Four Brothers (2005)
Vier Brüder
Four Brothers (2005) Vier Brüder
Oder: Der Schneegerfilm
Evelyn Mercer (Fionnula Flanagan) ist das Supergrosi von Detroit. Sie hat schon für Hunderte von Pflegekindern ein Plätzchen organisieren können und schaut auch heute noch nach dem rechten bei den Kleinsten in ihrem Quartier. Beim Truthahn posten mitten in der Nacht (!) trifft sie auf einen Jungen, der einen Schleckstengel klauen wollte. Gerade als sie fertig ist mit Mei-Mei-Finger schwingen, betreten zwei Gestalten den Laden, die noch Schlimmeres vorhaben. Die Wollmützenträger töten Evelyn kaltblütig.
Für Evelyns Beerdigung kommen auch vier jungen Herren zurück in die Stadt. Sie waren als Kinder ihre einzigen hoffnungslosen Fälle und wurden deshalb von Evelyn selber gross gezogen. Ganz von der schiefen Bahn fern halten konnte sich das Quartett zwar nicht, aber die lokale Polizei weiss, es sind "congressmen" im Vergleich zu dem, was aus ihnen geworden wäre, wenn man sie nicht von der Strasse geholt hätte. Bobby (Mark Wahlberg) ist der älteste und sowas wie das Gehirn der vier. Angel (Tyrese Gibson) hat als Ladies' Man öfter mal Puff mit der Lebensabschnittsgefährtin, einer kratzbürstigen Latina (Sofía Vergara). Jeremiah (Andre Benjamin) ist als einziger verheiratet, hat zwei Kids und verdient seine Brötchen auf legalem Wege. Aus Nesthäkchen Jack (Garrett Hedlund) wurde ein drittklassiger Rockmusiker.
Die vier Brüder schwören Rache, obwohl ihre Mutter den Mördern wahrscheinlich als erste vergeben hätte, wie es Jeremiah so schön sagt. Die Killer sind schwupps gefunden und um die Ecke gebracht. Doch bald stellt sich heraus: Mamas Ableben war kein Raubüberfall mit Todesfolge, sondern ein vom örtlichen Gesindel geplanter Mord.
Kinofilm-Rating
Die Blaxploitation-Filme starben wahrscheinlich nicht grundlos aus. Seit den 70ern wurden die transportieren Ideologien ranzig und die Schlaghosen und Hemden mit den riesigen Krägen eingemottet. Jeder Versuch ein Original wie Foxy Brown in die Jetztzeit zu übertragen, scheitert nur schon daran, dass der Spassfaktor Frisuren und andere modischen Exzesse seinen Einfluss verlieren würde. Regisseur John Singleton hat's mit Shaft trotzdem probiert und weiserweise die Originalmusik von Isaac Hayes beibehalten. In Four Brothers lässt er Motown-Klassiker erklingen, schliesslich spielt der Film in Detroit, aber sonst zeigt das Remake eines John Wayne-Westerns mit Namen The Sons of Katie Elder exemplarisch, dass Cowboy- noch Blaxploitationfilme nicht mehr zeitgemäss sind.
Nur schon eine klitzekleine ironische Brechung würde Wunder wirken. Four Brothers nimmt sich aber selber todernst und verlangt von Publikum dasselbe, was nur schon an Kleinigkeiten scheitert wie der Gelfrisur von Mark Wahlberg oder dem Milchbubi Garrett Hedlund, der die Rocker aus Mein Name ist Eugen zu Hell's Angels macht im Vergleich.
Ausser Andre Benjamin, der als einziger schauspielerisch überzeugt, müssen die anderen drei blutrünstige Obermacker spielen, die immer im Gleichschritt bedrohlich durchs Bild wandern. Ihre Lösung für jedes Problem ist die Gewalt. Weil man nicht wirklich zu ihnen hochschauen würde im richtigen Leben, wird halt die Kamera dauernd so positioniert, dass man die Männer von unten sieht. Da sie aber die "Guten" verkörpern im Film, müssen die "Bösen" zwangsläufig noch ein bisschen lächerlicher wirken. Fast schon mitleidig darf man deshalb Chiwetel Ejiofor zusehen. Der Brite, der in Dirty Pretty Things noch smart und liebenswürdig war, macht hier als Oberpimp dem Dr. Evil aus den Austin Powers-Filmen Konkurrenz.
Auch das Frauenbild im Film ist bedenklich. Die willige Latina mit den grossen Brüsten wird von den Jungs nicht ernst genommen. Wieso auch? Wenn ihr das Drehbuch nicht viel mehr zu tun gibt als zumzuzicken und sich mal kurz auf die rumpelnde Waschmaschine zu setzen. Die tote Mama ist hingegen eine Heilige, was eine unbeholfen gespielte Szene beim gemeinsamen Abendessen vermitteln soll, wo die vier Helden wehleidig auf der leeren Stuhl der Verstorbenen starren und in Kindheitserinnerungen kramen.
Hörige Frauen und überzeichnete Bösewichte gab es schon in den Originalen. Aber ohne das miefige Set-Design der Siebziger Jahre ist das einfach nicht cool. Es hat zwar auch in Four Brothers ungewollt Lustiges. Wenn die Rüpel einen Haushalt in Ordnung halten müssen, glorreich scheitern und es erst merken als Wahlberg kein Toilettenpapier mehr findet. Ob das aber auch vom Regisseur so gedacht wurde, lässt sich bezweifeln. Ausserdem lässt Four Brothers nur wenige Filmklischees aus. Autoverfolgungsjagden, die aus dem Nichts ihren Anfang nehmen. Korrupten Polizisten, die alles verplappern, weil sie nicht merken, dass sie verwanzt sind. Spätestens als halbe Quartiere zerschossen werden und die die Polizei lapidar von Selbstverteidigung spricht wird klar, warum der Film zwar ausser Konkurrenz in Venedig lief, aber nicht ein einziges Mal erwähnt wurde in den Feuilletons der deutschen Zeitungen. Also fast nicht, denn zumindest im Blick hatte es Bilder der üppigen Sofía "Viagra" Vergara vom roten Teppich.
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