Munich (2005)
München
Munich (2005) München

Das Jahr 2005 war für Altmeister John Williams äusserst geschäftig. Nachdem er sich dem Intergalaktischen, mit Star Wars Episode 3: Revenge of the Sith, und dem Extraterestrischen, mit War of the Worlds, annahm, machte er eine musikalische Reise nach Japan, wo er, mit Starpower, einer Geisha, auch musikalisch, Flügel verlieh (Memoirs of a Geisha). Seine Reise endete für 2005 im München von 1972, wo er Spielbergs Munich dramatischen Tiefgang verpasste. Dass ihm diese musikalische Welt(all)reise auch noch zwei Oscar-Nominierungen einbrachte (für letztere) erstaunt umso mehr!
Es dauerte natürlich nicht lange, bis die Musik aus der neuesten Spielberg/Williams-Kollaboration mit derjenigen von Schindlers List (1993) verglichen wurde. Der Vergleich ist nicht ganz abwegig, handelt es sich doch bei beiden filmischen Darstellungen um reale historische Ereignisse und um universelle Themen wie Unterdrückung, (In-)Toleranz, Akzeptanz, religiöse Konflikte und Missverständnisse sowie (eine gewisse) Machtlosigkeit und kulturell unterschiedliche Wertvorstellungen. Jedoch kommt bei Munich noch ein entscheidender Aspekt hinzu: die dramatischen (ja unfassbaren) Geschehnisse werden nicht wie bei Schindlers List primär durch Trauer verarbeitet, sondern durch Ausübung von Rache. Und dieser Aspekt unterscheidet die beiden Filme, wie auch die Kompositionen eben doch (entscheidend) voneinander.
Die Musik zu Munich setzt sich aus drei musikalischen Hauptideen zusammen: am prominentesten vertreten natürlich das (1)Thema für Avner, welches durch den ganzen Score hindurch immer wieder ertönt und dabei unzählige schöne Variationen erfährt. Besonders erwähnenswert dabei die Gitarrensolovariation in "Avner's Theme" und die Klaviersolovariation in "End Credits". Ein zweites sehr starkes Element stellt die herzzerreissende "Attentatbeklagungs-Melodie" dar, welche sehr eindrücklich gesungen wird von Lisbeth Scott ("Munich, 1972" und tief bewegend in "Remembering Munich"). Diese Melodie verleiht dem Score auch seine fernöstliche Note. Das dritte Element ist die Suspense-Musik, welche all die vielen Action- und Spannungsmomente im Film untermalt. Sie kommt eher ruhig und pochend daher und wird dominiert von tiefem Klaviergebrummel und, in diesem Fall, für Williams aussergewöhnlich stark präsenten Synth-Klängen. Mit "Hatikvah (The Hope)" gibt John Williams eine sehr schöne Eigeninterpretation der israelischen Nationalhymne.
Fazit: mit Munich hat John Williams zweifelsohne eine erstklassige, dramatische und sehr schöne Komposition abgeliefert, doch muss sie sich meiner Meinung nach eindeutig hinter Schindlers List einordnen. Grund dafür ist für mich, dass der melodiöse Fluss, welcher in Schindlers List so ungebrochen war, hier halt doch zu oft von dissonanten, teilweise zu langen Spannungsmomenten unterbrochen wird, welche nicht immer überzeugen und fesseln können (jedoch im Zusammenhang der Bilder eben doch einen starken Effekt haben). Nichts desto Trotz bleibt Munich in seinen feinsten Momenten, wie "A Prayer for Peace", ein starkes und beeindruckendes Werk!
Sountrack-Infos
Komponisten Release | Tracks
|

