Paheli (2005)

Paheli (2005)

Oder: Ghost ohne Swayze

Paheli

*knabber*

Alles ist bereit für den schönsten Tag im Leben der schönen Lachchi (Rani Mukherjee). Ganz aufgeregt freut sie sich vor allem auf die Hochzeitsnacht. Doch der frisch vermählte Gatte Kishan (Shahrukh Khan) denkt eher ans Kalkulieren als das Kopulieren. Der geldgierige Buchhalter muss die Kosten für das soeben abgehaltene Fest auch zu später Stunde nochmals durchrechnen und vernachlässigt seine Anvertraute so sträflich. Aber es kommt noch schlimmer. Noch während der Hochzeitsnacht gibt Kishan bekannt, dass er die nächsten fünf Jahre ausser Haus sein wird. Die Geschäfte fern von der Heimat rufen und die sind allemal wichtiger als die Bedürfnisse der Gattin.

So trauert Lachchi zusammen mit ihrer Schwester, welche die Situation nur zu gut kennt. Auch ihr Mann machte sich eines Tages ohne Grund aus dem Staub. Doch Rettung naht in Form eines Geistes, der sich in Lachchi verliebt hat. Er schlüpft in den Körper des Gatten und übernimmt die Rolle des liebenden Ehemanns - bis eines Tages der wahre Kishan zurückkommt. Lachchis Familie steht vor einem Rätsel. Welcher der beiden ist nun der richtige?


Kinofilm-Rating

Glaubt man dem Schweizer Filmverleih, ist Paheli einer der mit grösster Spannung erwarteten Filme aus Bollywood des laufenden Jahres. Die Zuschauerschaft in Zürich scheint dem zuzustimmen. Trotz tropischer Temperaturen waren noch nie so viele Leute an einer Bollywood-Premierenvorstellung im ETH-Auditorium. Auffallend waren die vielen Europäer. Superstar Sharukh Khan, Fans nennen ihn nur SRK, lockt die Massen. Auch Altmeister Amithabh Bachchan hat eine kleine Gastrolle als salomonischer Ziegenhirt.

Paheli ist aber nicht eines der typischen SRK-Knallbonbons. Folkloristischer Kostümfilm beschreibt diese Adaption des Romans Duvidha, der 1973 schon einmal verfilmt wurde, schon eher. Was beutet diese Etikette für einen Film aus Bollywood? Erstmal ist die Hindisprache nicht gespickt mit Begriffen und Wendungen aus dem Englischen. (Die Liebesschwüre sind zum Teil so geschwollen, dass man auch mit Hilfe der englischen Untertitel kapitulieren muss vor der archaischen Sprache). Zweitens ist ein konstantes Klirren der Armreifen und Fusskettchen zu vernehmen, wenn die Frauen durchs Bild huschen (Das erste was vom Film auf der Leinwand zu sehen ist, ist eine Danksagung an die Sponsoren der Juwelen) und natürlich erleuchten drittens die Saris in allen möglichen Farben, und nicht eine Jeans trübt das Bild, das man sich von indischer Kleidung macht. Paeli ist ohne Zweifel ein Augenweide. Auch wenn sich Rani Mukherjee als Braut in Rot, wie es sich damals gehört, züchtig verschleiert, ist das dank den Stoffen immer noch schön anzusehen.

Paheli ist aber auch ein ganze Spur nüchterner als kommerziellere SRK-Ware. Ganz auf Klamauk wird nicht verzichtet, aber die Verwechslungen, die SRKs Doppelrolle als Geist und Gatte zwangsläufig hervorrufen müssen, sind weniger überdreht gespielt als anderswo. Und die Zaubertricks, die der Geist auch beherrscht, sind eingebetet in eine Nebenhandlung um ein Kamelrennen. Da kann man sich an den Tieren ergötzen, wenn einem das Geblödel der Jokeys zu viel wird.

Diese Nüchterheit lässt auch Sharukh Khan zurückhaltend agieren. Er gibt eine simple und stille Performance als Geist, und ist effektiv ein bisschen verklemmt als Buchhalter. Da ist nix mit Action und allwissender Clown, der dauernd Nasen stubst. Seine romantische Beziehung mit Mukherjees Lachchi ist kein neckisches "Und sie kriegen sich ja doch am Ende", sondern erinnert in den Grundzügen eher an Richard Geres geheimnisvolle Verhältnis zu Jodie Foster in Sommersby. Dieser amerikanische Film aus dem Jahre 1993 war ein lupenreiner Chickflick. Nichts anderes ist auch Paheli.

Paheli läuft noch bis und mit 1. Juli jeden Montag, Mittwoch und Freitag um 18:30 im Auditorium F1 der ETH Zürich. Vom 4. bis 8. Juli ist er in der ETH zur gleichen Zeit täglich zu sehen. Das Kino RiffRaff in Zürich zeigt in ausserdem am 3. und 10. Juli in der Sonntagsmatinee um 11:30. Die Basler haben die Möglichkeit den Film am 2. Juli um 15:30 im kult.kino atelier 3 anzugucken. Das St. Galler Kinok ist am 11. Juli um 19:30 an der Reihe. Vorstellungen für Luzern und Bern sind geplant. Genauere Infos gibt es wie immer bei Cinedrome.ch.

4.7 Sterne
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29.06.2005 / rm