Snow White (2005)
Snow White (2005)
Oder: Goldküste feat. sens de la vie
Nico (Julie Fournier) ist 21 Jahre jung und Tochter von Beruf. Ihr Vater (Benedict Freitag) ist stinkreich, hat aber kaum Zeit für sein Töchterchen und meldet sich nur, wenn sie mit Geld ausgeben über alle Stränge schlägt. Die Mutter (Sunnyi Melles) ist ein Fall für die Psychiatrie und man fragt sich, ob die überhaupt noch schnallt, dass sie eigentlich auch noch Mutter ist. Sie hat sich von ihrem Mann getrennt und ist in das Haus nebenan eingezogen.
Nico nutzt die Situation aus und haut mächtig auf den Putz. Parties, Koks, Sex und "Nichts-tun" bestimmen ihren Alltag. Um in der Szene vorne mitzumischen, hat sie sich auf eine Affäre mit dem Clubbesitzer Boris (Stefan Gubser) des In-Schuppens Casanova eingelassen. Da gibt's Koks im Überschuss und es treten die coolsten Bands auf, wie zum Beispiel die Genfer Hip-Hop Band "Menace Evasion". Nico ist sofort fasziniert vom Leadsänger Paco (Carlos Leal), der mit seinen Texten versucht zu rebellieren und sich mit Clubbesitzer Boris anlegt. Schliesslich kommt's zum grossen Knall: Nico verliebt sich in Paco, verlässt Boris und der ist stinksauer. Schluss mit lustig.
Das Goldküsten-Chick wird aus der Scheinwelt gerissen und in die harte Realität geworfen. Die Liebe zu Carlos ist zwar gross, doch es ist auch ein Weg voller Hindernisse: Er muss auf Tournee, sie bleibt alleine zurück und versucht ihrem Leben einen (neuen) Sinn zu geben: Keine Drogen mehr und Theater spielen ist nun die Devise, alles aus Liebe zu Paco. Doch ganz so einfach geht's dann auch wieder nicht: Boris lässt durch Bobby (Xaver Hutter) das Geld für das konsumierte Koks eintreiben, die Lügen gegenüber Paco um ihre wahre Identität zu verheimlichen machen das Leben auch nicht einfacher und die Eltern wollen nichts mehr von ihrer Tochter wissen.
Der einzige Halt, den Nico jetzt noch hat, ist ihre beste Freundin Wanda (Zoé Miku). Diese stammt aus einfachen Verhältnissen und finanziert sich ihren Lebensunterhalt durch "Sponsoren". Ein Lebensstil der auch seine Spuren hinterlässt ...
Kinofilm-Rating
Auf den ersten Blick geht's bei Snow White nur um Sex, Drugs & Hip-Hop. Ein bisschen Party da, etwas Koks dort und Hauptsache, das Gucci-Täschchen passt zu den Schuhen. So wie man die Klischee-Vorstellung vom Leben der Reichen und Schönen aus der Weltstadt Zürich hat. Doch wenn man sich das Ganze etwas genauer anschaut, ist es schon etwas tiefgründiger und es drängt sich eine alte Weisheit auf: "Geld macht nicht glücklich." Oder wie es der Regisseur Samir beschreibt: "Es dauerte ein paar Jahre, bis ich kapierte, dass auch reiche Leute leiden können und dass die Lösung der sozialen Frage noch keine Antwort auf den Sinn des Lebens bereitstellt."
Zu Beginn des Films haben wir das superreiche Goldküsten-Chick ohne eine wirkliche Familie, eine beste Freundin aus ärmlichen Verhältnissen mit intakter Familienstruktur und ein Musiker, Sohn immigrierter Eltern, der mit aller Kraft gegen das System ankämpft. Alle besitzen sie auf ihre Art und Weise etwas Wertvolles und trotzdem wollen sie lieber etwas anderes, scheinbar Wertvolleres, erkämpfen. Dafür unternehmen sie alles in ihrer Macht Stehende um es zu erreichen, egal wie und wie viel sie dafür bezahlen müssen. Dies zeigt sehr schön eine alte Schweizer-Krankheit auf: der Neid. Immer wollen alle so sein wie die Anderen und ja nicht sich selber, ein stetiger Kampf. Vielfach endet dieser Kampf im Verlust von allem, was man je besessen hat - spätestens da kommt Reue auf. Frage bleibt, ob es immer so weit kommen muss, um den Sinn des Lebens zu finden und warum es Leute gibt, die es selbst dann noch immer nicht schnallen.
Es ist etwas schade, dass die einzelnen Charaktere im Film nicht noch etwas besser vorgestellt werden. Im Speziellen Nico, es ist nicht ganz klar warum sie so perfekt und akzentfrei Französisch spricht. Sie ist am Zürcher Goldhügel aufgewachsen und ihre Eltern wirken relativ bünzlig. Dies bringt auch gleich noch einen weiteren Punkt mit sich: Julie Fournier ist Französin und ihre schweizerdeutschen Passagen wurden synchronisiert. Das fällt leider sofort auf und lässt den Charakter Nico etwas unglaubwürdig erscheinen. Sehr positiv überrascht hat Carlos Leal, welcher mit seinen schauspielerischen Fähigkeiten absolut überzeugen konnte. Zudem darf sich das Publikum über ein paar musikalische Leckerbissen aus dem Hause Sens Unik, bzw. Carlos Leal freuen.
Da es sich um einen Schweizer Film handelt, schaut man schon mal etwas genauer hin, wo der Film spielt und ob man das Gezeigte selber auch so bestätigen kann. Je nach eigenen Erfahrungen und Kenntnissen ist dies mehr oder halt auch weniger gelungen. Es haut einem nicht gerade aus den Schuhen, aber der Film ist alles in allem gut gemacht und sicherlich einen Kinobesuch wert.
![]()
3.4 Sterne (78 Bewertungen) | 38 Kommentare




