Flightplan (2005)
Flightplan - Ohne jede Spur
Flightplan (2005) Flightplan - Ohne jede Spur

Sein Schaffensjahr 2005 eröffnete James Horner mit seinem Thrillerscore zu Flightplan (für welchen ursprünglich Rachel Portman eingecheckt hat). Nach seinem enttäuschenden Thrillerscore zu The Forgotten 2004 waren meinerseits die Befürchtungen bezüglich Flightplan relativ gross. Wie in The Forgotten kämpft auch in Flightplan eine Mutter um ihr verlorenes Kind, jedoch nicht mit Aliens in Flugzeughangars, sondern mit Terroristen in der Luft. Wegen den Plotähnlichkeiten rechnete ich damit, dass James Horner allzu sehr auf sein Forgotten-Score zurückgreifen würde. Zum Glück (relativ) weit gefehlt! Drei Aspekte machen die Musik zu Flightplan bedeutend besser und interessanter als The Forgotten: der Score ist grösstenteils orchestral und daher klanglich besser zugänglich, das Mutter-Tochter-Thema ist wärmer und die Action-Musik bedeutend intelligenter.
Das erste Stück "Leaving Berlin" eröffnet im ersten Teil kalt und bedrohend, wobei bei solchen Passagen im Score die Parallelen zu The Forgotten am stärksten sind (Sythprogrammierung und Perkussion). Im zweiten Teil stellt James Horner das Hauptthema für die Mutter-Tochter-Beziehung vor, schlicht und verhalten als Klaviersolo vorgetragen. Die Stärke des Hauptthemas liegt nicht in der Originalität (es ruft unwiderruflich Erinnerungen an A Beautiful Mind hervor), sondern daran wie James Horner es während des Albumverlaufs präsentiert: Zu Beginn intim und relativ kalt ("Leaving Berlin") wird es in "So Vulnerable" bedeutend wärmer und verletzlicher auf der Klarinette vorgetragen. In "Opening the Casket" ertönt es erstmals vollorchestral und emotional zwiespältig (etwas zwischen Triumph und Trauer) und im letzten Stück "Mother and Child" trägt es das Orchester fast schon fanfarisch vor. Eine besonders interessante Interpretation erfährt das Hauppthema in "Carlson's Plan", indem es rhythmisch frei mit fast schon fliegendem Effekt von einem Synth-Chor (stark an Titanic erinnernd) über die Actionperkussion hinweg vorgetragen wird.
Die Action-Musik kommt definitiv nicht zu kurz (womit dann auch die ruhigeren, melodischeren Passagen jeweils sehr willkommen sind). Auch hier hat man wieder zwei für James Horner typische Stielmittel: Zum einen die stark an Apollo 13 erinnernden Perkussionseinsätze, welche er immer wieder in seine Kompositionen integriert und das Klavier. Zur Aufnahme des Scores hat James Horner sage und schreibe vier Klaviere unterschiedlich im Tonstudio platziert. Neben den Themenvorträgen werden die Klaviere hauptsächlich als perkussionistisches Mittel eingesetzt. Dies ist ein äusserst effektives Kompositionsmittel von James Horner und erreicht seinen Höhepunkt in "Carlson's Plan".
Fazit: Nach anfänglich doch sehr hohen Befürchtungen ist Flightplan definitiv eine postitive Überraschung. Auch wenn James Horner sich hier (einmal mehr) nicht komplett neu erfindet, so setzt er seine typischen Stilmittel sehr gekonnt ein und mit einer Spiellänge von gut 50 Minuten setzt auch nicht eine gewisse Orientierungslosigkeit in der Mitte des Albums ein! Für all diejenigen, die an anspruchsvoller, nicht immer leicht anzuhörender Thriller-Orchester-Musik interessiert sind und James Horner wieder mal abseits seiner Epenmusik erleben möchten, kommt dieses Album mit eindeutiger Empfehlung!
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