Jarhead (2005)
Jarhead (2005)
Oder: Wüstenkrieg mit viel Langeweile
Jarhead erzählt die Erinnerungen des Marinesoldaten Anthony Swofford an seine militärische Ausbildung und den Dienst als Scharfschütze (Scout/Sniper) im zweiten Golfkrieg.
Im Boot Camp nimmt alles seinen Anfang: Anthony Swofford (Jake Gyllenhaal), der Sohn eines Vietnamveteranen, tritt in die Fussstapfen seines Vaters und lässt sich zum Soldaten ausbilden. Boot Camp, das bedeutet: brüllende Instruktoren und endloser Drill - das Aussortieren der Schwachen und Unpassenden. Wer beim Eintritt ins Training noch ein bisschen Verstand und/oder Grips im Schädel hatte, wird diesen bis am Ende gegen Muskelkraft und Gehorsam eingetauscht haben.
Der Ausbildung folgt der Ernstfall: Swofford wird mit seinen Scout/Sniper-Kollegen nach Saudi-Arabien geschickt. Auftrag: Bewachen der Ölfelder vor einem möglichen Angriff durch Saddam Hussein. Deckname: Operation "Desert Shield". Die Euphorie der Marinesoldaten über den Auftrag verfliegt allerdings bald. Das einzige, womit die jungen Männer in ihrer Mission zu kämpfen haben, ist unsägliche Langeweile: Keine Gefechte, kein Krieg - es herrscht tote Hose in der Wüste.
Dann allerdings, als Swofford und Co. schon nicht mehr daran glauben mögen, wird der Ernstfall ein bisschen ernster. Aus "Desert Shield" wird "Desert Storm" - der Krieg ist erklärt! Endlich dürfen die kampfhungrigen Soldaten ins Gefecht ziehen, endlich passiert etwas! Und dank einem Spezialauftrag eröffnet sich für Swofford schliesslich sogar die langersehnte Chance, den ersten tödlichen Schuss mit seinem Präzisionsgewehr abzufeuern...
DVD-Rating
Kinofilme über den ersten Golfkrieg gibt es nicht viele, Filme über den zweiten Irak-Krieg gar nicht (das wird wohl noch ein Weilchen amerikanische Verdauungsphase und politisches Zurechtrücken in Anspruch nehmen). Ausser Three Kings fällt mir spontan nur noch Courage Under Fire ein zum ersten Kapitel Saddam Hussein ein. Beide sind auf ihre Art und Weise durchaus gelungen.
Jarhead geht in eine etwas andere Richtung als die eben genannten. Kurzum erzählt der Film von einem Marine, der voller Tatendrang seine Ausbildung abschliesst (siehe auch Full Metal Jacket), nur um im Krieg "vor Langeweile", so man das so überhaupt nennen darf, Drill und öder Routine vor sich hinzuvegetieren. Er kehrt völlig desillusioniert zurück.
Seit seinem Oscarerfolg mit Ray ist Jarhead das bemerkenswerteste Projekt von Jamie Foxx und der für Brokeback Mountain nominierte Jake Gyllenhaal gefällt mir als Swoff hier besser als als schwuler Kuhhirte in Ang Lees Film. Auf seine Art ist Jarhead der Apocalypse Now des neuen Jahrtausends, das ist auch der Inszenierung von Sam Mendes zu verdanken, die eine elegante Mischung aus Real und Kino zeigt.
Die DVD: Etwas besonderes sind die Dokus, die auf der zweiten Disc beiliegen. Insbesondere die Ansichten und Umstellungen ins reale Leben zurück ehemaliger Golfkriegsveteranen fand ich bemerkenswert. Bemerkenswert weil sie eine andere Seite zeigt, eine Ergänzung zum Film ist. Die erste Videodokumentation begleitet den Cast bei den Vorbereitungen und Dreharbeiten. Die zweite zeigt eine Annäherung an die Einsätze der vielen Statisten im Film. Eingeführt werden alle Dokus kurz von Sam Mendes. Das Bild ist so lala bei guter Schärfe (die Farben sind allerdings wohl der Filmdramaturgie wegen angepasst), der Ton ist gelungen mit Surroundeffekten bei den passenden Szenen, ansonsten auf Dialoge und Monologe beschränkt.
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4.4 Sterne (115 Bewertungen) | 4 Kommentare
DVD-Infos
2-Disc Limited Edition, erschienen am 03.05.2006
- Bildformat: 2.35:1 (anamorph)
- Sprachen: Englisch, Deutsch (DD 5.1)
- Untertitel: Englisch, Deutsch
- Extras: Disc 1: Audiokommentar mit Regisseur, Drehbuchautor und Autor; Swoffs Fantasien (mit otionalem Kommentar); Disc 2: Interviews; unveröffentlichte Szenen; Jarhead Tagebücher; Background; Semper FI: Das Leben nach dem Korps.




