Kisna - The Warrior Poet (2005)

Kisna - The Warrior Poet (2005)

Oder: Eine Gora in Indien

Lady Katherine, eine ehemalige britische Ministerin besucht Indien. Sie verweigert sich der Presse und den Vertretern der Regierung. Sie hat nur einen Wunsch: nach Devprayag, wo Alakananda und Bhagirathi zum Ganges zusammenfliessen, gebracht zu werden. Dort erzählt sie einer Journalistin ihre Geschichte, die dort 1935, als sie noch eine kleines Mädchen war, ihren Anfang nahm.

Kisna - The Warrior Poet

Jesus lebt!

Zur Zeit der britischen Besatzung freundete sich Katherine mit dem Sklavenjungen Kisna an. Ihr Vater, der britische Deputy Commissioner, betrachtete die Inder jedoch als minderwertig und schickte seine Tochter zurück in die Heimat, weil er deren Freundschaft nicht billigte. Kurz vor der Unabhängigkeit Indiens 1947 kommt Katherine als junge Frau zurück. Gerade rechtzeitig zu Kisnas Verlobung mit Laxmi. Das Verhalten ihres Vaters gegenüber den Einheimischen hat sich aber nicht verbessert. Ein nationalistischer Mob bringt ihn deshalb um. Kisna rettet Katherine vor dem Mob und will sie auf Geheiss seiner Mutter nach Delhi in Sicherheit bringen. Sein Bruder Shankar und sein Onkel, die Anführer des Mobs, sind ihm auf den Fersen. Auch seine Verlobte will ihn wieder in seiner Nähe haben. Werden sich Katherine und Kisna nach Delhi durchschlagen können?


Kinofilm-Rating

Der Film Kisna wird in zwei Schnittfassungen vertrieben: Die üblichen drei Stunden Dauer für den Subkontinent und eine verkürzte Fassung für den westlichen Markt. Diese Doppelspurigkeit merkt man dem Film an. Am offensichtlichsten bei der weiblichen Hauptrolle, die von der weissen Britin Antonia Bernath in ihrer ersten Rolle übernommen wird. Weniger gewollt ist wahrscheinlich die Ähnlichkeit des Kisna-Darstellers Vivek Oberoi mit Jesus Christus. Auch wenn dessen Weltreligion Thema ist, und Teile des Films in einer Kirche spielen, wo dann auch Englisch gesungen wird. Dem westlich geschulten Auge werden auch Schwertkämpfe und eine Kutschenverfolgungsjagd angeboten. Solche "Action" kennt man sonst weniger aus Bollywood. Und bestimmt würde nicht allzu sehr auf das heilige Bad der Liebespaare im Ganges und die Ähnlichkeit der Beziehung mit den Gottheiten Krishna und Radha hingewiesen werden, wenn der Film nur von Indern geguckt würde. Man kann als Westler also ein bisschen was lernen beim Kisna schauen.

Weit entfernt von westlichen Standards sind aber die Bösewichte. Prinz Raghuraj ist ein pomadiger Geck, der Onkel ein zotteliger Halbwilder mit Glasauge, der Commissioner ein stockenglischer Laiendarsteller. Die abwechslungsreichen Landschaften, die der Film schön einfängt (Wüste, Hochgebirge, Regenwald) sind fast zu Schade für das lächerliche Böse im Film. Leider sind auch die Songs nicht allzu mitreissend. Der in englischer Sprache am wenigsten. Dieser ist vor allem ein Beispiel dafür, dass wohl jedes Bollywood-Musical ohne den typischen Singsang zur Dion'schen Kitschoperette verkommen würde. Die umklammernde Rahmenhandlung mit der alten Katherine, die im Hauptplot von ihrer Liebe in der Retrospektive erzählt, erinnert zusätzlich an Titanic. Ein visuelles Highlight hingegen ist Song sechs. In einem blau-weissen Palast mit sitzender Choreographie und die Backgroundtänzerinnen in silbrig-weissen Kostümen hat Miss Universe 94 Sushmita Sen ihren Gastauftritt, um den der Film ein kleines Geheimnis macht. Die restlichen Tanzeinlagen werden von Isha Shravani bestritten. Sie ist wie Antonia Bernath eine Newcomerin. Ihre Seilakrobatik passt aber besser in den Zirkus als in einen solchen Film. Diese Szenen müssten in der westlichen Fassung bestimmt der Schere zum Opfer fallen. Sogar die Inder in meiner Vorstellung fanden sie nur zum Lachen. Ansonsten bietet Kisna aber global gleich wichtige Themen wie Bruderliebe, Nation Building und Verpflichtungen in der Ehe und der Familie. Er hat deshalb sicher auch in den westlichen Märkten eine Chance. Nur Knutschen sieht man das Liebespaar auch hier nie - trotz alle Zweigleisigkeit bei der Vermarktung.

Kisna läuft noch bis zum 4. Februar an verschiedene Tagen unter der Woche immer um 18:15 im Hörsaal F1 der ETH Zürich. Zusätzliche Vorstellungen am Wochenende gibt es jeweils um ca. 11 Uhr morgens am 29. Januar in Luzern, am 30. Januar in Basel, am 5. Februar in Bern und am 6. Februar im RiffRaff in Zürich. Genauere Infos über die Kinos und die Spielzeiten gibt es unter www.cinedrome.ch.

4.6 Sterne
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24.01.2005 / rm