Keeping Mum (2005)

Mord im Pfarrhaus

Keeping Mum (2005) Mord im Pfarrhaus

Oder: Scary Poppins

Vor vierundreissig Jahren wurde eine wunderschöne Blondine für immer verwahrt, nachdem ein Kondukteur sie im Zug mit einem riesigen Koffer gefunden hat. Der Koffer alleine wäre kein Problem gewesen, wenn da nicht plötzlich Blut heraus getröpfelt wäre. Bei zweifachem Mord mit anschliessender Verstückelung kannten die Richter aber keine Gnade. Das makabre Reisegepäck wurde der jungen Frau so zum Verhängnis.

Keeping Mum

Verschlafen ist nicht nur das Nest, in dem er wohnt.

Davon weiss die vierköpfige Pfarrersfamilie Goodfellow nichts, als sie sich eine neue Haushälterin sucht. Der gutmütige und zerstreute Papi (Rowan Atkinson) predigt vor immer weniger Schäfchen. Die gelangweilte Mama (Kristin Scott Thomas) hatte schon lange keinen Sex mehr. Ganz im Gegensatz zu ihrer siebzehnjährigen Tochter (Tamsin Egerton), die jeden morgen mit einem anderen Kerl beim Zmorgen sitzt. Eine Affäre mit dem amerikanischen Golflehrer (Patrick Swayze) könnte da Entspannung bringen. Der Sohnemann hingegen wird in der Schule gehänselt.

In diese leicht chaotische Familie platzt plötzlich die alte Grace (Maggie Smith) und sorgt als neue gute Seele im Haus und darum herum für Ordnung. Dass der grosse Koffer, den sie dabei hat, genau so aussieht, wie der einer mörderischen Blondine, stört zuerst mal niemanden...


Kinofilm-Rating

Wer sich schon mal gefragt hat, was aus dem schussligen Pfarrer aus Four Weddings and a Funeral wurde, bekommt in Keeping Mum ein mögliche Antwort. Der von Rowan Atkinson verkörperte Stotterer, der gerne auch mal den heiligen Geist mit der heiligen Geiss verwechselte, hat geheiratet und sich in ein winziges Kaff namens Little Wallop verzogen. Besser ist seine Redefähigkeit deshalb nicht geworden. Er arbeitet immer noch an der perfekten Predigt. Dass die Ehefrau von Kristin Scott Thomas gespielt wird, ist ein weiterer Link zum britischen Komödienklassiker, der es in den 90er Jahren bis zur Oscarnomination schaffte und in Sphären spielte, welche die missglückte Komödie, um die es hier geht, nur von unten sehen wird

Die Fehler finden sich im schwachen Drehbuch, das den eigentlich guten Schauspielern nie gerecht werden kann. Spannend wird es nie, weil schon vor dem Vorspann die Vorgeschichte erzählt, und damit der Twist um die Nanny schon flöten gegangen ist, bevor man ihn zu suchen beginnt. Warum die Familie überhaupt ein Kindermädchen braucht, wo beide Kinder schon fast erwachsen sind, ist auch schleierhaft. Der sexuelle Frust der Mutter dient vor allem dazu, den Patrick Swayze mal wieder zu beschäftigen - und in Unterhosen zu zeigen, für die, welche Interesse dafür haben. Nackig macht sich auch die Tochter, die als frühreifes Nymphomanin eingeführt wird und gegen Ende trotzdem wieder mit süssen Igelchen auf dem Pijama-Oberteil durchs Haus huscht. Der Sohnemann ist im letzten Drittel wie vom Erdboden verschluckt.

Wer die Hauptfigur sein sollte, lässt sich nur vermuten. Das Poster zeigt Rowan Atkinson zuvorderst. Nun gut, "Mr. Bean" kennen die meisten auch. Ob aber wegen seines minutenlangen Dilettierens als Goalie schallendes Gelächter im Kinosaal ausbrechen wird, lässt sich bezweifeln. Da wurde Atkinson zwar eine Rolle auf den Leib geschrieben, die aber nicht so richtig in die eigentlich respektlose Story passen will. Richtig gut ist Kristin Scott Thomas, aber auch sie wird vom Drehbuch im Stich gelassen.

Ständig hüpft der Film von einem Genre zum nächsten. Was bitterböse sein möchte, wirkt viel zu brav. Keeping Mum ist ein gutes Anschauungsbeispiel für jene, die Beweise brauchen, dass der britische Humor auch wenn er schwarz sein will, nicht immer gut ist. Ein Álex de la Iglesia (Crimen Ferpecto) hätte aus diesem Stoff vielleicht noch was machen können.

3.6 Sterne
3.6 Sterne (45 Bewertungen) | 8 Kommentare

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21.03.2006 / rm