Hostage (2005)
Entführt
Hostage (2005) Entführt
Oder: Bruce mal wieder ganz alleine!
Jeff Talley (Bruce Willis) ist zuständig für Verhandlungen mit Geiselnehmern beim LAPD. Er ist äusserst selbstsicher und beherrscht, da er bis jetzt noch nie einen Toten zu beklagen hatte. Nicht umsonst wird er deshalb als bester Mann der Stadt gepriesen. Dies ändert sich aber, als er bei einem Einsatz seiner Truppe befiehlt, mit dem Zugriff zu warten, obwohl diese ihm eine 100%ige Überlebenschance für den festgehaltenen Jungen garantiert. Er will weiter mit dem Geiselnehmer verhandeln, um auch noch dessen Mutter zu retten. Ein schwerer Fehler, der alle drei Beteiligten das Leben kostet. Talley kann mit der Schuld, die er sich für das Unglück gibt, nicht umgehen und quittiert deshalb seinen Dienst.
Ein Jahr später ist er als Polizeichef in Bristo Camino (Ventura County) tätig, einem kleinen Kaff im Nirgendwo, wo nach "Low-crime-Monday" stets "Low-crime-Tuesday" folgt. Seine Ehe läuft nicht mehr gerade prickelnd und das Verhältnis zu seiner Tochter ist durch dauernde Auseinandersetzungen geprägt. Seine Welt wird jedoch erneut auf den Kopf gestellt, als drei kriminelle Jugendliche in das abgelegene Haus des korrupten und reichen Buchhalters Walter Smith (Kevin Pollak) einbrechen und diesen, gemeinsam mit seinen beiden Kindern, als Geisel nehmen. Dies bringt Talley genau in die Situation zurück, die er für den Rest seines Lebens vermeiden wollte. Da er sich der Sache nicht gewachsen fühlt, gibt er die Führung dem Sheriff von Ventura County ab. Bald darauf wird er aber gezwungen, sie wieder aufzunehmen, weil ein Verbrecherring seine Familie entführt hat, um ihn dazu zu bringen, eine DVD mit geheimen Daten aus dem von der Polizei umstellten Haus zu beschaffen. Als es dann auch noch Unstimmigkeiten zwischen den drei Geiselnehmern gibt, droht die Lage zu eskalieren.
DVD-Rating
Bruce Willis im Alleingang? Das kennen wir doch schon längst! Macht aber nichts. Vor seinem galanten Auftritt in Sin City entstand dieser etwas zu lang geratene Thriller vom Franzosen Florent Siri, dem allerdings an den Kinokassen eher wenig Erfolg beschieden war. Das ist an und für sich schade, wenn man andere hochgestylte Actionfetzen im Kino sieht, die mässiger besetzt sind und sicher nicht mehr Charaktertiefe aufweisen, vor allem aber mit dummdreisten Dialogen und behämmerten Stories die Leinwände niedertrampeln. Aber so ist das eben im Filmgeschäft.
Hostage ist natürlich auch nicht das absolute Gelb vom Ei, ein bisschen zu lang geraten, oder anders ausgedrückt: es kam einem hie und da so vor, dass es sich etwas hinzog, und von etwas zu überspitzten Darstellungen blieb der Film auch nicht verschont. Bruce Willis spielt zwar gut, aber stellenweise auch etwas over the top (die Eingangsszene, die finale Umarmungsszene). Okay, das mag auch an der etwas überstrapazierten Inszenierung in diesen Momenten liegen, doch von seitens der Schauspieler wäre etwas mehr Zurückhaltung nicht deplaziert gewesen. Von allen aus der Darstellerriege hat mir aber Kevin Kelley als psychopathischer Mars am wenigsten gefallen, das war dann doch allzu übertrieben und entwicklungsmässig wenig nachvollziehbar. Ganz zum Schluss gab es dann noch ein wenig den Cape Fear/Robert DeNiro-Oberbösewichteffekt. Hm, too much.
Absolut gelungen ist ansonsten die stilsichere Umsetzung als Mischung aus Film Noir und Thriller mit genügenden Momenten der Ruhe und des Nachdenkens. Blendend das Production Design (will auch so ein Häusle!) und erste Sahne die fantastische Musik von Alexandre Desplat, eine der besten Filmmusiken des Jahres in einem Genre, wo man zuletzt viel trostloses zu hören bekommen hat. Auch dass nicht alles aufgelöst wird, was man gerne aufgelöst gesehen hätte, tut dem Film gut. Sonst bekommt man ja jedes Wieso und Warum auf die Brille, so man eine hat, geknallt.
Ein guter, gut gemachter und angenehm anzuschauender Film mit der einen oder anderen Länge hie und da.
Extras: Hostage kommt als 2-DVD-Edition im Kartonschuber. Auf DVD 2 finden sich die Extras, von denen die Deleted Scenes (mit optionalem Kommentar) wirklich aufsschlussreich sind, was den Ausschluss unnötiger oder sich anderswo selbsterklärender Sequenzen betrifft. Auch das Making Of ist recht gelungen und keine reine PR-Selbstbeweihräucherung. Die Titelsequenz (und deren Übergang in den Film) mit der starken Musik und den gelungenen Toneffekten fand ich ebenfalls hervorragend gemacht. So ist auch der Ton im Film speziell gut und atmosphärisch fein aufgeteilt.
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4.0 Sterne (86 Bewertungen) | 1 Kommentar
DVD-Infos
DVD erschienen am 07.09.2005
- Bildformat: 16:9
- Sprachen: Deutsch (DD EX, DTS), Englisch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch, Englisch
- Extras: Disc 1: Audiokommentar; Disc 2: Behind the Scenes; Behind the Camera; B-Roll; Interviews; Drehbuch; Making Of; Deleted Scenes; Extended Scenes; Fotogalerie.



