Princesas (2005)
Princesas (2005)
Oder: ... frei, Freier, am freisten?
Ein Friseursalon in Madrid dient den alteingesessenen Huren als Refugium. Statt Haare geschnitten werden viel eher die letzten Gerüchte verbreitet und gelästert. Neben Bianca vom Drogenstrich, die sich regelmässig für den nächsten Schuss auf der Toilette einnisten möchte, bekommen vor allem die eingewanderten Prostituierten ihr Fett ab. Die exotischen Mädchen aus Lateinamerika verschärfen die Konkurrenz und machen den Markt mit tieferen Preisen kaputt.
Eine der Stammgäste ist die bald dreissigjährige Caye (Candela Peña). Sie prostituiert sich schon lange, nur ihrer strengen Mutter verrät sie nichts über ihren Beruf. Als die Dominikanerin Zuleima (Micaela Nevárez) im Stockwerk über ihr einzieht, ist Caye zuerst misstrauisch. Doch bald merkt sie, dass sie und die "billige Konkurrenz" nicht ganz so unterschiedlich sind, wie sie immer meint. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine Freundschaft, Cayes Freundinnen dürfen vorerst aber nichts davon erfahren...
DVD-Rating
'Im Westen nichts Neues' (man erinnere sich an Pretty Woman & Co.) und trotzdem ausgesprochen sehens- und empfehlenswert. So verkürzt lautet mein Vorfazit zu Princesas. Das Werk aus der Schmiede von Fernando León de Aranoa (Los Lunes al sol) berichtet aus dem Leben zweier Prostituierten in Madrid. Ein berührender, tiefgründiger Film, der die Härte des Lebens unverfälscht aufzeigt.
Die beiden Frauen Caye und Zulema gehen - jede auf ihre eingeübte Art und Weise - heimlich ihrem Beruf nach. Gegen aussen wahren sie den sauberen Schein, um damit ihre Familien zu schützen. Lügen, sich verstellen, anschaffen, andere Huren konkurrenzieren, Geld sparen, Prügel einstecken und sowohl eklige wie auch erpresserische Freier bedienen zu müssen sind an der Tages- respektive Nachtordnung der Frauen. Trotz dieser im Grunde erniedrigenden Situationen bleiben die Freundinnen sich gegenseitig und letztlich auch sich selber treu. Wer in einer solchen Umgebung nicht zugrunde geht, muss eine starke Persönlichkeit sein und persönliche Ziele haben, für die es sich zu kämpfen lohnt. Mit der finalen offenbarenden (Caye) beziehungsweise rächenden (Zulema) Tat befreien sich die Protagonistinnen selber und machen einen weiteren Sprung in Richtung Selbständig- und Unabhängigkeit. Damit kommen sie ihrem Wunsch näher. Auch wenn sie dafür einen Preis zahlen müssen.
Princesas als Gesamtwerk geht einem wirklich unter die Haut. Die Darstellerinnen bewegen sich selbstsicher in ihren schwierigen Rollen und versprühen nebst ihrem sehnsüchtigen Streben nach mehr Lebensqualität eine ungezwungene Lebensfreude. Dies gefällt und zeugt von Professionalität. Natürlich: Es ist unverständlich, weshalb zwei derart hübsche, gesunde Damen einem Job wie diesem nachgehen. Doch das Leben ist kein steter Höhenflug, und nur die wenigsten leben wie Paris Hilton & Nicole Richie umgeben von Samt und Seide...
Fernando León de Aranoa beweist, dass er die Filmkomposition im Griff hat: Bild und Ton gehen harmonisch einher. Mal wackelt die Kamera szenenlang herum und passt somit gut in die ebenfalls instabile Umgebung der Frauen. Mal unterstreichen melancholische Klänge die Zustände, die auf den Strassen Madrids herrschen. Und zuweilen beschleicht einem das Gefühl, der Regisseur habe Doku-Abschnitte eingefügt (Aufnahmen aus dem Park mit dem Polizeiauto), um dem Film so viel Authentizität wie möglich zu verleihen. Sehr schön!
Zur DVD: Qualitativ gesehen, bewegt sich die DVD auf gutem Niveau. Sound (Synchron-Version sowie Originalsprache) und Bild sind einwandfrei. Die Scheibe qualifiziert sich in Sachen Bonusmaterial leicht über dem Durchschnitt: Das Making Of ist okay, die parallele Präsentation von Storyboards und umgesetzten Szenen sind interessant und auch das Behind the Scenes lohnt sich anzusehen. Da ich unbewegte Infos (Bilder, Biografien etc.) sowie Werbung (Trailers) nicht sonderlich mag, sind die meines Erachtens bloss unnütze Zusätze. All in all eine von mir zum Kauf empfohlene DVD.
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5.0 Sterne (18 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
- Bildformat: 16:9 anamorph (1:1,85)
- Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1)
- Untertitel: Deutsch, Französisch
- Extras: Making of, Fotogalerie, Filmografien, Behind the Scenes (70 Minuten), Biografien, Storyboards, Trailershow


