Je vous trouve très beau (2005)
Sie sind ein schöner Mann
Je vous trouve très beau (2005) Sie sind ein schöner Mann
Oder: Bauernschlau durch Bukarest
Als dem Landwirt Aymé (Michel Blanc) seine Frau stirbt, geht es ihm richtig mies. Nicht dass er unter Schock stehen würde. Auch emotional nimmt es ihn nicht allzu sehr mit. Dafür hat ihm seine Gemahlin zuviel dieser amerikanischen Soaps geguckt, und das Abendessen war manchmal kalt. Aber zumindest gab es was auf den Tisch, und die Wäsche war auch immer frisch gewaschen. Aymé vermisst seine Ehefrau nicht als ganze Person, sondern nur als helfende Hand.
Da Aymé die frischen Hemden definitiv auszugehen drohen, wird der Gang zum Heiratsinstitut bald unausweichlich. Eine Rumänin soll es werden: Die kommen schnell nach Frankreich und es gibt sie gleich im Dutzend, wie man auf den vielen lasziven Videoportraits erkennen kann, die ihm die Vermittlerin (Eva Darlan) vorspielt.
So gaukelt Aymé seiner Verwandtschaft einen "OLMA"-Besuch in Deutschland vor, um sich heimlich nach Bukarest zu begeben und die Dame auszusuchen, die am ehesten als Bäuerin geeignet ist. Aus der Schar kurzberockter Discomäuse mit rot lackierten Fingernägeln, die das glatzköpfige Männchen alle "très beau" finden, sticht eigentlich nur die Putzfrau Elena (Medeea Marinescu) heraus. Die kann auch gleich noch ordentlich Französisch sprechen. Aymé nimmt deshalb sie mit nach Frankreich und stellt sie im Dorf als Stagaire vor, ohne zu wissen, dass Elena bereits Mutter ist. Die Rumänin wiederum lässt nichts unversucht, sich mit ihren körperlichen Vorzügen auch das Herz des kauzigen Bauern zu erobern...
Kinofilm-Rating
Im Kino ist es immer so eine Sache mit den osteuropäischen Frauen aus dem Katalog. Entweder nehmen sie gleich noch ihre Brüder mit (Birthday Girl), dann gibt's Action. Oder die Geschichte wird aus ihrer Warte erzählt (Lilja-4-Ever), und es bricht einem fast das Herz beim gucken. Je vous trouve très beau ist als gemütliche Komödie inszeniert. Sobald die "Versandhausfrau" aber auf der Bildoberfläche erscheint, ist der Film nur noch halb so lustig wie zuvor. Medeea Marinescu ist zwar eine ganz Nette, aber mit zunehmender Laufdauer heult sie ein bisschen zu oft hysterisch in den Telefonhörer.
Die Show gehört ganz klar Michel Blanc als hinterwäldlerischer und asexueller Bauern. Wie er im Film auf den Tod seiner Frau reagiert, ist schon das halbe Eintrittsgeld wert. Dabei ist der Film nur schemenhaft bei der Todesursache. Es wird suggeriert, dass die gute Frau einfach mal auf dem Hof explodiert und nur eine Rauchwolke von ihr übrig bleibt. Neben vielen Beileidsbekundungen, die es nie wirklich nachvollziehen kann, wird das Männchen danach mit allerlei modernem Zeugs wie Fremdsprachen und Flugzeugen konfrontiert, das seinen Alltag auf dem Bauernhof bisher nie tangiert hat. Das hat komische Nebeneffekte, ausser für ein Büsi, dem die Waschmaschine als Lieblingsschlafplatz zum Verhängnis wird.
Dabei beweist Michel Blanc durchaus auch Bauernschläue. Denn er schafft es fast ohne Probleme in Bukarest Schnappschüsse zu produzieren, die als "deutsche" Ferienfotos durchgehen könnten. Die Naivität mit der Aymé ausgestattet ist, lässt die Figur aber nie zu einer solch grusligen Gestalt werden, wie sie der deutsche Kabarettist Gerhard Polt als Bayer mit seiner thailändischen Mai-Ling geschaffen hat. Die ganz dunklen Seiten des Frauenhandels möchte Je vous trouve très beau dann doch nicht eruieren. Es bleibt bei der gemütlichen Komödie.
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