Kingdom of Heaven (2005)

Königreich der Himmel

Kingdom of Heaven (2005) Königreich der Himmel

Oder: Ein Elb geht nach Jerusalem

Kingdom of Heaven

Nach getaner Arbeit...

Wir befinden uns am Ende des 12. Jahrhunderts. Christen versuchen ihren Glauben zu verbreiten, Moslems machen das selbe. Es ist die Zeit der Kreuzzüge und Jerusalem ist die heilige Stadt. Dort, unter der weisen Regentschaft des Königs, leben verschiedene Religionen in der gleichen Stadt und der Frieden ist ein hart erkämpftes, aber scheinbar nur kurzes, Glück.

Zu dieser Zeit lebt irgendwo in der französischen Provinz der Schmied Balian (Orlando Bloom), dessen Sohn tot geboren wurde und dessen Frau sich aus diesem Grund selber umgebracht hat. Er ist auf der Suche nach Vergebung und will wissen, ob Gott ihn vergessen hat oder nicht. Eines Tages bekommt der Schmied Besuch von einem Lord. Godrey (Liam Neeson) taucht auf, teilt ihm mit, dass er sein Vater ist und will mit ihm ins heilige Land nach Jerusalem ziehen. Dort, wo die Sünden vergeben werden. Dort, wo Christus zuhause war. Nach einigem hin und her kann sich der Schmied überwinden und folgt seinem Vater, der kurz darauf in einem Kampf im Wald schwer verwundet wird. Kurz vor seinem Tod, schlägt er seinen Sohn zum Ritter und trägt ihm auf, in Jerusalem dem König zu dienen.

Kingdom of Heaven

Immer muss ich auf Gimli warten

Die Reise geht weiter und nach einem Schiffsunglück wird Balian als einziger Überlebender seines Bootes an Land gespült. Nach einer ersten, blutigen Begegnung mit einem Moslem, macht Balian die Bekanntschaft von Jerusalems Stadthalter und Freund seines Vaters, Tiberias (Jeremy Irons). Dieser ist bemüht, den Frieden mit dem Moslemführer Saladin (Ghassan Massoud) zu halten. Denn dieser ist der militärischen Armee des Königs zahlenmässig weit überlegen. Ebenso macht Balian die Bekanntschaft von Guy de Lusignan (Marton Csokas), einem kriegstreiberischen Franzosen, der alle Moslems ausgelöscht sehen will. Seine Frau, Sibylla (Eva Green) verdreht unserem Schmied mächtig den Kopf, was natürlich nichts gutes verheissen kann.

Als der König, der seit längerem erkrankt ist und sich nur noch mit Maske und Handschuh zeigt (und von dem man sagt, er werde von Edward Norton dargestellt), stirbt, wird ausgerechnet der verhasste Guy de Lusignan zum neuen König gekrönt. Natürlich, weil er mit der Schwester des Königs verheiratet ist. Was nun folgt, war abzusehen. Der Franzose sammelt seine Armee von Kreuzrittern und Templern und zieht gegen Saladin in die Schlacht, welche er vernichtend verliert. Balian, der sich der Kriegsmeute nicht angeschlossen hat, hat nun noch eine Aufgabe: Die Verteidigung von Jerusalem gegen die sich nähernde Menge von 200'000 moslemischen Kriegern, die sich ihr heiliges Land zurückholen wollen.


Kinofilm-Rating

Ridley Scott hat schon manch guten Film geliefert. Die einen sind Oscar-gekrönt (Gladiator), die anderen zu Klassikern geworden (Alien). Nun wandelt er nochmals auf den Spuren seines Erfolges und taucht ein in die Welt der Ritter, der Schwerter, der Rüstungen, der Burgen und vor allem der Schlachten. Denn wenn Kingdom of Heaven eine Sache zu bieten hat, dann sind es Schlachten und Gemetzel.

