The Bow - Hwal (2005)

The Bow - Hwal (2005)

Oder: Der alte Mann und das Mädchen

The Bow - Hwal

Willkommen an Bord

Auf offener See offeriert ein alter Mann ( Sung-hwan Jeon) Hobbyfischern Platz auf seinem Kutter, damit sie dem Angeln frönen können. Ständig mit an Bord ist ein sechzehnjähriges Mädchen (Yeo-reum Han), das er schon vor langer Zeit bei sich aufgenommen hat - vielleicht wurde es auch von ihm entführt. Sicher ist jedoch, dass er sein Mädchen heiraten wird, sobald es die Volljährigkeit erreicht hat. Fleissig streicht er deshalb Tag für Tag am Wandkalender und freut sich auf die Hochzeitsnacht. Was ihn dabei erwartet, sieht er jeden Abend, wenn er das Mädchen einseift.

The Bow - Hwal

Finken, die noch nicht stinken.

Den meist männlichen Gästen an Bord fällt das Mädchen natürlich auch auf. Doch sobald ihr einer mit unlauteren Absichten zu nahe kommt, ist der Kutterkapitän zur Stelle mit Pfeil, Bogen und einer erstaunlichen Zielgenauigkeit. Auch das Mädchen hat's bös im Griff in Sachen Schusskraft und kann sich so locker selber wehren. Doch als ein Student aus der Metropole Seoul (Ji-seok Seo) sie mit unbekannter Musik aus seinem Kopfhörer bezirzt, verfällt sie bald auch noch anderen Verlockungen der Grossstadt. Doch der alte Mann wird sie nicht kampflos von Bord lassen.


Kinofilm-Rating

Kim Ki-Duk zwölfter Film unterscheidet sich nicht wesentlich von seinen Vorgängern. Wieder sind es sehr wortkarge Figuren am Rand der koreanischen Gesellschaft, welche im Zentrum der Geschichte stehen. Der namenlos bleibende alte Mann vergleicht man am ehesten mit dem griesgrämigen Alpöhi, der seiner Eremitenleben statt im Gebirge auf dem Meer verbringt. Ein Lächeln zaubert nur das Heidi auf sein Gesicht. Doch anders als bei Johanna Spyri ist es nicht der Geissenpeter, der mit Eifersucht reagiert, sondern der Junge in der Heidialtersklasse ist der Auslöser für Missgunst. Dies vor allem deshalb, weil Kim Ki-Duk die Beziehung Heidi-Öhi sexuell auflädt, was der Sache eher schadet als nützt. Das übersexualisierte Ende ist denn auch schlicht doof.

Bemerkenswert ist der Titel gebenden Bogen (= "Hwal"), der im Film nicht nur als Waffe dient. Neben coolen Schüssen gibt er als Musikinstrument auch interessante Töne von sich, die einen Grossteil der Musikspur ausmachen. Auch zum Wahrsagen lässt er sich verwenden. Während das Mädchen auf einer "Gireitsi" vor der Schiffswand schwingt, schiesst der alten Mann auf ein aufgemaltes Buddha-Portrait. Es soll Glück bringen, wenn er das Mädchen verfehlt. Nicht berücksichtigt wird jedoch der Spannungsbogen. Dieses Kunststück schafften andere Werke von Kim Ki-Duk besser.

4.4 Sterne
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15.06.2006 / rm