The New World (2005)
The New World (2005)

James Horners Output für das Jahr 2005 ist beachtlich: nach dem Thriller Flightplan und dem amerikanischen Vorstadt-Drogen-Drama The Chumscrubber liess er zu Zorros Peitschenknall in The Legend of Zorro die Kastagnetten um die Wette schrummen und zu guter letzt unterlegte er dem Epos von Terrence Malick, The New World, einen ruhigen Klangteppich. Da die Musik auf der CD nicht so präsentiert wird wie im Film, sind die einzelnen Stücke wie Suiten aufgebaut. So gibt es auch keine radikalen Tempi- und Stimmungswechsel während den mehrheitlich langen Stücken. Eine Stärke des Komponisten besteht darin, dass er immer wieder in seinen Kompositionen über längere Zeit hinweg auf einen dramatischen Höhepunkt hin arbeitet. Im Stück "All is Lost" beginnt er nach einer vollorchestralen Versionen des Hauptthemas mit einer leisen, sich immer wiederholenden, Klavierfigur (ab 3:25) bestehend aus 4 Tönen. Auf dieser Figur baut er stetig auf und dramatisiert sie, indem er additiv neue Streicherphrasen darüber legt (ab 3:56) und diese (ab 5:19) in einer schönen Wiederholung des Hauptthemas zur vollorchestralen "Blüte" bringt. Definitiv ein Highlight des Albums! In "A Dark Cloud is Forever Lifted" präsentiert er nochmals die Leitthemen und lässt den Score schön "ausplätschern". Etwas schade, aber bei James Horner nicht überraschend, ist, dass er dabei ein fast Eins-zu-Eins-Zitat des Themas aus The Missing macht. So lange es wirkungsvoll ist...! Das Album schliesst mit einer gesungenen Version des Leitthemas bei Neuseeländerin Hayley Westenra. Schön anzuhören und definitiv besser als zum Beispiel "Remember me" von Troy.
Mit The New World begibt sich James Horner auf vertrautes Terrain. So hat er schon in Legends of the Fall und Braveheart eine tragische Liebesgeschichte vor sehr schöner Naturkulisse gekonnt musikalisch umgesetzt. Seine Musik kommt, wie der Film selbst, sehr ruhig und grösstenteils verträumt (ja fast schon meditativ) daher. Dominiert wird seine Komposition von ruhigen Streicherpassagen und Klaviersolis. Die Ruhe wird nur ein einziges Mal gebrochen: im Stück "Winter/Battle" vermischt er bekanntes aus Braveheart mit ungewohnt dominierendem Synth-Material. Die Liebesbeziehung zwischen Pocahontas und Smith untermalt er dieses Mal nicht mit einem vollorchestralen Thema, sondern mit einem sehr melancholischen, mehrheitlich auf Klavier gespielten, Musikstück. Das Pendant dazu ist das Stück "Rolf Porposes", das klangtechnisch sehr ähnlich daher kommt (es handelt sich zu Beginn des Filmes ja auch um eine Dreiecksbeziehung).
Die Zusammenarbeit mit Terrence Malick soll nicht ganz leicht gewesen sein (dies liest sich aus dem kurzen Booklet-Begleittext von James Horner, aber auch aus den Scoring-Session-Berichten von Horners Langzeitarbeitskollegen Tony Hinnigan auf dessen Webpage). So wollte Malick angeblich keine Themen im Film haben und auch die Tatsache, dass am Film immer wieder Schnittänderungen vorgenommen wurden, zwangen Horner dazu, seine Kompositionen immer wieder zu überarbeiten. Dass ein Grossteil seiner Musik zu guter Letzt auch noch von Wagners "Das Rheingold" und Mozarts "Piano Concerto No.23" ersetzt wurde, muss dann das Tüpfelchen aufs i gewesen sein. So kommt es, dass wir mit der vorliegenden CD weit mehr Material geboten bekommen als im Film schlussendlich zu hören ist!
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