Nine Lives (2005)

Nine Lives (2005)

Oder: Katzenjammer

Nine Lives

Sandra

Neun kurze Episoden aus neun Leben: Sandra (Elpida Carrillo) sitzt schon wieder im Gefängnis. Einmal im Monat darf ihre kleine Tochter sie besuchen, doch die Gegensprechanlage im Besucherraum funktioniert nicht. Diana (Robin Wright Penn) trifft hochschwanger im Supermarkt auf ihre alte, zum Glück längst vergessene Liebe. Was sagt man sich da? Holly (Lisa Gay Hamilton) hingegen hofft, dass ihr Stiefvater sich endlich für das ihr angetanes Leid entschuldigt. Samantha (Amada Seyfreid) steht mitten in der zerbröckelnden Ehe ihrer Eltern und versucht wo möglich zu vermitteln.

Nine Lives

Maggie

Auch bei Sonia läufts in der Beziehung zu ihrem Freund nicht toll - während eines Besuchs bei Freunden verraten sie intimste Geheimnisse des anderen. Lorna (Amy Brenneman) muss an der Beerdigung der Frau ihres Ex-Mannes erfahren, dass sie mitunter einer der Gründe für den Selbstmord war. Ruth (Sissy Spacek) hingegen setzt in einem Motel-Zimmer ihre Ehe aufs Spiel. Für Camille (Kathy Baker) ist der Ehemann gerade jetzt eine Stütze - sie hat Brustkrebs. Maggie (Glenn Close) hingegen zieht ihre Tochter (Dakota Fanning) alleine auf, und besucht mit ihr einmal im Jahr das Grab ihres Vaters.


Kinofilm-Rating

Regisseur Rodrigo Garcia hat wohl alle seine Beziehungen walten lassen, um das Staraufgebot für seinen etwas anderen Film zu kriegen. Denn Nine Lives ist keine Hollywood-Massenwahre, sondern verlangt vom Zuschauer einiges ab. Die kleinen Episoden der einzelnen Frauen dauern zwischen 10 und 14 Minuten und sind eigentlich unabhängig voneinander. Eigentlich - denn immer mal wieder berührt die eine Geschichte eine der anderen. So erleben wir beispielsweise bei der Episode "Ruth", wie "Sandra" aus der ersten Episode von der Polizei verhaftet wird.

Doch wer bei dem Beschrieb nun eine vielschichtige, ineinander verflechtete Geschichte erwartet, sei gewarnt: die einzelnen Erzählungen sind in sich abgeschlossen, wenn ein Charakter erneut auftaucht, so lernt man nicht direkt neue Sachen über ihn. Wie und warum die Menschen einander kennen, überlässt der Regisseur der Fantasie der Zuschauer.

In jeder kleinen Geschichte wird derjenige Moment gezeigt, in dem sich die Frauen an einem kleinen (und manchmal grösseren) Wendepunkt ihres Lebens befinden. Samantha, die zwischen ihren Eltern steht, ist zerrissen zwischen der Liebe zu Mutter und Vater, sollte allerdings langsam flügge werden und das Nest verlassen. Camille merkt kurz vor ihrer Brustoperation, dass ihr die Kontrolle über den Körper entgleitet...

Was mir erst gar nicht bewusst wird, hat Garcia dann an der Pressekonferenz verraten: Alle Szenen sind in einem Shot, also ohne Schnitte gedreht. Pro Sequenz wurde zwei Tage benötigt. Am ersten Tag haben sich die SchauspielerInnen kennengelernt und ihre Rolle geübt, am zweiten Tag wurde die Episode in wenigen Versuchen abgedreht. Für den Amerikaner war es sehr schwer, ein Budget zu kriegen. So sind nun alle am Film beteiligten auch am Erfolg beteiligt, haben dafür aber grösstenteils auf ihre normalen Gagen verzichtet.

Nach dem Film bleibt eine gewisse Zufriedenheit: Vielleicht, weil man(n) noch nie in so kurzer Zeit mit so vielen Frauen ein Date hatte. Vielleicht doch eher, weil Nine Lives einmal mehr zeigt, dass auf eine actio immer eine reactio folgt und sich so täglich die Begebenheiten ändern können. Oder vielleicht einfach nur, weil ein sehr anstrengender und fordernder Film zu Ende ging.

Der Film hat 2005 den Goldenen Leoparden der 58. Filmfestspiele in Locarno gewonnen. Zugleich wurden die neun Hauptdarstellerinnen im Kollektiv mit dem Leoparden für die Beste Schauspielerin geehrt.

4.8 Sterne
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12.08.2005 / th