Hard Candy (2005)
Hard Candy (2005)
Oder: Stille Wasser gründen tief
Jeff (Patrick Wilson) chattet schon seit drei Wochen mit seiner neuen Flamme, der 14-jährigen Hayley (Ellen Page), die er übers Internet kennen gelernt hat. Jeff ist Fotograf und hat schon mit mehreren bekannten Models zusammengearbeitet und auch Naturreportagen gemacht. Nach einer der vielen digitalen Flirtsessions bietet Hayley schliesslich dem schon sehnsüchtig wartenden Jeff an, sich in der realen Welt zu treffen, was er natürlich sofort annimmt. Kurz darauf treffen sich die beiden im lokalen Kaffee, und wie schon im Chat verstehen sich die beiden vorzüglich.
Wie Hayley erzählt, hat sie vor kurzem das Konzert ihrer Lieblingsband verpasst. Jeff verfügt jedoch per Zufall über einen Mitschnitt dieses Konzertes, den er zuhause auf den Rechner herumliegen hat. Hayley will natürlich nicht lange warten, weshalb Jeff sofort vorschlägt, dass sie zu ihm nach Hause fahren sollten. Dort angekommen, hört sich das Mädchen den Konzertmitschnitt an, und Jeff mixt sich einen Drink. Hayley will sich jedoch den Drink selber anrühren, und schon bald arbeiten sich die beiden durch die Minibar. Kurz darauf kommen sie auf Jeffs Fotografentätigkeit zu sprechen und Hayley schlägt Jeff vor, einige Aufnahmen von ihr zu machen. Noch während der ersten Aufnahmen wird Jeff schwarz vor den Augen, und er sackt zusammen. Als er wieder aufwacht, sitzt er gefesselt auf einem Stuhl und blickt in die Augen des Mädchens, das er geglaubt hatte zu kennen. Für den Fotografen beginnt ein Alptraum.
DVD-Rating
Chatten über MSN und andere Portale ist inzwischen zum Volkshobby geworden. Wer keine MySpace-Seite und keinen Facebook-Account hat, ist out. Täglich sitzen Millionen vor dem Computer und reden mit ihren Freunden, die sie übers Web kennen gelernt haben. Manchmal wird sogar eine Beziehung daraus, doch manchmal ist der Gesprächspartner auf der anderen Seite überhaupt nicht die Person, für die sie gehalten wird. Dann kann es sehr gefährlich werden, wenn man in der realen Welt zusammentrifft.
Genau mit diesem Thema beschäftigt sich Hard Candy und greift auch gleich einen realen Event auf, der in Japan stattgefunden hat. Dort haben junge Mädchen reiche Geschäftsmänner angelockt und ihnen Sex versprochen. Als diese Geschäftsmänner schliesslich beim Treffpunkt ankamen, warteten dort mehrere Mädchen auf sie, welche die Männer ausraubten und in einem wenig vorteilhaften Gesundheitszustand zurückliessen. Ein Thema, welches heute sehr aktuell ist, wenn sogar die Polizei eine Plakataktion über die düsteren Gesellen, sich in den öffentlichen Chatrooms tummeln, startet.
Bei Hard Candy beschliessen Jeff und Hayley sich zu treffen. Ein schwerer Fehler wie sich herausstellen wird, doch es ist auch der Anfang zu einem sehr nachdenklich stimmenden Psychothriller, der mit minimalsten Mitteln arbeitet und eine maximale Wirkung erzielt. Hard Candy ist eine Indie-Produktion, welche mit einem Budget von unter einer Million konzipiert wurde. So konnten sie absolute Freiheit geniessen, da so für die Studios kein grosses Risiko vorhanden war. Regisseur David Slade hatte somit die Möglichkeit, mit Patrick Wilson alias Jeff und der grossartigen Ellen Page als die teuflische Hayley einen sehr feinen und intensiven Thriller zu schaffen, der zum Nachdenken anregt und mit guter Kameraführung überzeugt.
Hard Candy zeichnet sich primär durch leise Töne aus und lässt effektgeile Materialschlachten oder Splatterorgien links liegen. Ganz im Stil von 8mm läuft dabei vieles im Kopf des Zuschauers ab, was die Wirkung der gezeigten Bilder keineswegs schwächt. Letztendlich ist Hard Candy jedoch ein Psychoduell zwischen dem Fotografen und der jungen Hayley, welches kaum von einem Soundtrack unterlegt ist und gleichzeitig sehr dialoglastig ist. So können viele subtile Spannungsbögen aufgebaut und langsam eine ganz harmlose Situation immer mehr verdreht und ins Düstere gewendet werden. Dabei ist vor allem die grossartige Wandelbarkeit von Ellen Page hervorzuheben, welche sich vom schüchternen, beinahe verliebten Teenager in eine rasende Psychopatin verwandeln kann und dabei absolut überzeugt.
Fazit: Hard Candy ist klar als einer der vielen Geheimtipps zu deklarieren, welche unauffällig im Regal stehen, sich dann aber als pures Dynamit entpuppen. Es beweist wieder einmal eindrücklich, dass man auch mit einem Budget von weniger als einer Million, mit einer intensiven/kranken Geschichte und zwei grossartigen Schauspielern einen tollen Thriller abliefern kann. Sehr eindrücklich behandelt Hard Candy einige sensible Themen mit grossem Respekt und wirft dabei viele Fragen auf, welche den interessierten Zuschauer noch länger beschäftigen können. Sehr zu empfehlen für Freunde der eher stillen und dialoglastigen Filme, die auf die inneren Werte setzen und nicht immer mit visuellen Reizen überschwemmt werden müssen.
Die Special Edition von Hard Candy bietet den Film in einer ausgezeichneten Qualität, welche mit einem sehr scharfen Bild brilliert und auch im Ton absolut überzeugen kann. Beim Bonusmaterial gibt es auch nichts zu bemängeln: Neben dem obligatorischen Audiokommentar gibt es eine rund fünfzig minütige Dokumentation, welche die ganze Entwicklung des Filmes umfassend abdeckt und auch gut aufzeigt, was sich die Verantwortlichen dabei gedacht haben.
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4.5 Sterne (34 Bewertungen) | 2 Kommentare
DVD-Infos
Special Edition - Steelbook, erschienen am 08.01.2007
- Bildformat: Widescreen 2.35:1 Anamorph
- Sprachen: Deutsch: Dolby Digital 5.1, Deutsch: DTS 5.1 Surround, Englisch: Dolby Digital 5.1
- Untertitel: Deutsch, Englisch
- Extras: Audiokommentar mit David Slade und Brian Nelson, Audiokommentar mit Ellen Page und Patrick Wilson, Kinotrailer, Dokumentation (ca. 52 Min.), Entfallene Szenen, Featurette, DVD Tipps



