The Interpreter (2005)

Die Dolmetscherin

The Interpreter (2005) Die Dolmetscherin

Oder: Je älter, desto grausliger....

The Interpreter

"Sag mir jetzt, ob meine Frisur cool aussieht!"

Die United Nations (UN) haben ja bekanntlich ihren Sitz in New York. Dort wird versucht, die Welt vor Kriegen zu schützen und die diversen globalen Probleme auf ruhige und friedliche Art zu diskutieren. 191 Nationen sind Mitglied der UN und fast ebenso viele Dolmetscher sind dort am arbeiten. Denn die Worte und Ansprachen der verschiedenen Staatsmänner sollen ja schliesslich auch für jedermann verständlich sein. Eine dieser Dolmetscherinnen) ist Silvia Broome (Nicole Kidman). Sie ist in Afrika aufgewachsen und übt fleissig auf ihren Flöten. Und genau diese hat sie grad heute im UN-Gebäude vergessen, als sie nach einem turbulenten Tag nach hause geht.

Schwupps, umgekehrt und ins Büro rein. Aber was ist das? Da flüstert doch wer. Und zwar in einem Raum voller Mikrophone... Natürlich in einem afrikanischen Dialekt, den auf der Welt "nur 8 Personen verstehen" (O-Ton aus dem Film). Und natürlich ist die gute Silvia genau eine dieser 8 Personen und hört, dass irgendjemand ein Attentat auf einen afrikanischen Führer plant. "The Teacher will not leave this room alive", sind die Worte, die Ausschlag geben, diesen Fall den Behörden zu melden und eine Untersuchung einzuberufen.

The Interpreter

"Bist Du Frau Cruise?" - "Nein" - *Tüüüt*

Die gute Dolmetscherin hat Angst. Sie ist wahrscheinlich entdeckt worden, als sie gelauscht hat und nun vermutet sie an jeder Ecke eine Gefahr. Und da ihre Geschichte durchaus wahr sein könnte, wird das FBI kontaktiert. Bundesagent Tobin Keller (Sean Penn) kommt ins Spiel. Er muss zwar zuerst lernen, dass man im UN-Gebäude nicht auf amerikanischem Grund ist, kümmert sich dann aber aufmerksam um die verschreckte Dolmetscherin.

Und was er in den fortschreitenden Ermittlungen herausfindet, lässt die Zeugin in einem ganz schlechten Licht dastehen. Als dann eines Nachts ein Mann mit Stammesmaske vor ihrem Fenster auftaucht, ist das Mass voll. Die Wahrheit muss her. Die Wahrheit über Silvias Vergangenheit in Afrika. Die Wahrheit über die unübersichtlichen Machenschaften der afrikanischen Regierung und deren Gegner. Wie bringt man einen Diktator vors Kriegsgericht in Den Haag, weil er halbe Dörfer ausrottet? Wie ist die Dolmetscherin da involviert? Was hat sie zu verbergen? Denn so wies aussieht, entwickelt sie sich vom zufälligen Zeugen zu einem wichtigen Player in einem Spiel, dass sich mit internationalem Terrorismus und politischen Machtspielen befasst. Und wer da nicht mehr mitspielen kann oder will, wird ausgelöscht.....


Kinofilm-Rating

Lang lang ists her, seit ich den letzten Film von Sydney Pollack gesehen hab. Der Mann, der uns Tootsie oder Out of Africa lieferte, hat eine Pause gemacht. Und nun ist er mit einem Politthriller wieder zurück, für den die UN zum ersten Mal ihre Pforten geöffnet hat, damit im Inneren gedreht werden konnte. Jeweils am Wochenende konnte die Crew in die "heiligen Hallen" einrücken, das Equipment aufstellen und filmen. Daraus geworden ist ein Thriller, der sich sehen lassen kann, der allerdings auch seine schwachen oder unverständlichen Momente hat.

Die Geschichte ist allerdings sehr interessant. Wenn man sich ein bisschen um das Weltgeschehen kümmert, dann wird man interessiert auf die Leinwand blicken, wenn die Arbeit der Abgeordneten in der UN näher betrachtet wird. Oder wenn man den Dolmetschern über die Schultern gucken kann. Die Hintergrundgeschichte mit Unruhen in Afrika, verbrecherischen Regenten oder Völkern, deren einstige Helden nun menschenverachtende Politmonster geworden sind. Das sind dann auch die richtig spannenden und interessanten Momente des Filmes. Dass Hollywood natürlich auch noch mitmischeln musste, war klar. So wird ein Cop präsentiert, dessen Frau kürzlich verschieden ist und der sich in ruhigen Momenten des Filmes mit seinen eigenen Problemen herumschlagen muss. Das sind leider die Szenen, die der Geschichte die Geschwindigkeit und das Interesse nehmen, dass man danach immer wieder frisch aufbauen muss.

Die Schauspieler sind natürlich bekannt und dürfen zeigen, was in ihnen steckt. Nicole Kidman darf in schönem Akzent reden und auch ein paar Brocken französisch in den Kinosaal schmeissen. Ansonsten versucht sie krampfhaft, die undurchsichtige Person des Filmes zu geben, was ihr nur bedingt gelingt. Aber solide ist sie allemal. Ihr Partner Sean Penn hingegen, hat mir von A-Z sehr gut gefallen. Er ist so eine Art "Zuschauer-Vertreter", des Filmes. Während man im Publikum sich Fragen überlegt, stellt sie der Cop auf der Leinwand. Er ist ein New Yorker und kommt entsprechend gradlinig daher. Teilweise schon fast sympathisch tölpelhaft, aber immer mit wachem Auge, damit ihm auch ja nichts entgeht. Und als er den Fall scheinbar gelöst hat, ist es schon fast zu spät. Aber natürlich kann ein NY-Cop so schnell nichts aus der Bahn werfen...

Fazit: The Interpreter ist ein solider und zeitweise richtig guter Thriller vor politischer Kulisse. Das Interesse des Zuschauers am Thema vorausgesetzt, unterhält er auch ganz ordentlich. Einzig bei den ruhigeren Szenen zwischen den Hauptcharakteren geht der Geschichte ein bisschen der Schnauf aus. Aber das gibt dem Zuschauer auch die Gelegenheit, mal wieder durchzuatmen und die Gesichter der möglichen Bösewichter neu zu ordnen. Auch die Aktualität ist erstaunlich. Obwohls "nur" ein Film ist, kann ich mir solche Abläufe, Vorfälle und Aktionen sehr gut auch im realen Leben rund um die UN und deren Bemühung um Weltfrieden vorstellen.

4.1 Sterne
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06.04.2005 / muri