Havoc (2005)

Kick

Havoc (2005) Kick

Oder: Langeweile als Motivation

Havoc

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Allison (Anne Hathaway) und ihre beste Freundin Emily (Bijou Phillips) gehören zu einer Clique im reichen Viertel von Los Angeles. Ihre Langeweile treibt sie dazu, Drogen zu konsumieren und Raufereien mit anderen Gangs anzuzetteln. Tagsüber sitzen sie schön brav in der High School, und Zuhause geben sie die liebsten Töchterchen ab. Als sie mit ihren Freunden eines Nachts nach Downtown fahren, um für Drogennachschub zu sorgen, trifft die Gruppe auf den Dealer Hector (Freddy Rodriguez), welcher der lateinamerkanischen Crew 16 angehört.

Havoc

Wir sind die Coolsten, wenn wir cruisen...

Allison ist sofort fasziniert vom skrupellosen Charakter. Aus Langeweile wird Leidenschaft. Während ihr Freund Toby (Mike Vogel) davon abrät, will Allison Hector und seine Welt kennenlernen und fährt mit den Mädels alleine in das düstere Viertel. Die naiven Mädchen erkennen zuerst nicht, mit welchen Leuten sie sich einlassen und welchen Preis sie dafür zahlen müssen, um der Crew 16 anzugehören. Doch bevor Allison das realisieren kann, ist es bereits zu spät...


DVD-Rating

Sozialkritische Jugendthemen hat Skandalregisseur Larry Clark bereits mit Kids und Ken Park äusserst provokativ porträtiert. Havoc, dessen Drehbuch von der damals 17-jährigen Jessica Kaplan geschrieben wurde, verwendet einen ähnlichen Ansatz. Doku-Regisseurin Barbara Kopple gelingt die Provokation im Rahmen des harmlosen Mainstreamdramas nicht ganz überzeugend.

Havoc beginnt mit einer Videoaufnahme, einem Statement der sichtlich gelangweilten Allison, welche den Zuschauern sogleich klar macht, welche Werte in ihrer Generation gelten. Reiche Kids, die nachts wie Gangster quatschen, koksen, Raufereien anzetteln und am nächsten Morgen brav die High School besuchen. Es ist ein Mix aus Langeweile und Anerkennung; etwas, das Clark in seinen Exempeln mit expliziter Darstellung von Sex und Drogen zelebriert und David Lynch bereits vor über 20 Jahren in Twin Peaks der ambivalenten Laura Palmer angedichtet hat.

In Havoc kämpft Anne Hathaway (The Dark Knight Rises) mit klischeehaften Motivationen. Dass man ihre und Bijou Phillips' (die ebenfalls in Clarks Bully zu sehen war) Brüste sehen kann, ist keine Garantie für ein erstklassiges Jugenddrama. Nein, Kaplans Drehbuch verzichtet auf Authentizität und erstickt in doofen Dialogen und Gangstergetue. Der Film bietet wenigstens für die damals neueren Gesichter Joseph Gordon-Lewitt und Channing Tatum eine weitere Referenz.

Nebst ein paar netten Hip-Hop-Beats und den legendär düsteren Vierteln von Los Angeles kommt das Jugenddrama nur schleppend voran. Ob Eric (Matthew O'Leary) nun das Leben von Allison oder das Cliquenverhalten dokumentieren will, bleibt unklar. Am Schluss sehen wir nochmals Allison in derselben Videoaufnahme: Man solle doch endlich begreifen, dass sie nur totally fucking bored Teenagers seien. Nette Entschuldigung.

Fazit: Havoc möchte gerne ein sozialkritisches Jugenddrama sein, verliert sich aber in Klischees und einer Story, die nun wirklich nichts Neues bietet. Es ist nett, Anne Hathaway mal in einer solchen Rolle zu sehen, aber es scheint, als würde Hollywood in diesem Genre nicht gross auftrumpfen können.

Die DVD kommt ohne grossen Schnickschnack daher. Bild und Ton sind im üblichen Rahme, ausser zwei kurzen Schauspielerbiografien muss man leider auf jegliches Bonusmaterial verzichten.


OutNow.CH:

Bewertung: 3.03

 

23.07.2012 / woc

Community:

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