Lord of War (2005)
Händler des Totes
Lord of War (2005) Händler des Totes
Oder: Where there's a will, there's a weapon!
Der Handel mit Waffen: ein dreckiges Geschäft und immer knapp am Rande der Legalität die allerletzten Gesetzesschlupflöcher ausnützend. Yuri Orlovs (Nicolas Cage) Lieblingsfarbe ist denn auch grau...! Sohn von ukrainischen Auswanderern findet er nach bescheidenen Anfängen Gefallen am lukrativen Geschäft mit Klein- und Leichtwaffen. Man lernt ja schliesslich die verschiedensten Kulturen und Länder kennen. Mit seinem Bruder Vitali (Jared Leto) steigt er immer dicker ins Geschäft ein.
Als der eiserne Vorhang fällt, eröffnet sich dem gewiften "Geschäftsmann" ein ganz neues Umfeld. Und dass sein Onkel erst noch General eines Waffenlagers ist, vereinfacht die ganze Sache merklich. Nebst dem berühmten AK-47 stehen nun auch Helikopter und Panzer im Verkausfkatalog. Interpol ist im längst auf der Spur, doch Vitali lässt sich davon wenig beeindrucken. Auch seine schöne Frau, eine ehemalige Miss America, Ava (Bridget MoynahanCage), wird langsam misstrauisch ob den Transportgeschäften ihres Mannes. Vitali will sich schliesslich zur Ruhe setzen, doch seine Kunden bleiben ihm nur allzu gerne treu.
Kinofilm-Rating
Lord of War schien den amerikanischen Investoren zu heiss und zu strittig, drum wurde jegliche Art der finanziellen Unterstützung aus dem Land des grössten Waffenlieferanten der Welt verweigert. So mussten die Macher des Films in Europa auf die Suche nach Geld und wurden fündig. Zwar ist der Film mit Hollywoodgrössen wie Nicholas Cage besetzt, ist aber eigentlich eine europäische Produktion. Und wer schon immer mal einen bitterbösen Blick hinter die Kulissen der Waffenschieberei werfen wollte, der ist bei Lord of War am richtigen Ort. Auch die Tatsache, dass die gefilmten Waffen, Panzer und Raketen von echten Schiebern zur Verfügung gestellt wurden, sagt vieles über die Machart des Filmes aus. Nicht selten mussten die Macher ihre Szenen schnell im Kasten haben, weil die Fahrzeuge weiter verschifft wurden. Ob und wie viele echte "Warlords" in diesem Film mitspielen, wird sich wohl nie klären. Vorstellen kann man sichs ohne weiteres.
Der Film hat nicht nur ein sehr cooles Filmposter, sondern beginnt mit dem eindrücklichsten Vorspann seit langem. Der Weg einer Patrone vom Fliessband bis in den Kopf eines Guerillakriegers. Schon alleine diese Szene ist fast das Eintrittsgeld wert und legt die Messlatte für die restlichen knapp 120 Minuten fest. Was nun folgt ist einerseits so zynisch böse, dass es extrem lustig ist, andererseits aber auch immens tragisch, wenn man den Hauptcharakter mit sich selber kämpfen sieht. Das Geld, der Reichtum und die Gefahr auf der einen, die Familie, das Hinterfragen der Taten und der Schmerz auf der anderen Seite. Im Grossen und Ganzen halten sich bitterböse und deswegen zum lachen perfekte Szenen und die ruhigen, ernsthafteren Momente in etwa die Waage.
Nicholas Cage braucht man nicht vorzustellen. Er ist ein Schauspieler, der es immer wieder schafft, sein Stammpublikum mit Filmen zu überraschen, die man ihm nicht zugetraut hätte. Einst war es der Einstieg ins Actionbusiness mit The Rock oder Con Air, dann die Entwicklung zum "ernsthaften" Schauspieler und nun Rollen wie diese des "Yuri". Demnächst kann man den Mann mit dem hohen Haaransatz übrigens in Ghost Rider sehen, wo er erstmals eine Comicfigur verkörpert. In Lord of War ist der Aufstieg seines Charakters vom ukrainischen Niemand zum vermeintlich mächtigsten Mann der Welt schön aufgezeichnet. Und auch wenn er sich schlussendlich mit den brutalen und knallharten Methoden dieses Geschäfts auseinandersetzen muss, so lässt er den Sinn für das Materielle nie aus den Augen.
Neben Nicholas Cage, der den Film nach Belieben beherrscht und mit Off-Kommentaren immer wieder herrliche Worte einfliessen lässt, kommen die anderen Charaktere leider nur recht oberflächlich zum Zug. Jared Leto als Bruder, der dem Druck nicht gewachsen ist, hat zwar nette Auftritte, wird aber zunehmend unwichtiger, weil langweiliger. Auch Ehefrau Bridget Moynahan kommt nicht so recht vorwärts in ihrer Charakterentwicklung. Einzig Yuris Gegenspieler Ethan Hawke kann man einigermassen ernst nehmen und als Bedrohung für unseren Lieblingswaffendealer anschauen. Aber auch er muss akzeptieren, dass die gute Welt heute nicht mehr existiert. Und das auf recht deutliche Weise. Selten sind leider die Auftritte von "Bilbo Baggins" Ian Holm, der sich als Hauptkonkurrent noch besser hätte einbringen können, aber eine leider fast minime Leinwandpräsenz bekam.
Fazit: Lord of War ist bitterböse und (deswegen?) enorm unterhaltend. Zwar mag der Film nicht über ein paar Längen hinwegtäuschen, diese sind jedoch spätestens dann wieder vergessen, wenn die Hauptfigur in den nächsten Schlammassel schlittert und sich mit hanebüchenen Ausreden und Finten vor seine Waffenlieferung stellen muss. Es macht schon Spass, dem Ganzen zu folgen. Gleichzeitig schüttelt man auch immer wieder den Kopf, wenn man bedenkt, dass es sich hier keinesfalls um einen Science-Fiction-Film handelt, sondern die brutale und ernüchternde Realität dargestellt wird. So heisst es.
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