Thumbsucker (2005)

Thumbsucker (2005)

Thumbsucker

Plötzlich war der Zebrastreifen weg.

Justin (Lou Taylor Pucci) ist ein Teenager wie viele. Er hat Mühe mit dem Wachwerden am Morgen und mit den Schulnoten steht es nicht zum Besten. Was Justin aber von seinen Altersgenossen unterscheidet ist die Leidenschaft fürs Daumenlutschen. Auch wenn es nur den eigenen betrifft, ist dies für einen Siebzehnjährigen doch recht seltsam.

Das findet auch sein Vater (Vincent D'Onofrio), der es ihm abgewöhnen will. Justins Mutter (Tilda Swinton) sieht die Angewohnheit ihres Sohnes weniger eng. Sie schwärmt lieber für einen Soapstar (Benjamin Bratt). Sie versucht deshalb ihr Glück in einem Wettbewerb, der auf der Rückseite einer Corn Flakes-Schachtel ein Date mit dem Schönling verspricht. Sogar ein neues Abendkleid muss her für das einzusendende Bild, weswegen sie Justin in den Kleiderladen schleppt, um ihr beim Kauf beizustehen. Das törnt diesen eher ab und macht ihn noch ein bisschen missmutiger, als er sonst schon ist.

Thumbsucker

Willst Du mein Poweranimal sein?

In der Schule macht Justin mit im Debatierclub von Mr. Geary (Vince Vaughn). Nicht weil ihm das besonders Spass macht, sondern eher wegen seinem Schwarm Rebecca (Kelli Garner). Die findet ihn eigentlich auch recht nett, aber wie soll er ihr das mit dem Daumenlutschen beibringen?

Da kommt sein Kieferorthopäde gerade richtig. Dr. Lyman (Keanu Reeves) will ihn hypnotisieren (What is your Poweranimal?), um so dem dauerhaften Schaden von Justins Zahnstellung durch das Daumelutschen ein Ende zu setzen...


Kinofilm-Rating

Regisseur Frank Mills reiht sich mit Thumbsucker ein, in die immer länger werdende Liste der Videoclip-Regisseure, die Spielfilme machen. Vor allem bekannt sind seine Arbeiten mit der französichen Elekroband AIR (Unter anderem ist die Idee, mit "All I Need" eine Skaterliebe zu untermalen, von ihm). Der Erstlingsfilm des ehemaligen Graphikers erinnert auch ein bisschen an Virgin Suicides seiner Kollegin Sofia Coppola. Es geht im Film, der an der Berlinale im Wettberb läuft, um die während der Jugend immer wieder aktuelle Frage, ob man eigentlich normal ist.

Als Justin weiss das Lou Taylor Pucci in diesem "Coming-of Age"-Film noch nicht so genau. Seine Entscheidungen mögen deshalb manchmal etwas überstürzt scheinen. Aber waren wir nicht alle ein bisschen verwirrt zu der Zeit. Er experimentiert mit Haschisch und wird, nachdem der Lehrkörper ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom festgestellt haben will, auch auf Ritalin gesetzt - mit wundersamen Auswirkungen auf die folgenden Auftritte im Debatierclub. Hier kann Mills auch kleine satirische Seitenhiebe gegen das Wettbewerbsdenken und die sprichwörtliche Dummheit an amerikanischen Schulen einbauen. Mit Rebecca (Kelli Garner ist nicht wieder zu erkennen nach ihrer Rolle in The Aviator) erlebt Justin die erste sexuelle Liebe. Scheu zu Beginn, muss er auch merken, wie schmerzvoll die Liebe sein kann. Thumbsucker ist aber auch ein Portrait einer amerikanischen Vorstadtfamilie. Normal ist da vieles - vor allem aber, dass man für einander nur das Beste will, egal was passiert.

Selten merkt man dem Film an, dass da ein Clipregisseur am Werk ist, ausser vielleicht, dass der Film etwas weniger geleckt daherkommt als Hollywoodstandartware. Keane Reeves zum Beispiel ist mit Sicherheit der versiffteste Zahnarzt der Filmgeschichte. Tilda Swinton ist gewohnt souverän. Vincent D'Onofrio nimmt man den liebevollen und trotzdem emotional etwas verklemmten Vater gerne ab. Vince Vaughn als Lehrer ist zum Schiessen. Mit Thumbsucker ist Frank Mills ein liebevolles Portrait eines männlichen Jungendlichen von heute gelungen. Lou Taylor Pucci gibt "Teenage America" das passende Gesicht, ob nun mit Daumen im Mund oder ohne.

4.2 Sterne
4.2 Sterne (21 Bewertungen) | 2 Kommentare

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13.02.2005 / rm