The Three Burials of Melquiades Estrada (2005)

Three Burials - Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada

The Three Burials of Melquiades Estrada (2005) Three Burials - Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada

Oder: Dreifach verbuddelt hält besser

The Three Burials of Melquiades Estrada

Tommy Lee Jones

Der illegale Einwanderer Melquiades Estrada (Julio Cedillo) ist ein grundbescheidener Mann. Alles was er möchte ist, seiner Arbeit als Cowboy nachgehen, der "Migra" nicht in die Hände fallen und ein bisschen Geld sparen, um dann irgendwann zurück nach Mexiko zu seiner Familie zu gehen. Was er allerdings auf gar keinen Fall möchte, und er ringt seinem Freund Pete (Tommy Lee Jones) das Versprechen ab, dies niemals zuzulassen, ist, "in den USA unter gottverdammten Reklameschildern beigesetzt zu werden."

The Three Burials of Melquiades Estrada

January Jones

Dass er diese Träume bald begraben kann, dafür sorgt ein idiotisch überreagierender Border-Patrol-Kotzbrocken. Mel kommt also doch unter amerikanischer Erde zu liegen, allerdings nicht tief genug, um nicht von Kojoten und schliesslich der Polizei wieder ausgegraben zu werden. Doch die scheint kein grosses Interesse daran zu haben, den Tod des Fremden näher aufzuklären, geschweige denn seinen Leichnam in sein Heimatland überzuführen. Im Eilverfahren, der Kühlraum im Leichenkeller ist leider nicht ganz funktionstüchtig, wird Mel mittels Bagger erneut unter die Erde gebracht. Diesmal sogar tief genug, um ihm die Kojoten vom Hals zu halten, aber halt immer noch auf der falschen Seite der Grenze.

The Three Burials of Melquiades Estrada

Barry Jon.. ähm Pepper

Pete, ein Cowboy alter Schule und ein Mann von Ehre, kann das natürlich nicht zulassen. Zulange waren die beiden Freunde und zu lange haben sie Seite an Seite Rinder durch die Gegend gejagt, als dass er diese Respektlosigkeit einfach so hinnehmen könnte. Von der Kellnerin Rachel, die er mit ihrem Ehemann Bob und Sheriff Belmont (Dwight Yoakam) teilt, erfährt er wer die tödlichen Schüsse abgegeben hat. Um Gerechtigkeit walten zu lassen, erledigt Pete gleich zwei Fliegen auf einen Schlag. Er kidnappt den jungen Grenzeshüter und zwingt ihn Melquiades wieder auszugraben. Dieser muss schliesslich noch nach Mexiko. So beginnt ein beschwerlicher Gang zur finalen Grabstätte, der an keinem der drei Männer spurlos vorbeigehen soll.


Kinofilm-Rating

Mit gutem Grund hat die Menschheit das Konzept der Gewaltenteilung entwickelt, allzu konzentrierte Macht kam einer Sache noch selten zu Gute. Tommy Lee Jones bricht nun frecherweise mit diesem Gesetz und hält in seiner Produktion gleich alle Fäden selbst in Händen. Es stellt sich nun die Frage, ob das funktionieren kann.

Problemzone Nummer eins ist sicher Jones als Hauptdarsteller, der ohne Einspruch von Regisseur schalten und walten kann. Die Versuchung muss gross sein, sich narzisstisch im besten Lichte zu zeigen und darüber die Co-Darsteller in den Schatten zu schauspielern. Man kann ja auch selten genug seine kindlichen Cowboy-Fantasien auf einer Grossleinwand ausleben und sich gar selbst dafür zu bezahlen, oder sich selbst nichts zu kosten, wie auch immer. Gewisse Tendenzen in diese Richtung sind durchaus auszumachen, Pete ist zweifelsohne "The Man" von der Geschicht, bleibt darüber aber so grummlig und dermassen besessen von seiner fixen Idee, Mel nach Mexiko zu bringen, dass er nie zu einer eindimensionalen Überheldenfigur verkommt.

Ähnliches gilt auch für die übrigen Charaktere, Regisseur T.L.J. macht es einem nicht gerade leicht, die Figuren in Good Guys und Bad Guys einzuteilen. Das gilt sowohl für den Border-Patroler Mike Norton (Barry Pepper), wie auch für den an Impotenz leidenden Sheriff. Bei den Schauplätzen kommt er dem Zuschauer in dieser Hinsicht wesentlich mehr entgegen. Hier gibt es eigentlich nur die schöne, wilde Natur auf der einen und die unerträgliche Öde der hässlichen texanischen Kleinstadt auf der anderen Seite. Auch die trockenste Wüste scheint noch ein viel lebenswerterer Ort zu sein, als das trostlose Kaff.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist dagegen die Aufsplittung der Handlung in verschiedene Kapitel und Sequenzen, deren Anordnung manchmal auch mit der Chronologie bricht, Geschehnisse aus verschieden Perspektiven zeigt, um danach aber plötzlich wieder in konventionelle Erzählweise zurückzuwechseln. Doch dies ist wohl eher Drehbuchautor Arriagas Bier, von dem wir das auch schon aus 21 Grams und Amores Perros kennen. Man mag's oder man mag's halt nicht.

Aber auch diese Eigenwilligkeiten und ein paar holprige, missglückte Szenenübergänge können den Film nicht kaputt machen. Diktator Tommy schafft es schlussendlich mit wunderbarer Komik den schrecklichen Dingen die im Film passieren und dem allgegenwärtigen Lug und Betrug zum Trotz, Hoffnung und Wärme zu spenden. Man verlässt das Kino auf seltsame Weise mit allem versöhnt.

4.4 Sterne
4.4 Sterne (29 Bewertungen) | 11 Kommentare

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11.01.2006 / mazemaster