The Island (2005)
The Island (2005)
Oder: Attack of the Clones
Wir schreiben das Jahr 2019. Die Erde ist einer Verseuchung zum Opfer gefallen und die Überlebenden wurden in einem Komplex zusammengepfercht, wo sie zwar weiterhin existieren können, sich jedoch nach einem ganz spezifischen Programm richten müssen. Der Traum jedes dortigen Einwohners ist The Island. Diese Insel ist das letzte Fleckchen Erde, das noch bewohnbar ist und regelmässig wird eine Lotterie veranstaltet, deren Gewinner eben auf diese Insel abdüsen kann. So bleibt die Spannung erhalten und die weiss gekleideten Menschen haben ein Ziel in ihrem Tun.
Lincoln Six-Echo (Ewan McGregor) ist einer dieser Menschen. Er erwacht jeden Morgen im weissen Zimmer, hat nur weisse Kleider im Schrank und ihm fehlt schon mal ein Turnschuh. Ausserdem hat er in letzter Zeit Albträume, in denen er scheinbar in seinen Erinnerungen schwelgt und dann plötzlich von wildfremden Leuten unter Wasser gedrückt wird. Der Psychologe und Leiter dieses Komplexes, Dr. Merrick (Sean Bean) soll sich nun dieses Problems annehmen. Ebenso beginnt Lincoln sein Dasein zu hinterfragen. Wer bügelt die Kleider? Wo enden die Schläuche? Wieso kriegt er keinen Schinken zum Frühstück?
Seine beste Freundin ist Jordan Two-Delta (Scarlett Johansson). Sie mögen sich, müssen aber weiterhin Distanz wahren, wie der nette Herr vom Sicherheitsdienst ihnen immer wieder mitteilt. Doch heute ist ihr Glückstag! Sie gewinnt die Lotterie und darf somit auf die Insel. Und während sie sich freut und Vorbereitungen trifft, ist Lincoln Six-Echo unterwegs, um das Geheimnis des Komplexes rauszufinden. Mit Hilfe eines Freundes (Steve Buscemi) und eines Falters, findet Lincoln einen Weg nach draussen. Und was er da sieht, bringt seine ganze Existenz in Gefahr.
Jordan wird gepackt und die Flucht in Angriff genommen. Raus aus der künstlichen Existenz und ab ins richtige Leben. Dass Dr. Merrick das nicht dulden kann, dürfte verständlich sein. Denn immerhin sind die beiden Flüchtigen Klone (oder menschliche Ersatzteillager), für die der jeweilige Sponsor erstens extrem viel Kohle gezahlt hat und die zweitens das Geheimnis und die Machenschaften an die Öffentlichkeit tragen können. So wird ein Jäger engagiert. Dieser (Dijmon Hounsou) soll die Flüchtigen einfangen und retournieren. Doch das scheint nicht so einfach. Denn die beiden Produkte mögen zwar die Welt da draussen nicht kennen, haben aber trotzdem ihre Ideen und Einfälle, wie sie den Verfolgern entkommen können.
Das Ziel der Flüchtigen: Ein Treffen mit ihren Sponsoren. Ihren genetischen Ebenbildern. Ihren Besitzern. Sollte das gelingen, würden die Probleme erst richtig anfangen. Denn wer sieht schon ruhig und gelassen seinem exakten Ebenbild in die Augen?
Kinofilm-Rating
Regisseur Michael Bay hat schon manch guten Actionfilm abgeliefert. Sei es ein Buddymovie wie in Bad Boys, ein Meteoritenspektakel wie Armageddon oder simple, laute und schnelle Action wie in The Rock. Das seine Filme bombastisch daherkommen, ist kein Geheimnis. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass es neben den Knallern, den Schiessereien und den Explosionen kaum Platz hat für eine gute Geschichte. Dies soll sich mit The Island ändern. Das Potenzial eines Klasse-Actionfilmes ist vorhanden. Obs der Film auch schafft, durchwegs zu überzeugen?
Wenn man sich den Anfang der Geschichte unter die Lupe nimmt, dann erstaunt etwas das geübte Action-Auge. Nämlich, dass im ersten Teil praktisch keine Action stattfindet. Dafür wird auf etwas anderes Wert gelegt. Die Geschichte. Die Entwicklungen der Figuren, die Umgebung oder auch die Hinterfragung derselbigen. Mit Spannung werden die Charaktere eingeführt und der Film hat so manchen Lacher zu bieten. Auch als die Action mit kleinen Schritten kommt (Ausbruch aus dem Komplex) macht alles einen sehr gelungenen Eindruck. Und mit einem Auftritt von Steve Buscemi hat man sowieso immer ein Ass im Ärmel. Hier lässt er Sprüche vom Stapel, die das Kino zum beben bringen. Klasse, der Junge.
Als dann aber die Action Überhand nimmt und die Geschichte leider zu Gunsten von Action zur Seite geschoben wird, verkommt der Film leider zum Michael Bay-Durchschnitt. Das heisst zwar, dass die Action und die Verfolgungen weiterhin auf hohem Level zelebriert werden, aber ich persönlich hatte das Gefühl, dass man da nichts wirklich neues geboten bekommt. Der Schluss des Filmes versucht noch einmal weg von eben diesem Image des "tumben" Actionfilms zu kommen, schafft es dann aber doch nicht ganz.
Als Hauptdarsteller macht "Obi Wan Kenobi" Ewan McGregor eine sehr gute und gelungene Figur. Sein spitzbübisches Lächeln kommt immer wieder schön zum Vorschein und er hat keine Probleme, diesen Film zu tragen. Allerdings auch in dem Moment, wo er es eigentlich gar nicht sein dürfte. Seine Partnerin, die Frau mit den geilsten Lippen Hollywoods, ist Scarlett Johansson sieht einfach klasse aus, entdeckt die Sexualität und darf in ihrem ersten grossen Actionfilm zeigen, dass sie durchaus Talent zum Fight-Chick hat. Leider schafft es der mir grundsätzlich sehr sympathische Sean Bean, den man schon in National Treasure zum monotonen Bösewicht gemacht hat, nicht ganz, seine Rolle überzeugend zu füllen. Zu harmlos und oberflächlich ist seine Person schlussendlich. Dijmon Hounsou als immer wieder schön stylisch in Szenen gesetzter Jäger mit Herz, kennt man aus Amistad oder Constantine. Sie alle müssen sich allerdings den Witzen und Spässen von Steve Buscemi beugen, der den Film rockt, wenn immer er auf der Leinwand auftaucht.
Wer sich im Universum von Star Trek auskennt, wird feststellen, dass "Neelix" von der "Voyager" ebenfalls eine kleine Rolle hat. Nix grosses, aber für Freunde der Sternenflotte sicherlich ein witziges Extra.
Fazit: The Island fängt sehr gut an und trägt eine interessante und spannende Ausgangslage in die Geschichte. Leider vermag man dieses Niveau nicht zu halten und fällt in einen Actionfilm zurück, der zwar solide und bombastisch daherkommt, aber gegenüber der eigentlichen Geschichte doch recht abstinkt. Gegen Ende versucht man wieder auf das Startlevel zu kommen, schafft es aber leider nicht mehr. Somit werden zwar die Actionfreunde auf ihre Kosten kommen, mir persönlich wäre es lieber gewesen, sie hätten sich mehr auf die Geschichte und deren Hintergrund konzentriert.
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4.4 Sterne (202 Bewertungen) | 176 Kommentare




