L'Iceberg (2005)

L'Iceberg (2005)

Oder: Die Invasion der Körpersprecher

L'Iceberg

Reacting Titanic

Die schlaksige Fiona (Fiona Gordon) schliesst sich eines Abends versehentlich im Gefrierraum ihrer Frittenbude ein. Daraufhin entwickelt sie eine Sehnsucht nach Eis und lässt ihren Lebenspartner Julien (Dominique Abel) in der gemeinsamen Wohnung sitzen, um eine Reise in die Kälte anzutreten, auf der sie zahlreichen Turbulenzen erleben wird.


Kinofilm-Rating

Pantomime - für viele Menschen ist bereits die Aussprache dieses Wortes Grund genug um Reissaus zu nehmen, um verschont zu bleiben vor diesen berüchtigten Darbietungen, in deren Verlauf Gestalten mit weiss angemalten Gesichtern in Hosenträgern unter zu grossen Fracks Blumen aus der Luft pflücken und dazu Kussgeräusche machen, bevor sie in eine unsichtbare Glaswand prallen. Aber so gross wie die Zahl der bekennenden Hasser dieser Kunstform auch sein mag, so selten findet man Menschen, die behaupten, die stumme Filmkunst des Pantomimen Jacques Tati sei zum Davonlaufen schlecht.

L'iceberg ist das Werk zweier Pantomimen, und L'iceberg ist ein filmisches Werk. Der Vergleich zu Tati kann folgerichtig nur schlecht umgangen werden, und er fällt bitter aus für L'iceberg. Beziehungsweise stellt sich die Frage, warum man bei Tati herzhaft über Dinge gelacht hat, die in L'iceberg schnell auf die Nerven gehen. Eine mögliche Antwort ist diese: Tati stellte seine Figur Monsieur Hulot immer in grössere Zusammenhänge, er spielte mit Menschenmassen, mit allen möglichen Fortbewegungsmitteln, mit einer eigens angelegten Architektur und mit der Landschaft. Er kannte die Gefahr des Zuviel und wusste genau, dass ein einzelner visueller Gag im richtigen Moment mehr bringt als ein minutenlanges und aufbauloses Herumgehampel mit der Tücke des Objekts. Fiona Gordon und Dominique Abel hingegen kennen keine solche Lakonik. Sie stürzen sich mit ihrem ganzen Körper in das poetische Abenteuer - man sieht sie beide auch nackt - und sie geben alles, um ihrem Film eine Kraft zu verleihen, die er aus seinem papierdünnen Plot nun einmal nicht ziehen kann. Das Resultat ist eine unendlich monotone Strampelei, die in Zirkusmanegen, auf Kleinkunstbühnen, in Fussgängerpassagen oder vor Kinderspitalbetten mehr verloren hat als auf einer Leinwand. Zumal die künstlichen Dekors des Films wirklich zum Schreien hässlich sind.

2.0 Sterne
2.0 Sterne (1 Bewertung) | 0 Kommentare

22
11.09.2006 / juz