Free Zone (2005)
Free Zone (2005)
Oder: Rambazamba in Ramallah
Israel. Die Junge Amerikanerin Rebecca (Nathalie Portman) hat gerade ihren Ehemann verlassen und beschliesst in ihrer Verzweiflung, einen Ausflug ins Nirgendwo zu unternehmen. So begleitet sie die Taxifahrerin Hanna, eine Israeli, in die "Freezone", eine zollfreie Zone an der Grenze zwischen dem Irak und Jordanien. Hanna möchte dort von ihrem Geschäftspartner eine beträchtliche Summe Geld abholen. Am Ziel angekommen, muss sieg jedoch erfahren, dass jener nicht auftauchen wird. Stattdessen erwartet sie nur dessen Ehefrau, die geheimnisvolle Araberin Leila. Sie vervollständigt das Trio und das ungleiche Gespann macht sich auf, Rebeccas Geld zu organisieren. Angekommen im Heimatdorf des "Amerikaners", so der Spitzname des Partners, müssen sie jedoch feststellen, dass der intolerante Stiefsohn Leila aus Gram alles nieder gebrannt und sich mit dem Geld davon gemacht hat. "Hit the Road" heisst daher wieder - und die drei machen sich auf, den Übeltäter zu finden.
Kinofilm-Rating
Der Film beginnt mit einer minutenlangen Einstellung Portmans, die heulend auf der Rückbank eines Taxis sitzt, untermalt von einem hebräischen Lied von vollendeter Melancholie. Melancholie, traurig, Tränen? Denkste! Wie uns die Untertitel bald offenbaren, handelt das Stück von einer Katze, die ein Lamm isst, einem Hund, der die Katze erwürgt, von einem Stock, der den Hund schlägt, von einem Feuer, das den Stock verbrennt und so weiter. Kurz: Ein Lied, sich befassend mit dem stets aktuellen Thema der Gewaltspirale zwar, aber dennoch fern von jeglicher Traurigkeit. Ein Lied, das vielmehr das Berührungspotentials der Szene verschenkt und jegliche Tränen in ein Schmunzeln verwandelt. Statt der wimmernden Portman zu folgen, läuft im Kopf sogleich ein lustiger Trickfilm, handelnd von einer Katze, die von einem Hund erwürgt wird, etc. Zumindest mir ging's so - und ratzfatz war sie weg, die Aufmerksamkeit. Und das, obwohl der Film so schlecht nicht war.
Die einleitende Szene zeigt schön die Ambivalenz des Films. Amos versucht eine bewegende, ja ernste Geschichte, eine traurige, von Gewalt regierte Realität leichtfüssig zu präsentieren. Doch die Reise ins Genre der Tragik-Komödie vermag ihm nicht zu gelingen. Zu schwarzweiss, zu platt bleibt seine Welt: "Das Problem ist, dass weder die Israelis die Sprache der Palästinenser, noch die Palästinenser die der Israelis sprechen." heisst es im Film beispielsweise. Danke, Herr Amos, für diese Erkenntnis bringende Einsicht. Würden Feinde doch nur miteinander reden, alles würde gut, hach!
Wegen der fehlenden Tiefe wirkt der Film daher leider wie ein Diavortrag eines übermotivierten Geografielehrers. Interessante Schauplätze und merkwürdige Charaktere zwar, doch nichts davon vermag über die zweidimensionale Leinwand hinauszuwachsen und den Zuschauer zu berühren. Nur Laslo, Abbas und schliesslich Portman, die sich nach ihren Rollen als Amidala und V's Helferchen wieder an der Schauspielerei versucht, machen ihre Sache trotz langweiligem Drehbuch gut. Letztere ist es wohl auch, welche es dem Film ermöglicht hat, nicht in der üblichen Belanglosigkeit des Programm- und Festivalkinos zu versinken und schliesslich gar einen Preis in Cannes abzustauben. Nur war nicht sie es, welche die Gesellen rund um Tarantino im letzten Jahr endgültig überzeugte, sondern Hanna Laslo, die den Preis als beste Darstellerin einheimste. Und ja, sie spielt ihre Rolle tatsächlich gut - nur eben: Es ist eine langweilige Rolle. Und als sie mit ihren beiden Filmfreundinnen in einer ultralangen Szene durch die Landschaft fährt und alle drei ihren Kopf zur Musik bewegen - ich konnte fast nicht hinsehen - auch eine äusserst peinliche Rolle. Wie es Amos übrigens gelang, seinen Weltstar zu gewinnen, bleibt im Dunkeln. Im Interview des Presseheftlis heisst es nur, Portman, Tochter von jüdischen Eltern, versuche über das Medium Film und die Schauspielerei die Welt besser zu verstehen.
Schliesslich eine Kritik am Schnitt: In unzähligen Rück, Über- und Ineinanderblendungen werden die Geschichten der Protagonistinnen erzählt. Und wie immer wirkt eine derart übermotivierte Bildsprache, als versuche der Regisseur mit kläglicher Effekthascherei über die Blässe des Films, welche sich, nebenbei erwähnt, so wunderbar in der Öde der Landschaft widerspiegelt, hinweg zu täuschen.
Zu empfehlen ist der Film folglich für all die geduldigen Menschen, die sich mehr für schöne Landschaften und traurige Gesichter interessieren, als für Spannung und gute Dialoge. Tatsächlich wird dabei die Nahostkonflikt-Region von einer ganz neuen Seite beleuchtet. Fernando Mereilles hat es einmal treffend formuliert. Er liebe solche Filme, meinte er, zwar hätten sie meist eine wenig interessante Geschichte (oh ja!), aber sei es doch einfach spannend, anhand solcher Zeitdokumente zu sehen, wie die Menschen in anderen Ländern leben, leiden und frohlocken. Wie wahr, Señor Mereilles! Wie wahr.
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3.2 Sterne (8 Bewertungen) | 0 Kommentare


