Hustle & Flow (2005)

Hustle & Flow (2005)

Oder: Pimpin aint easy!

Hustle & Flow

Can I lick your Lollipop?

Wer Frauen "besitzt" und diese auf der Strasse für sich arbeiten lässt, darf sich getrost als "Pimp" bezeichnen. Meist sind diese Herrschaften knallhart und durch die Arbeit der Mädels auch recht wohlhabend. DJay (Terrence Dashon Howard) ist da eine Ausnahme. Er behandelt seine Frauen besser als man es sich von einem Zuhälter gewohnt ist, hat aber dafür finanziell keine grossen Mittel zur Verfügung. Seine Mädchen, die junge Nola (Taryn Manning) und die schwangere Shug (Taraji P. Henson) vergöttern ihren Meister, der allerdings mit dem Leben nicht wirklich zufrieden ist.

Neben dem Dealen von Drogen und dem Bewachen seiner Merchandise, wird DJay immer wieder mit Kunden konfrontiert, die zwar Stoff brauchen, diesen aber nicht bezahlen können. Als ihm ein solcher ein elektronisches Keyboard als Preis abgibt, beginnt ein lange unterdrückter und kaum mehr für durchführbar gedachter Traum in DJay zu brodeln. Er fängt an, Melodien zu klimpern und Texte zu schreiben. Er selber nennt diese Phase eine "Midlifecrisis", aber sein Traum ein Rapstar zu werden, nimmt auf einmal wieder Form an.

Hustle & Flow

Hitschmiede?

Zufällig trifft er seinen alten Kumpel Kay (Anthony Anderson), der in der Kirche für die richtige musikalische Qualität sorgt und die beiden sind überzeugt, gemeinsam den ultimativen Sound zu ertüfteln. Der junge Keyboarder Shelby (DJ Squalls) gesellt sich zum Duo und was anfänglich als Jamsessions oder "Flow"-Sessions beginnt, entwickelt sich zu einem echten Knüller.

Der erfolgreicher Rapper Skinny Black (Ludacris) hat sich angekündigt. Er will mal wieder in seiner Heimat einen drauf machen und meldet sich ausgerechnet in DJays Stammklub an. Dieser sieht damit die Chance gekommen, seine Flows, seine Beats und Texte an den Mann zu bringen und seine Songs im Radio zu hören. Doch bis zum Treffen muss erst noch mächtig am Sound gefeilt werden, die Flows ausgetextet, der Beat angepasst und auch der dringend benötigte "Hook" gefunden werden. Und das stellt sich nur als eines von vielen Schwierigkeiten heraus.


DVD-Rating

An der Oscar-Verleihung 2006 wurden die Männer in Anzügen und Frauen in Abendkleidchen mit der Jugend von Heute konfrontiert. Mit "Its hard out here for a Pimp" wurde bereits zum zweiten Mal (nach Eminems "Loose Yourself") ein Rap mit dem Oscar für den besten Song geehrt. Ausserdem konnte Terrence Dashon Howard die Juroren insofern mit seiner aussergewöhnlichen Leistung überzeugen, dass er für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert wurde. Zwar hat er diesen dann schlussendlich nicht gewonnen, aber schon die Nomination darf man als Zeichen werten, dass Hustle And Flow in einer der oberen Kategorien spielt und sich somit erfreulich vom Rest der Filme abhebt, welche die sogenannte "Realität" wiederspiegeln.

Die Geschichte des Pimps, der auf einem kleinen Keyboard anfängt an seiner Rapkarriere zu basteln und zusammen mit Kumpels seinen Traum verfolgt, mag ein bisschen gar fantastisch klingen. Allerdings darf man davon ausgehen, dass nicht nur in Amerika täglich Jugendliche irgendwo in den Garagen, Hinterzimmern oder Strassenecken auf kleinen Instrumenten an ihrem Traum basteln. Und genau daraus nimmt Hustle And Flow einen Grossteil seiner Authenzität. Das Leben ist zwar hart und bringt grundsätzlich immer zu wenig Kohle ein, aber nicht probiert, das Maximum aus seinem Leben heraus zu holen, der wird auch in diesem Sumpf sterben. Die Message des Filmes ist also klar und wird rigoros durch die ganze Geschichte gezogen. Man beginnt den Zuhälter zu mögen und blickt hinter die Kulissen eines nach aussen harten und coolen Menschen, der sich nach Musik, Liebe und trautem Heim sehnt.

