La Marche de l'Empereur (2005)
Die Reise der Pinguine
La Marche de l'Empereur (2005) Die Reise der Pinguine
Oder: eisiges Kaiserreich
Alljährlich im März, wenn der antarktische Sommer zu Ende ist und der Herbst Einzug hält, verlassen Tausende von Kaiserpinguinen das Wasser und gehen an Land. Elegant schnellen sie aus dem Meer, um im ewigen Schnee und Eis der Antarktis zu landen, die Leiber rund und schwer, die Bäuche gefüllt mit Krill und Fisch. Die dicke Fettschicht, die sich die Tiere während dem kurzen Sommer angefuttert haben, werden sie dringend brauchen: Den Pinguinen steht eine lange und beschwerliche Fastenzeit bevor.
In den kommenden Monaten werden die Kaiserpinguine ihre Hunderte von Kilometern im unwirtlichen Landesinnern gelegenen Brutplätze aufsuchen, einen passenden Partner wählen und gemeinsam den Nachwuchs aufziehen. Das ist leicht gesagt.
Aber schwer getan: Um erfolgreich ein Ei auszubrüten und ein Junges grosszuziehen, müssen sich die Eltern bei der Brutpflege und Futtersuche abwechseln. Das bedeutet: Fastenzeiten von bis zu vier Monaten, tagelange Märsche durch die weisse Einöde der Antarktis um ans Meer und wieder zurück zur Kolonie zu gelangen, schier endlose Nächte ohne Tageslicht sowie beissende Winde, heftige Winterstürme und Temperaturen von bis zu minus achtzig (!) Grad Celsius.
Wenn die Kücken im Januar schliesslich flügge werden, bleiben die monatelangen Strapazen vieler Elterntiere unbelohnt: Nur gerade jedes zweite, manchmal sogar nur jedes fünfte Jungtier überlebt die ersten Lebenswochen. Jene, die es geschafft haben, trennen sich schliesslich von den Eltern und verschwinden im Meer. Erst im Alter von drei bis vier Jahren werden sie wieder zurückkehren. Dann werden auch sie im März an Land gehen - und La Marche de l'Empereur, die Reise des Kaisers, antreten...
Kinofilm-Rating
Mit La Marche de l'Empereur haben Regisseur Luc Jacquet und sein Team einen Dokumentarfilm geschaffen, der sich nahtlos in die Reihe von Werken wie Deep Blue oder Genesis einreiht: ein bildgewaltiges Leinwanderlebnis, das insbesondere durch seine visuelle Ästhetik beeindruckt und fesselt. Jacquets Film hat dabei nicht nur wunderschöne Landschaftsaufnahmen der Antarktis zu bieten, sondern profitiert auch davon, dass der Pinguin gleichzeitig ein sowohl elegantes wie auch drolliges Tier ist - ein echter Sympathieträger.
Die Voraussetzungen für einen unterhaltenden Dokumentarfilm sind also bereits rein optisch gegeben. Im Gegensatz zum stark auf das Visuelle fokussierten Deep Blue erzählt La Marche de l'Empereur aber auch eine zusammenhängende Geschichte und webt zahlreiche Informationen in die Erzählung ein. Die Story der Kaiserpinguine ist dabei so schön und beeindruckend wie auch berührend und manchmal traurig.
Getragen wird die Erzählung nicht nur durch die Stimme des Sprechers (in der englischen Version sympathisch gesprochen von Morgan Freeman), sondern in grossem Masse auch durch die einfühlsame Musik von Emilie Simon - und durch den Mut zu Pausen, in denen weder der Erzähler noch die Musik zu hören sind, sondern nur die Pinguine selber. Die (nach menschlicher Interpretation) klagenden Laute einer Pinguin-Mutter, welche vor ihrem toten Jungtier steht, sind so traurig und intensiv, wie es wohl keine Musik der Welt hätte imitieren können.
Ausgezeichnet ist auch die Kamerführung. Beeindruckend sind dabei besonders jene Aufnahmen, die einzelne, miteinander interagierende Tiere in den Fokus nehmen: Das frisch vereinte Pinguinpaar beim gegenseitigen Kennenlernen; die schwierige Ei-Übergabe vom Weibchen zum Männchen; der erste Kontakt des frischgeschlüpften Kückens mit seinem Vater. Die Szenen sind enorm berührend, manchmal geradezu intim.
La Marche de l'Empereur ist ein wunderbarer und berührender Naturfilm über die Kaiserpinguine und ihren aussergewöhnlichen Lebensort, dabei weder beschönigend, noch belehrend. Tierfreunden, aber auch beispielsweise Bildgourmets, sei er deshalb wärmstens empfohlen. Für jene, die nach dem Kinobesuch gerne mehr zum Thema Kaiserpinguine und Antarktis erfahren möchten, lohnt sich zudem ein Klick auf die sehr informative offizielle Website.
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