A History of Violence (2005)

A History of Violence (2005)

Oder: Mehr als eine Ode an die Gewalt?

A History of Violence

Ich, Unschuldslamm.

Tom Stall (Viggo Mortensen) ist ein unbescholtener Beizer in Millbrook/Indiana. Einer, der sich auch nicht zu schade ist, den Müll vor der Tür seines Coffee-Shops an der Hauptstrasse selber wegzuräumen. Nur mit seiner Frau Edie (Maria Bello) macht er des Nachts Sachen, von denen nicht sicher ist, ob sie in allen amerikanischen Bundesstaaten erlaubt sind. Aus der perfekten Ehe sind zwei Kinder entsprungen, von denen der älteste Sohn an der High School zwar kleinere Probleme hat mit der Quarterback-Dumpfbacke, aber ansonsten nichts weiter Weltbewegendes zu berichten wäre.

A History of Violence

Was will Heino trinken?

Bis eines Tages zwei brutale Killer auf der Durchreise sich Toms Diner als Ort aussuchen, um auf die schnelle ein bisschen Kohle zu machen. Als sie Toms Serviertochter exekutieren wollen, tötet Tom die beiden gesuchten Verbrecher gekonnter als man es von einem braven Familienvater erwarten würde. Tom wird so der Star der Stunde auf CNN, findet den Medienrummel aber eher störend und will, dass so schnell wie möglich Gras über die Sache wächst. Denn schon bald taucht eine schwarze Limousine auf in Millbrook, auf dessen Rücksitz der undurchsichtige Carl Fogarty (Ed Harris) im massgeschneiderten Anzug sitzt. Der macht es sich am Tresen bei Tom gemütlich und nennt ihn hartnäckig "Arago..." äh "Joey".


DVD-Rating

David Cronenbergs Werke sind zweifellos keine einfach zu geniessenden Sonderlinge. Ich erinnere dabei nur schon an Schräges wie Videodrome oder Naked Lunch, Psychotisches wie Dead Ringers und Spider und vieles mehr. Eines ist sicher: Cronenberg scherrt sich einen Dreck um Kommerz. Er bleibt seiner Linie treu, auch in seinem bisher erfolgreichsten Film, The Fly war das der Fall.

Diese Linie bedeutet ausdrucksstarke, oft bedrückende Bilder, die er gerne in Braun- und Rottöne tüncht (man sehe sich den letzten Akt des Films an), meist besondere, kaputte und auch schon mal abstruse Charaktere, spezielle Sexvorlieben (hm...) und den Mut zu Stories, die einen manchen schon aus dem Kino getrieben haben. Bei A History of Violence wird es hingegen eher die schon recht deftig Brutalität sein, die Cronenberg unverholen zum besten gibt. Dort wo Sin City via schwarz/weiss ein wenig verschleiern konnte, lässt er nun Blut und menschliche Innenteile recht markant, sagen wir mal so, erscheinen - nicht aber des alleinigen Effektes wegen!

Das mag ganz und gar nicht jedermann gefallen und der ein oder andere wird sich fragen "Wieso? Weshalb?", aber ehrlich, solche Fragen bei einem Mann wie David Cronenberg zu stellen ist wie die WM-Quali der Schweizer Nati zu hinterfragen. Ist einfach so, muss man hinnehmen...! Dank der starken Charakterisierung läuft die Gewaltdarstellung als Bestandteil des Films in untrennbaren Bahnen. Das ist oft auch bei einem Quentin Tarantino der Fall. Wenn das sauber gemacht ist wie hier und ein wichtiger Bestandteil der Story, dann hat es auch sein Existenzrecht.

Einfach nur saugut sind die Darstellungen von Viggo Mortensen als handfester US-Daddy, Ed Harris als in sich ruhender Irish-Mafioso und absolut glänzend mit seinem Kurzauftritt: William Hurt! Die Oscarnomination war mehr als verdient und hätte nicht Mr. Clooney gewonnen, ich hätte der Academy nie verziehen (wie jedes Jahr...). A History of Violence ist fantastischer Stoff. Geradlinig, bestechend, faszinierend und verstörend zugleich. Grossartig gespielt und mirakulös umgesetzt, ein Fest für Fans des Regisseurs und ein Film, bei dem die Meinungen extrem auseinander gehen. Von mir gibt es ganz klar das Etikett: Meisterwerk!

Die DVD: Bildlich ist der Transfer vorbildlich... sauber, gute Schärfe, tolle Farbwiedergabe, guter Kontrast. Im Tonbereich kommt die Surround-Umgebung nur ansatzweise zur Geltung (immer prominent in der Musikwiedergabe), da der Film viele stille Stellen und Dialogszenen hat. Wenn die Gewalt dann aber ausbricht, bricht auch der Ton mit der Stille. Die Extras sind ebenfalls okay (bemerkenswert der Teil mit der US- und "Weltversion"), auch wenn ich mir noch mehr Infos um und zum Film gewünscht hätte.

4.2 Sterne 4.5 Sterne
4.2 Sterne (136 Bewertungen) | 14 Kommentare

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20.03.2006 / rm (Inhalt), pb (Rating)


DVD-Infos

DVD erschienen am 24.03.2006

  • Bildformat: 1.85:1 (16:9)
  • Sprachen: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch (D für Hörgeschädigte)
  • Extras: Audikommentar von David Cronenberg; Gewaltakte (Making-Of in 8 Teilen); USA-Version vs. Internationale Version; Featurette "Zu kommerziell für Cannes"; Das Un-Making-Of der Szene 44; Nicht verwendete Szene; US-Trailer.