Palais royal! (2005)

Palais royal! (2005)

Oder: Prinzessin werden ist nicht schwer...

Palais royal!

Mesdames et Messieurs! Die Bermuda-Shorts.

Ein Königreich irgendwo in Europa, irgendwann in den Nuller Jahren: Hektik bricht aus im noblen Königspalast, als der Amtsinhaber, König André, in einem Helikopterabsturz ums Leben kommt. Dessen ältester Sohn und legitimer Thronfolger Alban (Michel Vuillermoz), dem gerade wieder mal die Frau weggelaufen ist, kommt für das Amt nicht in Frage: ein uralter Passus in der Familienchronik verbietet einem Junggesellen die Regentschaft. Somit kommt sein jüngerer Bruder Arnaud (Lambert Wilson), ein Bonvivant, der auch einem guten Joint zwischendurch alles andere als abgeneigt ist, zu königlichen Ehren und soll in Kürze zum Nachfolger seines Vaters gekrönt werden. Dessen Frau Armelle (Valérie Lemercier) gebührt die Ehre, die Prinzessinnenkrone aufzusetzen. Eine ungewohnte Rolle für die gelernte Logopädin: Das Dauerlächeln für die Fotografen will ihr nicht recht gelingen und ihre mangelnde Kenntnis der königlichen Sitten ist Anlass für einige peinliche Szenen.

Palais royal!

In der Muttenzer Kurve.

Den vornehmen Blaublütern rund um Arnauds Mutter Eugénia (Catherine Deneuve) ist Armelle aufgrund ihrer Tapsigkeit und ihres Mangels an royalem Glamour von Beginn weg ein Dorn im Auge. Armelle indes ergreift selbst die Initiative, nachdem sie entdeckt, dass Arnaud sie mit ihrer besten Freundin betrügt, und zahlt es diesem mit barer Münze heim. Sie lernt zudem auch, die Medien für sich zu gewinnen und entwickelt sich zur volksnahen "Prinzessin der Herzen". Ein Affront ohnegleichen für Eugénia und Konsorten...


Kinofilm-Rating

Ähnlichkeiten Armelles mit einer gewissen real existierenden englischen Prinzessin, welche 1997 bei einem Autounfall in Paris ihr Leben verloren hat, sind nicht von der Hand zu weisen. Ja, Regisseurin und Hauptdarstellerin Valérie Lemercier setzt ihren Film als Parodie auf diese rührselige und tragisch endende Geschichte der Märchenprinzessin in Szene. Ihre Prinzessin Armelle ist eine aufgedrehte Version der Herzensprinzessin, die Entwicklung vom unbeholfenen Mauerblümchen zum Schrecken der Königsfamilie wird von ihr mit Verve dargestellt. Catherine Deneuve als Eugénia spielt die intrigante Königsgattin bzw. -mutter gekonnt und ist mit ihrer kühlen Noblesse die Idealbesetzung für diese Rolle.

Der Film lebt und bezieht seinen Witz von der Konfrontation dieser beiden starken Frauenfiguren. Die Männer hingegen erweisen sich als regelrechte Waschlappen: Prinz Arnaud, wunderbar dümmlich gespielt von Lambert Wilson, ist ein nichtsnutziger Schwerenöter; sein Bruder Alban ein geborener Verlierer, welcher von den Frauen zu deren Zwecken ausgenutzt wird.

Betrachtet man Palais royal! losgelöst vom realen Kontext, an welchem er sich offensichtlich orientiert, ist er witzig und frech. Nur ist eine solche Loslösung fast nicht möglich, zu offensichtlich hält er sich an die Geschichte, die sich real zugetragen hat. Aus diesem Grund erhebt der Film zweifellos den Anspruch, eine Satire zu sein und sollte deshalb auch an den Erwartungen an eine solche gemessen werden. Und hier überzeugt er nur teilweise: die Übertreibung geschieht zu wenig grell, das Leben der Film-Prinzessin ähnelt zu sehr dem Leben der realen Prinzessin. Für eine Satire ist er deshalb zu wenig überraschend. Ein wenig mehr Eigenständigkeit hätte dem Skript gut getan.

Die schick gewordene Medienkritik, welche in diesem Zusammenhang unvermeidlich ist - schliesslich haben damals sogar die Klatschblätter die bösen Paparazi gebrandmarkt; nur um unmittelbar danach brandheiss und exklusiv die neuesten Fotos von der Beerdigung anzupreisen - gibts erfreulicherweise in nur sehr moderatem und erträglichen Mass. Auch sonst hält sich die Regisseurin mit expliziter Kritik zurück, wenn auch die englische Königin in Form der intriganten Eugénia gehörig ihr Fett abkriegt.

Sehenswert ist Palais royal! dank eines gut gelaunten Ensembles, dank schmissiger Musik und augenzwinkernden Humors. Und Valérie Lemercier schafft mit ihrem Film das Kunststück, eine für Royal-Freunde und -Hasser gleichermassen amüante Komödie zu drehen. Möge die echte Prinzessin der Herzen in Frieden ruhen - und möglicherweise ein wenig über ihr Alter Ego drunten auf der Erde schmunzeln...

3.4 Sterne
3.4 Sterne (8 Bewertungen) | 2 Kommentare

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19.08.2006 / ebe