Rag Tale (2005)

Rag Tale (2005)

Oder: Käsiger Schlagzeilenfilm

Rag Tale

"Meine Frau knutscht nur mit mir!"

"Wen knöpfen wir uns diese Woche vor?" Chefredaktor Eddy (Rupert Graves) braucht wieder mal einen Skandal. Die letzten Headlines über die US-Wahlen kamen beim Publikum schlecht an. Das Londoner Käseblatt "The Rag" braucht etwas volksnahes, und der Buckingham Palace liegt definitiv näher als Washington.

Rag Tale

... oder auch nicht.

Doch just dann kommt von ganz oben die Weisung, dass das Blatt fortan Monarchie-freundlich schreiben solle. Zeitungsbesitzer Besitzer Richard Morton (Malcolm McDowell) lies seinen Chefredaktor bislang freie Hand in Themenwahl, doch nun liebäugelt er mit seiner Adelung. Als zusätzliches Druckmittel verwendet er Eddies Affäre mit der Asistentin Mary (Jennifer Jason Leigh), die zugleich Richardsons Frau ist...

Rag Tale

Ha-Ha!

Eddy hat die Affäre jedoch bereits beendet. Er missachtet Mortons Weisungen und lässt die reisserische Story "Palace for the People" laufen, fürchtet jedoch um seinen Job. Deshalb heckt er mit seinen nächsten Vertrauten einen Plan aus: Mortons Ruf soll durch einen fingierten Skandal ruiniert werden und so Eddy den Chefsessel sichern.

Als Paparazzo Morph (Ian Hart) auf Mortons Fersen gehetzt wird, liegt die gefälschte Story wenig später auf dem Redaktionstisch. Doch zu welchem Preis?


Kinofilm-Rating

Schnell, hektisch und dreckig geht es in einer Redaktion zu und her. Das mag sein, auch wenn die OutNow.CH Redaktion hier das beste Gegenbeispiel ist. Um beim Zuschauer den Eindruck von Hektik und Authentizität zu erwecken, verwendet Regisseurin Mary McGuckian das billigste aller Stilmittel: Es wird im Sekundentakt zwischen drei oder mehr verschiedenen Kameraeinstellungen - eine davon schwarz-weiss - hin und her gewechselt. Statt Steadycams zu verwenden wird das Bild noch extra verruckelt. Bei über zwei Stunden Film kommen so 7380102 rasante Schnitte zustande, miiindestens.

Wem durch das Bild noch nicht übel geworden ist, dem wirds sicherlich bei der schwachen Story. Die klassischen Reporter-Klischées (Lügen, Sex, Drogen) werden ans Limit getrieben, nur um die Geschichte von Chefsessel-Gerangel einigermassen spannend zu halten.

Einigermassen erfreulich sind immerhin die Schauspieler. Jennifer Jason Leigh spielt ihre Rolle der Möchtegerne-Chefin bis fast zum Schluss überzeugend. Dass sie einem für ihren Filmcharakter total untypischer Abgang machen muss, kann sie nicht viel dafür. Ebenso kriegt man endlich wieder mal Malcolm McDowell zu sehen! Das Drehen ansich scheint allerdings spannend gewesen zu sein. die Regisseurin hat den Schauspielern kein fertiges Drehbuch präsentiert, sondern die Dialoge und Details wurden vor Ort improvisiert.

Wie die gestrige Zeitung ist Rag Tale morgen bereits wieder vergessen. Später werden allerdings noch zwei weitere Filme der gleichen Crew mit dem gleichen Konzept erscheinen - der eine spielt in einem Krankenhaus, der andere... in einem Filmstudio!

2.6 Sterne
2.6 Sterne (4 Bewertungen) | 1 Kommentar

2.52.5
12.08.2005 / th