Jo Siffert - Live fast, die young (2005)

Jo Siffert - Live fast, die young (2005)

Oder: von 0 auf 100 in 34 Jahren

Jo Siffert - Live fast, die young

Joseph "Jo" "Seppi" Siffert

Für ältere Leser und Rennzirkus-Fans ist er DER Rennfahrer schlechthin - Jo Siffert. Noch heute gilt er als einer der zehn besten Rennfahrer aller Zeiten - obwohl er lediglich zwei Grand-Prix-Siege errungen hat. Vom Tellerwäscher zum nonchalanten Formel 1-Superstar: Der vermeintlich amerikanische Traum passierte in den 60ern hier in der Schweiz.

Jo Siffert - Live fast, die young

Toooor! äh Siiiiiiieg!

Joseph 'Jo' 'Seppi' Siffert hat schon mit 14 Jahren gewusst: Er wird Rennfahrer, koste es was es wolle. Gekostet hat es ihn einiges - letztendlich auch sein Leben. Als Karosseriespengler macht er sich mit den technischen Aspekten des Autos bekannt und kauft aus dem ersten Ersparten einen Brabham - mit damals 2'400.- das Billigste aller Rennautos. Zusammen mit einem kleinen Trupp von Mechanikern - allesamt Freunde, zog er von Rennen zu Rennen. Er war gut, sehr gut sogar. Seine Risikobereitschaft sucht seinesgleichen, und er scheint während des Rennens mit dem Auto eins zu werden...

Der Lebemann ist auf Erfolgskurs - sowohl Richtung Podest als auch Richtung der Herzen aller Schweizer. Doch vor seinem richtig grossen Erfolg stirbt Siffert auf der Rennstrecke. Über 50'000 Menschen säumen bei seiner Beerdigung die Strassen Fribourgs und erweisen dem volksnahen Helden die letzte Ehre.


Kinofilm-Rating

"When you're racing, it's life, anything that happens before or after is just waiting." (Steve McQueen, 1971)

Jo Sifferts Leben war von der Geschwindigkeit dominiert. Seit seiner Kindheit bis hin zu seinem frühen Tod hat er sein klares Ziel verfolgt - als Rennfahrer ganz zuoberst zu stehen. Gelungen ist ihm dies nur bei zwei Grand Prix Siegen. Zu tollkühn, zu riskant hat er immer viel riskiert, manchmal zuviel. Für seinen Lebensstil hat er viel entbehrt und oft gehungert, um das Geld fürs Rennmaterial zusammen zu kriegen...

Der Film rollt Jo Sifferts kurzes Leben aus heutiger Sicht auf. Verwandte und Bekannte erzählen von ihrem Jo, dazwischen immer wieder Einspielungen von Filmsequenzen damaliger Zeiten.

Für mich war der Film die erste Begegnung mit der Person - wohl meines Alters wegen. Seine kurze Lebensgeschichte ist einmalig und entsprechend spannend. Von ihr geht eine zeitlose Faszination aus: wir alle hoffen, unsere Träume irgendwann mal verwirklichen zu können - er hat es geschafft.

Besonders interessant sind dabei die Filmeinspielungen aus der damaligen Zeit, erst in schwarz-weissen Privataufnahmen, danach farbige TV-Aufzeichnungen. Diese Bilder vermitteln einen Eindruck der damaligen Renntechnik. Die Rennwagen waren schwer, klobig und verlangten schier unglaubliches von den Fahrern. In den Cockpits wurde es bis zu 70°C heiss. Auf die Sicherheit wurde nicht geachtet - ein Unfall bedeutete der sichere Tod. Während heute vor allem mit der Technik die Siege geholt werden, entschied in den Anfängen der Formel 1 hauptsächlich das Können der Fahrer über Sieg und Niederlage.

Die Archivaufnahmen werden immer wieder durch die Erzählungen von nahe stehenden Personen unterbrochen. So reden unter anderen seine Mechaniker, seine beiden Ehefrauen und die Schwester über Jo Siffert, wie sie ihn erlebt und geliebt haben. Das ist nötig und hilft, die Person Jo Siffert zu verstehen. Seine Schwester summiert sein Leben bestens: "Lieber nur 34 Jahre rasant leben statt sich 80 Jahre zu langweilen." Doch anstatt zu sehen wie noch heute seine Freunde die Tränen unterdrücken oder ihre Fotos sortieren, hätte ich mir noch bisschen mehr Material aus dem Archiv gewünscht.

Der Film wird dennoch seiner Aufgabe gerecht und schafft es, an einen "Mythos" zu erinnern, beziehungsweise diesen auch einem neuen Publikum wie mir eindrücklich vorzustellen...

4.6 Sterne
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11.08.2005 / th