Terrence Dashon Howard ist die Hauptfigur des Filmes und lässt diesen mit seiner Performance in ungeahnte Höhen schweifen. Der Mann, dem man in Get Rich or Die Tryin erschreckend wenig Screentime gab, überzeugt auf der ganzen Linie und verleiht seiner Figur absolute Glaubwürdigkeit. Seine Partner dürfen sich ebenso sehen lassen. Anthony Anderson beweist, dass er mehr kann als Kangaroo Jack hinterher hoppeln. Auch DJ Qualls ist hier besser aufgehoben als in Kanülen wie Road Trip. Auch die holde Weiblichkeit überzeugt, vor allem Taryn Manning als junge Nutte, die in ihrem Leben einen Sinn sucht.

Neben den excellenten Schauspielern und der interessanten Geschichte vermag natürlich auch die Musik zu packen. Auch hier ein meilenweiter Unterschied zu Get Rich or Die Tryin. Die Beats rocken, die Texte sind intelligent und wenn das gewisse Etwas Funk und Soul noch dazu gemischt wird, dann wird man als Liebhaber solcher Töne kaum darum herumkommen, den Soundtrack zu kaufen.

Das nicht alles Gold ist was glänzt, muss auch Hustle And Flow erfahren. Einzelne Szenen nehmen dem Film das Tempo raus und fallen gegen den Rest ab. Auch die Rolle von Ludacris kommt ein bisschen zu kurz. Dass er eigentlich ein ganz Guter sein könnte, durfte der Rapper bereits in Crash beweisen. Schade, muss er sich hier als Abziehbild eines Rapstars präsentieren.

Fazit: Hustle And Flow ist für Dramaliebhaber ein guter und teilweise sogar fantastischer Film. Wenn dann noch der Sound gefällt und man sich auf die Art des Filmes einlässt, darf man sich auf eine Geschichte freuen, die den amerikanischen Traum zwar ein bisschen simpel beleuchtet, aber schlussendlich doch zu überzeugen weiss. Auf dem DVD-Cover steht "Neben 8 Mile der beste HipHop-Film". Ich find Hustle And Flow besser.

Neben einem interessanten Audiokommentar bietet die DVD ein paar Features, die es sich anzuschauen lohnt. Einen Blick hinter die Kulissen darf man sich ebenso wenig entgehen lassen, wie Dokumentationen die spezifisch über den Soundtrack und den Musikstil des Filmes berichten. Auch die Akteure werden genauer unter die Lupe genommen und haben vereinzelt sogar was Intelligentes zu sagen. Cool sind die Bilder der Filmpremiere in Memphis, wo der eine oder andere bekannte Name der HipHop-Szene seinen Senf zum Film und den Auswirkungen aufs Business dazu geben kann. Ein paar Promotions-Spots schliessen die Extras ab, die sich durchaus sehen lassen dürfen.

4.4 Sterne 3.5 Sterne
4.4 Sterne (24 Bewertungen) | 0 Kommentare

4.54.5
05.07.2006 / muri


DVD-Infos

DVD erschienen am 15.06.2006

  • Bildformat: 1.78:1
  • Sprachen: Deutsch (Dolby 5.1), Englisch (Dolby 5.1), Türkisch (Dolby 5.1)
  • Untertitel: Englisch, Deutsch, Dänisch, Finnisch, Norwegisch, Schwedisch, Türkisch
  • Extras: Audiokommentar, Behind the Scenes, Premierenbilder, TV-Spots, By Any Means necessary, Creatin' Crunk