Revolver (2005)
Revolver (2005)
Oder: Are we playing the same game?
Frisch aus dem Knast, will Jake Green (Jason Statham) erst einmal das grosse Geld machen. Doch dies liegt nun einmal nicht auf der Strasse, also Hopp ins Casino. Und Jake ist gut. Die sieben Jahre im Gefängnis mit zwei geheimnisvollen Gestalten, die ihn in die Welt des Spiels eingeführt haben, tun ihre Wirkung. Zwei Jahre später, unterdessen steinreich, nimmt sich Jake seinen Erzfeind vor: den Casinobesitzer und Gangster Macha (Ray Liotta). Dieser ist ein hartgesottener Bursche und gewinnt immer, weil ihn sich niemand zum Feind machen will.
Doch so nicht mit Jake. Er will Macha, der ihn damals indirekt hinter Gitter gebracht hat, vor den Augen seiner Untergebenen erniedrigen. Er schlägt den Grossmäuligen nicht nur locker, sondern streut danach noch Salz in die Wunde indem er ihn verbal vor den Kopf stosst. So etwas will der eitle Macha natürlich nicht auf sich sitzen lassen, und gibt seinem Hitman grünes Licht, damit er Jake über die Klinge springen lässt.
Das scheint allerdings schwieriger zu sein, als geplant, denn Jake wird plötzlich von zwei Typen beschützt, die aus irgend einem Grund an ihm interessiert sind. Als Jake herausfindet, dass er aufgrund einer tödlichen Krankheit nur noch wenige Tage zu leben hat, entscheidet er sich widerwillig, sich den Zweien anzuschliessen. Diese wollen allerdings sein Geld sowie Jakes willenlose Ausführung ihrer Anweisungen...
Kinofilm-Rating
Keine Angst, die eben beschrieben Charaktere sind längst nicht alle. Und der Plot beschreibt gerade mal die ersten zwanzig Minuten. Das wäre ja nicht Guy Ritchie, wenn es nicht mindestens drei parallel laufende Handlungsstränge gäbe. Der Anfang ist viel versprechend mit extrem coolem Soundtrack untermalt. Jason Stathams Gesicht lässt Erinnerungen an Ritchies Klassiker hervorkommen, was die Erwartungen nach oben schraubt. Auch die Bilder sind eindrücklich. Die von Guy Ritchie anvisierte "transkontinentale Umgebung" ist fast ein Augenschmaus. Zum Teil sehr surrealistisch, aber die dadurch kreierte Atmosphäre wirkt aalglatt und modern.
Diese Qualitäten, zusammen mit Guy Ritchies Fähigkeiten als Regisseur, sollten eigentlich für einen weiteren Hit sorgen. Sollten. Denn im Gegensatz zu Snatch und Lock, Stock and Two Smoking Barrels ist Revolver irgendwie flach rausgekommen. Atypisch zu dem, was man anfänglich erwartet, wird man teils auf eine Metaebene gehoben, in der sich Realität mit Irrealem vermischt, und in der die Retroperspektiven schwer zu erkennen sind. Auch die weisen Sprüche die ab und zu eingeblendet werden, im Stil von "The greatest enemy will hide in the last place you would ever look", passen zwar zu Jakes Pseudoüberlegenheit, sind aber schlussendlich zu wenig in die Handlung des Films eingegliedert.
Wieso eigentlich "Revolver"? "Cooler Name", meint Guy Ritchie, "ich war erstaunt, dass es noch keinen Film gab, der so heisst. Ich mag nicht nur den Titel, sondern auch das Konzept. Sich in einem Spiel zu befinden, welches nicht aufhört sich zu drehen, bis man realisiert, dass es ein Spiel ist, und nur diese Gewissheit einem die Möglichkeit gibt, fortzuschreiten. Wann fängt das Spiel an? Wann hört es auf? Wer ist der Betrüger und wer der Betrogene?" Hoffen wir, dass es nicht der Kinobesucher an der Kasse ist.
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4.3 Sterne (36 Bewertungen) | 21 Kommentare




