Joyeux Noël (2005)

Joyeux Noël (2005)

Oder: Besinnliche Soldatenfeier international

Joyeux Noël

Mit Hut klatscht frau gut

Dezember 1914, irgendwo im deutsch-französischen Grenzgebiet: Französische, schottische und deutsche Soldaten liegen in ihren Schützengräben, nur wenige Meter voneinander entfernt. Nichts geht mehr, weder die eine noch die andere Partei kann vorrücken und Land gewinnen - totale Blockade. Der Stellungskrieg und das kaltnasse Wetter haben die Soldaten zermürbt und ausgelaugt. Von der Euphorie der jungen Männer bei Kriegsausbruch ist nichts geblieben.

Joyeux Noël

Drei Männer im Schnee

In dieser grauen Tristesse bereitet man sich auf Weihnachten vor, versucht, in seinen Gräben ein bisschen Gemütlichkeit zu schaffen, um für einen Abend Krieg und Kälte vergessen zu können. Im deutschen Territorium werden fertig geschmückte Tannenbäume angeliefert und aufgestellt. Die Schotten nehmen ihre Dudelsäcke hervor und stimmen, angeführt von Priester Palmer (Gary Lewis), ein sehnsüchtiges Lied an: "I'm dreaming of home" - Ich träume von zu Hause. Zuerst leise, dann immer kräftiger.

Joyeux Noël

"Oh Tannenbaum, oh..."

Während man in den benachbarten Gräben der Musik der Schotten lauscht, erhält die deutsche Kompanie Besuch: Soldat Nikolaus Sprink (Benno Fürmann), in seinem zivilen Leben Startenor, kommt mit seiner Freundin, der dänischen Opernsängerin Anna Sörensen (Diane Krüger), frühzeitig aus dem Kurzurlaub zurück, um für seine Kameraden zu singen. So schallt den Schotten schliesslich als Antwort auf ihre Darbietung ein "Stille Nacht" aus dem deutschen Graben entgegen. Die Dudelsäcke stimmen in den Gesang mit ein, es wird applaudiert und nach und nach schauen die Soldaten aus ihren Gräben heraus, nehmen scheu ersten Kontakt auf.

Die zuständigen Offiziere, Audebert (Guillaume Canet), Gordon (Alex Ferns) und Horstmayer (Daniel Brühl), arrangieren schliesslich einen Waffenstillstand für den Weihnachtstag. Die kriegsmüden Soldaten sind darüber noch so froh und bald findet eine vorsichtige Annäherung zwischen den verfeindeten Lagern statt. Die gemeinsame Messe, das Austauschen von Geschenken und das Singen von Liedern führen dazu, dass der Waffenstillstand am nächsten Tag verlängert wird.

Zwischen den Soldaten entsteht ein kleiner Friede auf Zeit. Nur zu gerne würde man den Krieg ganz und für immer vergessen...


DVD-Rating

Ein Lied geht um die Welt - oder besser: Musik ist die internationalste aller Sprachen. Christian Carions Film hat gute Absichten, aber er scheitert an seinen Darstellern und dem Pathos, das sich zu oft in die Bilder schleicht. Die Darsteller sind vor allem auf Deutscher Seite erstaunlich schwach: Die Diane Krüger aus Troy kann Kleider tragen, aber keine Rollen. Benno Führmann als Startenor ist sichtlich aber erfolglos bemüht einen intellektuellen Touch zu hinterlassen während Daniel Brühl als Leutnant fast noch den bleibendsten Eindruck im kaiserlichen Heer hinterlässt. Die alliierten Rollen scheinen mir insgesamt etwas besser getroffen.

Zum Pathos: wenn Schütze Sprink mit Christbaum mitten im Niemandsland steht und aus voller Kehle singt oder Fräulein Anna die Weihnachtsmesse trällernd beendet, dann möchte man aus Scham (und nicht zuletzt wegen des ziemlich miesen Playbacksingens der beiden Darsteller) fast im Heimkinosessel versinken. Das sind wirklich Szenen, die ziemlich peinlich denn wirklich berührend wirken. Auch die Filmmusik von Philippe Rombi trägt mächtig zum klebrig-kitschigen Gefühl bei, den der Film zu oft hinterlässt.

Joyeux Noël tümmelt sich im Genre des Antikriegsfilms, hat im Vergleich mit anderen Werken, die den Ersten Weltkrieg und seine unmenschlichen Greuel zum Thema haben (Paths of Glory, All Quiet on the Western Front), jedoch keine Chance.

An Extras gibt es nur ein Making Of. Die Tatsache, dass es derartig weihnachtliche Verbrüderungen während des Krieges gab, hätte man sicher mit etwas historisch-dokumentarischem unterlegen können. Dankenswerterweise kann man die "internationale Version" als Tonspur auswählen, so dass die Soldaten ihren Muttersprachen treu bleiben können. Ein grosses Plus. Der Bildtransfer ist gut gelungen, insbesondere die Kontraste, nachdem der Schneefall eingesetzt hat, sind sehr sauber. Auch die Bildschärfe kann gefallen. Der Subwoofer hat durchgängig einiges zu tun, denn Kanonendonner ist fast den ganzen Film durch zu vernehmen. Die Dialoge im Frontbereich scheinen manchmal fast etwas verloren, die Ohren müssen also gespitzt werden.

4.0 Sterne 3.2 Sterne
4.0 Sterne (27 Bewertungen) | 0 Kommentare

3.0 Sterne3 von 0.0-6.0
21.12.2006 / rs (Inhalt), pb (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 20.11.2006

  • Bildformat: 16:9
  • Sprachen: Deutsch (DD 2.0), Französisch (DD 2.0/5.1), internationale Fassung (DD 2.0/5.1)
  • Untertitel: Deutsch, Französisch
  • Extras: Making Of (35 Min.)