NVA - Nationale Volksarmee (2005)

NVA - Nationale Volksarmee (2005)

Oder: Achtung, fertig, Trabi!

NVA - Nationale Volksarmee

Für 18 Monate getrennt: Die Mädchen...

Wir befinden uns Ende der 80er Jahre vor der "Fidel Castro Kaserne" irgendwo in der DDR. Zur Melodie von "Bad Moon Rising" von CCR singt ein Lastwagen voller junger Männer: "Abschied von Sex und geilen Weibern, Abschied von Schnaps und LSD. Abschied von allem, was wir lieben. Scheisse - wir müssen zur Armee!" Die Jungs stehen kurz vor den härtesten 18 Monaten ihres Lebens. Grundausbildung bei der Nationalen Volksarmee heisst auf der Kampfbahn robben, Gasmasken testen und vor allem - perfekt ausdruckslos gucken zu können.

NVA - Nationale Volksarmee

...von den Jungs

Mit dabei im Pulk: Henrik (Kim Frank), das romantische Milchbubi, das seiner Eva täglich Briefe schreibt, und sich ganz doll auf den Besuchstag freut, wo dann trotzdem nur die Mama auftaucht. Anders der langhaarige Krüger (Oliver Bröcker): Der hat mit seiner Freundin gleich Schluss gemacht, wegen der Distanz und so, und gibt als erstes eine Kontaktanzeige auf, um Hundert andere Frauen kennen zu lernen. Das ungleiche Paar wird vom Kader zwangsbefreundet und sorgt im Folgenden nicht nur beim Handgranaten zählenden Sprengmeister für Aufregung.


Kinofilm-Rating

NVA - drei Buchstaben, die den Konfliktforschern dieser Erde die kalte Schauer den Rücken runterjagen wie die Aufforderung Achtung, fertig, Charlie! bei Cineasten. NVA steht für Nationale Volksarmee, dem offiziellen Namen der Streitkräfte der Deutschen Demokratischen Republik. Gemäss Wikipedia galt die NVA bezüglich der Ausbildung und Ausrüstung als eine der stärksten Armeen des Warschauer Paktes. Sonnenallee-Filmer Leander Hausmann macht sie in seiner ostalgischen Militärklamotte zur "unattraktivsten Armee aller Zeiten".

Zumindest für die Helme, welche die DDR-Soldaten zu tragen hatten, lässt sich das ohne weiteres bestätigen. Ansonsten gibt's Armeealltag wie gehabt in jedem anderen Genrebeitrag: Sehnsucht nach der Liebsten, Schikanen auf der Kampfbahn, Saufen bis zum Kotzen, Sex mit der Tochter vom Oberst. Das alles bot auch Charlie, wobei der auch schon nicht sonderlich originell war. In der DDR-Version sind die Schwachköpfe im Kader aber auch politisch geblendet. Im wöchentlichen Politunterricht wird die westliche Populärmusik verteufelt und die Weihnachtsfeier durch ewig dauernde Brandreden zerödet. Wer ein Individuum sein möchte, wird nicht nur einfach "individuell behandelt", sondern gilt gleich als "Rostfleck am eisernen Schwert des Sozialismus". So bezeichnet Detlef Buck als Oberst Kalt, der aussieht "als hätte er Krebs" (Zitat Buck), den einzigen Sympathieträger im Film: den Kravallmacher Krüger. Wie Jack Nicholson in One flew over the Cuckoo's Nest wehrt sich Oliver Böcker in seiner Rolle gegen Drill und fiese Entlassungskandidaten (EKs). EKs stehen im letzten DHJ (Diensthalbjahr) und sind nach 13 Monaten Soldatenleben komplett durchgedreht. Sie schikanieren nur noch die "Sprutze" und zählen die restlichen 150 Dienstage auf ihren farblich gestalteten Scheidermassbändern. Da hat der Film seine absurdesten und witzigsten Szenen. Unverständlicherweise wird Krüger aber in der Mitte des Films in die berüchtigte Strafeinheit Schwedt versetzt. Der Hauptfigur beraubt, bleibt man zurück mit Henrik alias Kim Frank und seinen lieblichen Krankenschwestern. Mit dem Softie können aber nur junge Frauen was anfangen, die vor sechs Jahren noch Bravo-Poster des damaligen Frontbubs der Band "Echt" an die Wand klebten und sich nun über ein Wiedersehen freuen. Ab da plätschert der Film nur noch dahin, bis die Mauer fällt, und somit auch die NVA überflüssig wird.

NVA bietet sicher keine neuen Impulse im Genre des Rekrutenfilms. Vor dem Hintergrund der DDR kann der geschichtsinteressierte Schweizer Zuschauer aber doch etwas über die Skurrilitäten und Gepflogenheiten der anderen deutschen Armee neben der Bundeswehr lernen. Das war wohl aber nicht die Intention des Regisseurs. In Deutschland musste der Film bei den Kritikern bös unten durch, weil er halt wirklich nur streckenweise lustig ist - aber dann dafür richtig lustig! Ob man sich über eine Streitmacht in einem totalitären Regime überhaupt lustig machen darf, steht sowieso auf einem anderen Blatt. Wenigstens kann für diese Armee zum heutigen Zeitpunkt keine Propaganda mehr gemacht werden.

3.6 Sterne
3.6 Sterne (13 Bewertungen) | 1 Kommentar

3.53.5
16.10.2005 / rm