, um diesen Toby (Kevin Zegers) genauer kennen zu lernen.

Toby ist ein Stricher, der den Drogen nicht abgeneigt ist. Seine Kaution beträgt nur einen Dollar. Soviel Geld kann auch Bree noch aufbringen. Ihrem Sohn zu sagen, dass sein Vater vor ihm steht, schafft sie aber nicht. Sie gibt sich als Seelsorgerin aus und reist mit ihm in einem klapprigen Auto quer durch die USA zurück nach L.A. Auf der Fahrt will Bree Toby bei seinem Stiefvater in Kentucky abliefern. Doch ersten kommt es anders, und zweitens als man denkt.


Kinofilm-Rating

Der Titel Transamerica ist eine kleines Wortspiel. Einerseits wird im Film Amerika durchquert, andererseits nennen sich die Menschen im falschen Körper in den USA gerne auch "trans people". Regisseur Duncan Tucker zeigt in seinem Road Movie Transsexuelle als ganz normale Menschen, auf der Suche nach dem Glück wie alle anderen Amerikaner auch. Und er meint damit ALLE Amerikaner. Kaum ein Teil der US-Gesellschaft der bei dieser Tour durch den Kontinent nicht vorkommt. Bree arbeitet für Latinos, ist eine wiedergeborene Christin und zu einem viertel jüdisch. Toby ist schwul und seine Pflegemutter war eine Afroamerikanerin. Zusammen treffen sie dann auf einen netten Ureinwohner und die Familie von Bree, die zum gemachten älteren Mittelstand gehört. Es fehlen eigentlich nur noch die "Asian Americans" und dann wäre der Schmelztiegel der Kulturen komplett.

Das Aufeinanderreffen verschiedener Gesellschaftsschichten, Weltansichten und sexueller Präferenzen ist aber nicht nur Darstellung einer fast etwas zu heilen Welt, sondern sorgt auch für einigen Witz. Wenn Bree auf Wunsch vom Filius zum Camping genötigt wird, oder in laut gesprochenen Tischgebeten ihr Wunschdenken über Tobys Zukunft nicht einmal ansatzweise verheimlicht, gelingen immer wieder lustige Szenen. Brüllend komisch wird es auf Besuch bei Bree/Stanleys Familie. Eigentlich von Bree für tot erklärt, geht dort jedes Familienmitglied anders um mit dem unerhofft wieder aufgetauchten Sohn, der nun eine Tochter sein möchte.

Solch ein Film lebt von der Glaubwürdigkeit seiner Darsteller. Dass die Desperate Houswives-Darstellerin Felicity Huffman von verschiedenen Leuten gar nicht erkannt wird, spricht für sie. Auch wenn es Stimmen von "Fachleuten" gibt, die behaupten, dass sie ihre Foulards im Film falsch trage. Ein richtiger Transsexueller vor der Operation würde mit dem Stück Stoff vor allem seinen Adamsapfel verbergen. Die Jury am TRIBECA Film Festival in New York scheint dies jedoch nicht gestört zu haben. Huffman gewann dort den Preis für die beste Darstellerin. Man munkelt auch schon über eine Oscar-Nomiation. Das soll die restliche Darstellerriege nun aber nicht kompromittieren. Auch sie sind alle wunderbar. Nur der Zeitpunkt für Brees Beichte bei Toby erfolgt ein bisschen zu spät. Da trübt eine Wendung des Drehbuchs kurz davor das ansonsten stimmige Portrait eines Vaters, der erst als Mutter zu seinem Sohn stehen kann.

5.0 Sterne
5.0 Sterne (47 Bewertungen) | 4 Kommentare

55
13.10.2005 / rm