Good Night and Good Luck (2005)
Good Night and Good Luck (2005)
Oder: Journalist vs. Senator
1953, die USA zur Zeit des Kalten Krieges: In den Vereinigten Staaten hat die Jagd auf Kommunisten und kommunistisch Gesinnte einen Höhepunkt erreicht. Die Anschuldigungen und Anklagen sind so zahlreich wie nebulös und führen zu einem landesweiten Klima von Furcht und Misstrauen. Schlüsselfigur in dieser von Vermutungen und Denunzierungen angefeuerten Hetze ist Senator Joseph Raymond McCarthy. Seine fragwürdigen Arbeitsmethoden säen Angst und Verunsicherung - faire, beweisbasierte Verhöre sind nicht des Senators Sache.
Auch in den Medienhäusern spürt man die Furcht vor der McCarty'schen Inquisition und den verheerenden Konsequenzen, welche der Verdacht, kommunistische Sympathien zu hegen, für den Betroffenen hat. Seine Vorgesetzten sind deshalb gar nicht begeistert, als der arrivierte Fernsehjournalist Edward R. Murrow (David Strathairn) zusammen mit seinem Produzenten Fred Friendly (George Clooney) beschliesst, in der Nachrichtensendung "See It Now" anhand eines aktuellen Falles auf die fadenscheinigen Begründungen und Methoden aufmerksam zu machen, mit denen gegen vermutete Kommunismus-Sympathisanten vorgegangen wird.
Von den Einschüchterungsversuchen McCarthys, die der Ausstrahlung folgen, lassen sich Murrow und Friendly ebensowenig beeindrucken wie von den Bedenken ihrer Vorgesetzten. Im Gegenteil: Die beiden fahren mit ihrer Entlarvungskampagne fort und produzieren schliesslich eine Sendung, die sich ganz auf den Senator und sein Tun konzentriert. Als Folge davon bricht ein öffentlicher Kleinkrieg zwischen McCarthy und Murrow aus, der am Ende für keinen der Beteiligten ohne Konsequenzen bleibt...
Kinofilm-Rating
George Clooney (Confessions of a Dangerous Mind) hat sich für seine zweite Regiearbeit einen Ausschnitt aus dem Leben einer Ikone des amerikanischen Journalismus ausgesucht: Edward R. Murrow ist im englischen Sprachraum eine Legende. Der umtriebige Journalist, der erste Berühmtheit durch seine vor Ort-Kriegsberichterstattung aus London zu Beginn des Zweiten Weltkriegs erlangte, setzte Meilensteine im Bereich des Radio- und des Fernsehjournalismus. Für sein Schaffen erhielt er zahlreiche Preise, unter anderem den Peabody Award für seine "See It Now"-Sendung über Senator McCarthy.
Clooney, dessen Vater Nick als Journalist und Nachrichtensprecher beim Fernsehen tätig war, wuchs mit der väterlichen Bewunderung für die Person Murrows auf und hatte schon länger geplant, einen Film über die TV-Legende zu machen. Für die Verwirklichung dieses Vorhabens hat er sich nun - nachdem er verschiedene Konzepte für einen Fernsehfilm ent- und wieder verworfen hatte - auf einen bestimmten Ausschnitt aus dem Leben Edward Murrows konzentriert. Diese Eingrenzung ist insofern clever, als dass damit nicht mehrere Jahrzehnte eines ereignisreichen Lebens auf wenige Filmstunden zusammengequetscht werden müssen. Allerdings, dies die Kehrseite, kann der Film so kein umfassendes Bild der Person Murrows liefern. Solange man sich dessen bewusst ist, ist das aber nicht schlimm.
Sein Projekt hat Clooney, der das Drehbuch in Zusammenarbeit mit Grant Heslov (Waiting for Woody) selbst geschrieben hat, atmosphärisch und spannend umgesetzt. Der Film transportiert die hektische Atmosphäre auf Murrows Redaktion ausnehmend gut und sorgt damit für eine ebenso gespannte Stimmung im Kinosaal. Der Geist einer Fernsehstation der fünfziger Jahre wird von Good Night, and Good Luck. nicht nur deshalb eindrucksvoll eingefangen, weil der Film in schwarz-weiss gefertigt ist, sondern auch dank vielen authentisch wirkenden Details. So zum Beispiel die Studioeinrichtung mit ihren klobigen Kameras und den - aus heutiger Sicht - nostalgisch wirkenden Mikrofonen; oder auch die Journalisten, die dank Anzug und Seitenscheitel-Gelfrisur irgendwie alle gleich aussehen. Spannend ist zudem, dass zur musikalischen Umsetzung des Films ausnahmslos Stücke der - wie damals üblich - hauseigenen live Studio-Band verwendet werden - die Musik zum Film wird damit quasi im Film selbst gemacht und verleiht Clooneys Werk damit noch stärker das Flair einer vergangenen Fernseh- und Filmepoche.
Im Bereich des Schauspielerischen erbringt der Hauptdarsteller David Strathairn (Missing in America) eine ausgzeichnete Leistung. Er stellt Edward Murrow als eine faszinierende Persönlichkeit dar, engangiert und nachdenklich. Seine Reden innerhalb der "See It Now"-Ausstrahlungen (zumeist Originalreden Murrows) trägt Strathairn enorm fesselnd und mitreissend vor. Auch der übrige Cast liefert gute Arbeit (schön kantig: Frank Langella als CBS-Chef William Paley, dafür eher unauffällig: Robert Downey Jr. als Joe Wershba), wobei sich George Clooney, der für Good Night, and Good Luck. nicht nur als Regisseur sondern auch als Schauspieler waltet, in seiner Rolle als Fred Friendly eher im Hintergrund hält. Joseph Raymond McCarthy schliesslich wird von keinem Schauspieler dargestellt, sondern spielt sich selbst: Sämtliche TV-Auftritte und Reden McCarthys sowie die Ausschnitte aus Verhören und Gerichtsverhandlungen sind Originalaufnahmen - ein geschickter Schachzug, gewinnt der Film dadurch doch enorm an Authentizität und Glaubwürdigkeit.
Good Night, and Good Luck. (der Filmtitel zitiert die Schlussworte Murrows jeweils am Ende seiner "See It Now"-Sendung) erzählt eine spannende Story, die zugleich einen kleinen Rückblick in die Geschichte des Fernseh-Nachrichtenjournalismus bietet und ausserdem an die bedenklichen Auswüchse der McCarthy-Ära erinnert. Vorallem aber regt der auf wahren Begebenheiten basierende Film zum Nachdenken an. Er verdeutlicht, dass das Fernsehen einst die Macht hatte, Dinge zu verändern und zu bewegen. Er verdeutlicht ebenso, dass den Journalisten damit eine grosse Verantwortung zufiel, diese Macht möglichst sinnvoll einzusetzen, ohne sie aber zu missbrauchen. Inwiefern sich die Begebenheiten und Ereignisse von 1953 auf heute übertragen lassen, ob und wo es Parallelen gibt und welche Funktion die Medien heute erfüllen, welche sie erfüllen müssten und wie es um die Wirkmacht des Journalismus steht, darauf gibt der Film direkt keine Antwort. Er regt aber dazu an, sich Gedanken zu diesen Themen zu machen - und sie beispielsweise nach Filmende mit der Kinobegleitung zu diskutieren.
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