Stay (2005)

Stay (2005)

Oder: Nothing is what it seems

Stay

Ein Amerikaner in Paris?

Schwerer Fall, den der Psychiater Sam Foster (Ewan Mc Gregor) zu bewältigen hat: Der junge Kunststudent Henry (Ryan Gosling) bekräftigt immer wieder: "Ich werde mich an meinem Geburtstag umbringen". Doch damit nicht genug. Er höre Stimmen in seinem Kopf, behauptet er felsenfest überzeugt. Als Sam versucht dem Rätsel seines Patienten auf die Schliche zu kommen und ihm vor dem geplanten Selbstmord zu retten, gerät er selbst in einen Strudel aus Wahnvorstellungen und Illusionen und muss sich gar die Frage stellen, wer von den Beiden nun durchdreht...


Kinofilm-Rating

Müsste ich das neueste Werk unseres "nicht wirklich aber beinahe Schweizers in Hollywood" in zwei Worten zusammenfassen, kämen Begriffe wie "Mindfuck" und Hochwasserhosen in den Sinn. Zum Glück, oder Unglück, stehen mir doch etwas mehr Worte zur Verfügung. Doch eigentlich möchte ich nicht viele Worte über Stay verlieren. Der Film spricht für sich selbst. Das mag zwar ausgeleiert klingen, trifft in diesem Falle jedoch zu.

In dieser irren und wirren Geschichte wimmelt es von Symbolik, Rätseln und visuellen Spielereien, die unendlichen Raum für ganz individuelle Interpretationen offen lässt. Zugegeben: Das Spiel mit Realität, vorgegaukelter Scheinwelt, Illusionen und verworrenen Gedankengängen, welches Stay zeigt, ist beim Teutates nichts Neues. Die Verpackung jedoch stimmt, was einen grossen Anteil des Reizes von Filmen dieser Art ausmacht.

David Finchers Fight Club, Richard Kellys Donnie Darko und wie sie nicht alle heissen: Sie hielten den Zuschauer sowohl mit einer vertrakten Geschichte, als auch mit extremen filmischen Stilmitteln bei der Stange. Auch arbeiteten sie alle gnadenlos auf das grosse Überraschungsende hin. Obwohl Stay den genannten Beispielen nie das Wasser reichen kann, entscheidet auch hier das Ende über die persönliche Einstellung des Zuschauers dem Film gegenüber. Mehr oder minder vorhersehbar, logisch, verständlich oder total an den Haaren herbeigezogen wirft der Filmschluss all das bisher gesehene und geglaubte über den Haufen und ist, je nach Individuum, frustrierend, erlösend, langweilig oder hirnrissig. Doch die Erwartung, am Ende alle Punkte des Bildes zu einem kompletten Gemälde zusammen zu kommen sehen, wird von Forster nicht, oder nur teilweise erfüllt. Ob dies nun positiv oder negativ auf den Gesamteindruck des Filmes auswirkt, kann ich nicht sagen. Wie man merkt, ist es schwer über Stay zu reden, ohne zu viel zu verraten.

Über die Schauspieler jedoch kann man ohne Probleme schreiben. Über Hochwasserhosen auch. Sam Foster (Ewan McGregor) trägt welche und sieht darin unheimlich doof aus. Doch auch dieser modische Griff in die Kloschüssel hat eine Begründung, die bereits in diversen Internetforen von Filmfreaks debattiert wird. Ewan macht seine Sache gut und auch Newcomer Ryan Goslin (The Notebook) nimmt man den verwirrten, suizidgefährdeten Kunststudenten ab. Die manchmal zu Unrecht als Nicole Kidman für Arme bezeichnete Naomi Watts bringt etwas Herz in die sonst eher sterile und kalte Angelegenheit und der alternde Bob Hoskins beweist, dass er auch ohne Jessica Rabbit schauspielern kann.

Die Kritiker in den USA taten sich schwer mit Stay: Sie bezeichneten ihn als weder Wurst noch Brot sondern am ehesten als Chabis oder gar einen absoluten Käse. Diese Meinung kann ich nicht teilen. Obwohl das Machwerk klischeeschwanger und teils etwas emotionslos daherkommt, unterhält es durch eine starke Besetzung und eine einfallsreich verschnörkelte Inszenierung. Vor allem aber wird er die Zuschauer noch lange nach dem Kinobesuch zu Diskussionen anregen und ein Jeder wird behaupten, seine Interpretation sei die einzig richtige. Und solche Filme mögen wir doch alle.

4.4 Sterne
4.4 Sterne (84 Bewertungen) | 15 Kommentare

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07.02.2006 / ma