Shooting Dogs (2005)
Shooting Dogs (2005)
Oder: Noch eine Ruanda mehr...
Am 6. April 1994 wird der Präsident von Ruanda ermordet, was zuerst "nur" ein weiterer Aufruhr in Afrika zu sein scheint. Auch Christopher (John Hurt), der katholische Priester einer weiterführenden Schule in Kigali, sowie der junge Joe Connor (Hugh Darcy), der als Lehrer tätig ist, beschäftigen sich erst nicht gross mit dem Vorfall und gehen weiter dem Alltag nach. Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse und die Missionsschule, die auch belgische Blauhelmsoldaten der UNO beherbergt, befindet sich mittendrin.
Innerhalb weniger Stunden entbrennt eine erbitterte Rivalität zwischen den Tutsi und den Hutus, zweier Volksgruppen Ruandas. Infolge dessen werden unzählige Tutsi von Hutus brutal mit Macheten abgeschlachtet. Priester Christopher nimmt 2'500 Tutsi und gemässigte Hutus in der Schule auf und gewährt ihnen Schutz, allerdings zum Missfallen des belgischen Blauhelmkommandanten. Dieser ist sich der Gefahr durch die amoklaufenden Hutu zwar bewusst, darf aber nichts unternehmen, solange seine Soldaten nicht selbst angegriffen werden.
Joe Connor verspricht seiner Lieblingsschülerin Marie (Claire-Hope Ashitey), die seit einiger Zeit tiefere Gefühle für ihn hegt, dass er sie nicht im Stich lassen werde. Schliesslich ist sogar vermeintliche Rettung in Sicht: Lastwagen der UNO kommen zwecks Evakuation in die Schule, allerdings nur deren zwei Stück. Und dies aus einem ganz einfachen Grund, denn nur die Touristen und Lehrer, sprich Leute mit weisser Hautfarbe, sollen evakuiert werden. Kann Joe zu seinem Versprechen stehen?
Kinofilm-Rating
Regisseur Michael Caton-Jones der uns dieses Jahr bereits seinen wenig überzeugenden Film Basic Instinct 2 bescherte, setzt uns mit diesem Werk ein schwer zu verdauendes Stück Film vor. Mit Gewalt wird nicht gezögert, wird aber äusserst realistisch dargestellt und so kommt es nicht nur einmal vor, dass man mit den Figuren im Film mitleidet. Das ganze wird natürlich dadurch verstärkt, dass das Geschehen in und um der Schule auf wahren Tatsachen beruht. Die Hauptcharaktere werden von ihren Schauspielern sehr vielschichtig dargestellt, allen voran John Hurt, Hugh Dancy und Claire-Hope Ashitey, die aktuell auch in Children of Men im Kino zu sehen ist.
Der knapp 2-stündige Film schreitet teilweise zwar gemächlich voran, driftet aber nie in die Langeweile ab. Ganz im Gegenteil: Die zwei Stunden scheinen äusserst schnell zu vergehen, man könnte sogar meinen, der Film hätte eine etwas längere Spielzeit vertragen können. Der Titel des an Originalschauplätzen gedrehten Films, kommt übrigens daher, dass die Blauhelmsoldaten zwar Hunde, die Leichen anfrassen erschossen haben, die afrikanischen Flüchtlinge aber nicht verteidigten.
Man kann sagen, dass Michael Caton-Jones mit Shooting Dogs eindeutig seinen bisher besten Film vorgelegt hat. Und dieser hat es wahrlich in sich, denn für einfache Gemüter ist er sicher nicht zu empfehlen, da man sich sicher noch einige Tage später Gedanken über das Gesehene und über die Brutalität der Menschheit im Allgemeinen macht. Wer sich aber damit auseinander setzten möchte, dem ist der Film uneingeschränkt zu empfehlen.
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4.5 Sterne (9 Bewertungen) | 1 Kommentar


