One Day in Europe (2005)

One Day in Europe (2005)

Oder: Die Europäische Fussballunion

One Day in Europe

Eine galizische Trachtengruppe

Es ist der Tag des Champions League Finales. Deportivo la Coruña aus Galizien und die Türken von Galatasaray Istanbul stehen sich in Moskau im Endspiel des Fussballmeistercups gegenüber. In ganz Europa warten die Fans auf das Spiel.

In Moskau wird eine britische Geschäftsfrau ausgeraubt. Eine herzensgute ältere Dame, die kein Wort Englisch spricht, hat den Vorfall beobachtet und begleitet die Geschäftsfrau auf den Polizeiposten. Die Ordnungshüter haben aber genug zu tun mir randalierenden Fans und wollen lieber selber das Spiel sehen. Bald steht es 1:0 für Depor.

One Day in Europe

Was guckst Du?

Auch in Istanbul gibt's Kriminelle. Ein deutscher Student will deshalb seine Versicherung betrügen und fingiert einen Raubüberfall. Der Taxifahrer, der ihm helfen will, stellt sich als schwäbelnder Gastarbeiter heraus, der die Bösewichte erstmal auf eigene Faust zur Rechenschaft ziehen will. Der Student braucht aber viel eher einen Polizeirapport und macht seine Erfahrungen mit den seltsamen Methoden der türkischen Polizei. Galatasaray gleicht in der letzten Minute aus. Es steht 1:1 und das Spiel geht in die Verlängerung.

Die Kamera eines ungarischen Pilgers kommt in Santiago de Compostela abhanden. Mehr als 500 Fotos, die seine zweijährige Reise dokumentieren, sind weg. Kein Grund zur Sorge für den Dorfpolizisten, denn die hochmoderne Videoüberwachungskamera wird den Dieb schon überführen. Deshalb werden erstmal seine vielen täglichen Damenbesuche absolviert. Endlich im Polizeiposten angekommen, plärrt im Fernsehgerät schon der Kommentar zur Verlängerung in Moskau.

One Day in Europe

Ils sont où, les nazis?

Der Wagen eines französischen Pantomimenpärchen säuft in Berlin ab. Ohne einen Eurocent suchen sie sich das düsterste Quartier aus, um sich von Neonazis verprügeln zu lassen. Das Geld der Versicherung könnte sie zurück nach Hause bringen. Doch in Berlin ist für das Franzosenauge alles viel zu ordentlich. Der Mann schlägt sich deshalb selber eins ins Gesicht und just in dem Momenten fahren zwei Polizisten vor. Das Finale der Champions League muss durch Elfmeterschiessen entschieden werden.


Kinofilm-Rating

Jim Jarmuschs Night on Earth war einer dieser Filme, wo ich vor lauter Glück den Fernseher nur noch umarmen wollte, als ich in zum ersten Mal gesehen habe. Hannes Stör, der Regisseur von One Day in Europe hat sich die Geschichten aus den nächtlichen Taxifahrten in L.A., New York, Paris, Rom und Helsinki genau angeguckt und sie europäisiert. Das völkerverbindende Element beim Verknüpfen der Geschichten ist der Fussball. Das Spiel, das man auch in Städten wie Moskau und Istanbul, die politisch (noch) nicht zu Europa gehören, versteht, auch wenn man sich sonst mit Händen und Füssen verständigen muss. Im Film wie wohl auch bei den Dreharbeiten dürften interkulturelle Verständigungsschwierigkeiten die Regel gewesen sein. Klar wird dabei auch mit den Klischees hantiert. Das ist zwangsläufig so und es gehört zu den Binsenwahrheiten, dass in den Vorurteilen immer auch ein Körnchen Wahrheit steckt. Man kann es deshalb Luidmila Tsvetkova als Moskauer Matrone nicht verübeln, wenn sie den Wodka aus dem Schrank holt und Miguel de Lira, der galizische Sargento, seine Pflicht auf Morgen (mañana) verschiebt. Die beiden sind komödiantische Höhepunkte während den vier Episoden, von denen nur die Berliner Geschichte stark abfällt in Sachen Spass für den Zuschauer.

One Day in Europe ist ein zweideutiger Titel, der einerseits den einen Tag meint, an dem der Film spielt, aber auch das utopische "Eines Tages...". Die Vereinigten Staaten von Europa werden vielleicht schon bald Wirklichkeit und alle werden "peu a peu" European Englisch sprechen, wenn sie sich nach der "Siesta" mit "merhaba" begrüssen und mit "ciao" verabschieden. Solche eine Welt schwebt dem deutschen Regisseur vor. Darin werden dann wohl auch Italien und England als weitere Länder mit grosser Fussballleidenschaft ihren Platz finden. Erstmal heisst es aber "spacibo" für einen lustigen deutschen Film.

5.0 Sterne
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12.03.2005 / rm