La Tigre e la neve (2005)

Der Tiger und der Schnee

La Tigre e la neve (2005) Der Tiger und der Schnee

Oder: Komisch-tragische Poesie

La Tigre e la neve

Bitte nicht kitzeln!

Professore Attilio de Giovanni (Roberto Benigni) ist Poet und unterrichtet in schöner Good Will Hunting-Manier die Schüler in Sachen Wortakrobatik und Findung der poetischen Sichtweise. Da legt er sich schon mal im Klassenzimmer auf den Boden oder "motzt" eine Wand an. Hauptsache, die Lyrik fliesst, die Worte passen zueinander und dem eigenen Herz wird freien Lauf gelassen.

Attilio ist verliebt. Und zwar unsterblich. In Vittoria (Nicoletta Braschi), die ihm total den Kopf verdreht hat. Ihr reist er hinter her, ihr lauert er auf und benimmt sich wie ein Stalker. Die Tatsache, dass er ihr damit allerdings gewaltig auf die Nerven zu gehen scheint, übersieht il Professore grosszügig.

La Tigre e la neve

Passione, ragazzi, Passione!

Als der gemeinsame Freund Fuad (Jean Reno), ein berühmter arabischer Dichter und Poet, der den Grossteil seines Lebens in Paris verbracht hat, nach Hause (Bagdad) reisen will, schliesst sich Vittoria ihm an. Die beiden begeben sich also genau in die Zone, wo kurze Zeit später der Irak-Krieg ausbricht. Und während in Europa Friedensflaggen aufgehängt und Demonstrationen veranstaltet werden, wird unser poetischer Freund Attilio mit einer Schreckensnachricht konfrontiert. Vittoria ist in Bagdad lebensgefährlich verletzt worden und liegt im Sterben.

La Tigre e la neve

So einen Schnauz will ich auch

Attilio, verliebt und kindlich wie er ist, will ihr helfen. Und was er sich in den Kopf gesetzt hat, das zieht er durch. Für die Liebe seines Lebens nimmt er den beschwerlichen Weg aus der europäischen Sicherheit in das östliche Kriegsgebiet unter die Füsse und muss feststellen, dass die Hässlichkeit des Krieges sofort versucht, ihn, die Frohnatur, in Besitz zu nehmen und zu ändern.

Vittoria wird gefunden, aber die Chance auf Heilung ist verschwindend klein. Es braucht Medikamente, Betreuung und Hilfe. Und der lokale Arzt wird mit Kranken und Verletzten überschwemmt, so dass sich Attilio selber um die Genesung seiner Liebsten kümmern muss. Und das tut er, mit Fuads Hilfe, auf ganz eigene, spezielle und typische Weise.


DVD-Rating

Roberto Benigni ist ein Hanswurst. Ein Tausendsassa, der keine Minute ruhig an einem Ort sitzen kann. Das prägt auch seine Filme und spaltet die Zuschauerschaft in Genervte und Bewundernde. Ich bin irgendwie so mitten drin...! La Tigre e la neve (Achtung, man sollte den Titel nicht französisch aussprechen, macht sich nicht so gut, ich weiss das...) ist da nicht anders. Benigni hüpft von einem Bildrand zum anderen, fuchtelt und lässt seine gewohnten Wortschwalle auf uns niederprasseln. Den Italienisch nichtmächtigen (moi!) werden die Untertitel einiges abverlangen.

Die Mischung aus Surealem, Poesie, harter und verklärter Realität (Realsatire), Liebesgeschichte und Komödie wandelt oft knapp an der Grenze des gerade noch erträglichen, nicht hinsichtlich des Geschmacks, sondern der üppigen Mischung wegen. Manchmal ist es zuviel, manchmal ist es einfach bemerkenswert gelungen. Das Zuviel liegt einerseits an Benigni selber. Seine Filme leben natürlich von seiner enormen Leinwandpräsenz und seiner ihm eigenen Poesie, die ihn bei vielen so beliebt machen. Und einige seiner Gags und Wortspiele sind wirklich herrlich. Gleichzeitig ist hier aber auch ein Problem: wenn er ins Tragikomische abdriftet, erscheint einiges dann doch überzogen. Die Szenen im Krankenhaus mit der im Koma liegenden Vittoria gehören dazu und ziehen die Sache manchmal unnötig in die Länge.

Gemacht ist der Film prächtig. Wundervolle, manchmal heikle Szenarien in schöne Bilder umgesetzt, manchmal kitschig, visuell aber herrlich. Aber auch das gehört eben zu Benigni. Wie gesagt, man mag ihn, oder man mag ihn nicht. Ich bleibe dabei: soso lala.

Extras: Was nach einem Haufen Bonumaterial aussieht, ist eher (recht kurzer) Etikettenschwindel. Vielleicht noch am interessantesten düften die nicht verwendeten, drei Szenen sein. Das Bild ist hervorragend tranferiert, tolle Schärfe und eine gelungene, sehr satte Farbgebung gefallen. Obwohl der Film im vom Krieg erschütterten Irak spielt, bleibt der makellose Ton frontlastig mit Ausnahme von einigen Szenen.

4.2 Sterne 3.8 Sterne
4.2 Sterne (24 Bewertungen) | 2 Kommentare

3.53.5
03.01.2007 / muri (Inhalt), pb (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 06.12.2006

  • Bildformat: 2.35:1 (anamorph)
  • Sprachen: Deutsch (DD 5.1, DTS), Italienisch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Extras: Featurette; Deleted Scenes; Trailer; Produktionsnotizen; Galerie; Infos zu Cast und Crew.