Die Geschichte des unbekannten Schmiedes, der sich zum "perfekten" Ritter mausert, mag nicht neu sein, wird hier aber lang und breit erzählt. Vor dem Hintergrund der Kreuzzüge werden wir Zeuge einer Entwicklung, die es in sich hat. Vom trauernden Mann zum strahlenden Helden. Oder doch nicht? Die Opfer sind gross, die Schlachten blutig. Wer schon bei ähnlichen Filmen begeistert zuschaut hat, wie sich die Leute gegenseitig verstümmeln und das Blut spritzt, der wird hier ebenfalls zufrieden sein. Wer allerdings noch eine spannende Geschichte erwartet, dem sei gesagt, dass Kingdom of Heaven es nicht schafft, diese über die ganze Filmdauer von über 2 Stunden zu bieten. Im Gegenteil. Nach einem interessanten Start, zieht sich der Film gnadenlos in die Länge und will und will und will einfach nicht zum Abschluss kommen. Alle Schlachten in Ehren und schöne Kulissen mal beiseite gelegt. Die eigentliche Geschichte, die uns hier aufgetischt wird, ist grottenlangweilig. Dabei war die Zeit, in welcher der Film spielt, doch so interessant. Die verschiedenen Religionen, die Missverständnisse, die Krankheiten, die Verschwörungen und die Heldentaten. Das alles wird höchstens gestreift, damit man dem Zuschauer die nächste Schlacht bieten kann und man dem hier nicht mal all zu schlecht agierenden Orlando Bloom beim schmachten zu gucken kann.

Überhaupt, die Rollen im Film sind mehrheitlich gelungen. Vor allem natürlich unser Lieblings-Elb, der vor allem bei dem weiblichen Zuschauern scheinbar Eindruck hinterlassen hat. "S'isch halt scho en Härzige", war von mehr als einer Seite zu hören. *tsts*, Frauen.... Für ihr Geschlecht hats hier definitiv genügend Auswahl an Figuren, denn die Weiblein im Film kommen gar nicht zur Geltung. Okay, da wäre die Prinzessin, welche den Vorrat an Kajal von ganz Jerusalem für sich beansprucht. Aber das wars dann auch schon. Die "grossen" Namen haben im Film leider nur kleinere Rollen. Liam Neeson gibt den väterlichen Ritter nett, aber irgendwie halt nicht mehr. Jeremy Irons darf ein paar Mal laut rufen und böse dreinblicken, hat aber im grossen und ganzen auch eher eine Nebenrolle.

Neben den bekannten Namen tauchen immer wieder Gesichter auf, die man doch auch schon mal gesehen hat. Beispielsweise Brendan Gleeson, der in Troy schon Rock trug. Oder David Thewlis, den man als Lehrer aus Harry Potter and the Prisoner of Azkaban noch kennen könnte. Auch Trekkies kommen auf ihre Kosten, wenn Dr. Bashir aus Deep Space Nine seine Auftritte als arabischer Krieger hat. Diese Entdeckungen haben mir eigentlich fast besser gefallen, als der Film selber....

Fazit: Kingdom of Heaven ist ein aufgeblasenes, oppulentes Stück Kino, welches durch seine Ausstattung, seine Landschaften, seine Aufnahmen und mit Abstrichen, seine Schauspieler zu überzeugen mag. Das Wichtigstes allerdings, die Geschichte an sich, geht hier völlig verloren und der Zuschauer wird auf eine harte Probe gestellt. Es gibt Szenen, die sind zum einschlafen langweilig und der ganze Film dauert locker über 2 Stunden. Gutes Sitzleder ist erforderlich. Ebenso wie eine gewisse Abhärtung gegenüber den blutigen Szenen, die man auch hin und wieder vorgesetzt bekommt. Wer sich für die Geschichten der damaligen Zeit interessiert, der wird allerdings merken, dass der Film sein Potenzial höchstens ankratzt und noch viel mehr und vor allem interessanteres möglich gewesen wäre. So ist er denn bei mir eher bei Alexander anzusiedeln, denn beim Gladiator.

4.0 Sterne
4.0 Sterne (156 Bewertungen) | 70 Kommentare

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04.05.2005 / muri